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Veröffentlicht: 25.08.2013, 09:01 Uhr

Ice Guerilla Berliner Weiße + Vollmilch + Zartbitter

Wo Handarbeit noch was gilt, im Brandenburgischen: Eine Verkostung bei der „Ice Guerilla“. Der Kinobetreiber Ralf Schulze produziert angeblich das beste Speiseeis Deutschlands.

von Thomas Platt
© Pein, Andreas „So larifari geht nicht“: Eiskonditor Ricco Klotzsche im Eiscafé in Beeskow

Wer bestimmt eigentlich, was in Deutschland ein gutes Eis ist? Gemeint ist natürlich Speiseeis fern von industriellen Standards und erfüllt von einer Natürlichkeit, wie sie nur mit handwerklicher Herstellung einhergeht. Es dürften immer noch die Italiener sein, obwohl es längst auch türkische und arabische Eismacher gibt, die mit der Ausbreitung des Döner-Business einen fruchtbaren Boden vorfinden. Es sind nicht etwa Leute aus der Tiefe des Südens, dem Mezzogiorno, die den Ton angeben, sondern regelrechte Dynastien, die vor allem zu Beginn der fünfziger Jahre aus zwei Tälern in den östlichen Dolomiten eingewandert sind und die Konjunktur des Wirtschaftswunders mit bunten Kugeln und immer prächtigeren Eisbechern kühlten.

Umso erstaunlicher ist es, dass in diese Phalanx aus dem Val di Zoldo und dem benachbarten Cadoretal ein Mann aus dem brandenburgischen Beeskow einbrechen konnte. Im Jahr 2012 wurde das Vanilleeis von Ralf Schulze auf der Stuttgarter „Intergastra“, der laut Eigenwerbung „führenden Fachmesse für innovatives Gastrobusiness“, zum besten der Republik erklärt; Thomas Gottschalk lobte das Produkt im Live-Fernsehen.

Zweites Standbein um das Sommerloch zu überbrücken

Dass das bewegte Vorleben des Eissiegers ihm dabei mehr genützt als geschadet hat, ist das zweite Wunder, das sich in dem Kleinstädtchen nicht weit westlich der Oder zutrug. Begonnen hat alles im Beeskower Jugendclub „Treibstoff“, wo sich die späteren Eisrebellen Ralf Schulze und Ricco Klotzsche in jungen Jahren begegneten. Beim heutigen Eiskonditor Klotzsche, ursprünglich gelernter Facharbeiter für Fleischverarbeitung, deutete genauso wenig auf die späte Berufung hin wie bei seinem jetzigen Chef. Der war über ein Dutzend Jahre bei der Bundeswehr, brachte es zum Feldwebel und zu Auslandseinsätzen, darunter im Kosovo.

Als das örtliche Kino geschlossen wurde, war das eine Zäsur für die Jugend des Landkreises Oder-Spree. Aber zugleich stieß diese Vakanz eine Entwicklung an, die sich alsbald verselbständigte. Als sich kein neuer Betreiber fand, kratzte Schulze alle Ersparnisse zusammen und übernahm das schmucke Haus an der Durchfahrtsstraße. Um das Sommerloch, das in der Kinobranche sehr tief sein kann, kommerziell zu überbrücken, stieß Schulze schließlich auf Eis als zweite Säule seiner Unternehmung.

Als Soldat gewohnt, das Heft in der Hand zu behalten, kam die Abhängigkeit von Fertigeislieferanten nicht in Frage. Ein halbes Wanderjahr in Italien, das den inzwischen zum Zivilisten Gewordenen auch nach Longarone im Veneto führte, wo alljährlich die größte internationale Fachmesse zum Thema abgehalten wird, und zu renommierten Eismachern in der Lombardei ging der Herstellung in Eigenregie voraus.

„Man muss Eismachen leben“

Heute schließen sich an die zwei Kinosäle, die von Mittag bis spät in die Nacht in Betrieb sind, ein Café an, eine Lounge sowie eine Produktionsküche, deren Kapazitätsgrenze mit gut 10000 Litern Eis im Jahr erreicht ist. Der Name des Unternehmens, „Ice Guerilla“, klingt wie ein Symbol für Behauptungswillen und das ewige Ringen der Kleinen mit den Großen.

Was denn das Schöne am Eismachen sei, wird Klotzsche gefragt. Nach einigem Nachdenken sagt der Eiskonditor: „Man muss Eismachen leben. So larifari geht nicht. Konkret heißt das im Sommer sieben mal zwölf Stunden die Woche im Betrieb sein. Stunden darf man gar nicht erst schreiben.“ Mit verhaltenem Stolz präsentiert der Vierundvierzigjährige die Tagesproduktion. „Weiße + Vollmilch + Zartbitter-Schokolade“ variiert geschickt einen klassischen Umsatzträger und lockert die schier sengende Süße mit dem außergewöhnlich aromatiefen Kakao von De Zaan.

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