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Gründer: Lucem Lichtbeton Wände voller Sternenfunkeln

Andreas Roye und Marijan Barlé bieten Sternenwände ohne Löcher an. Mit lichtleitenden Fasern wird den schnöden Betonplatten Leichtigkeit verliehen. Auch Häuserfassaden wollen sie mit ihrem Werkstoff gestalten.

© Schoepal, Edgar Vergrößern Andreas Roye (l.) und Marijan Barlé haben Lucem Lichtbeton im rheinischen Stolberg gegründet

Sie wissen ihr Produkt in Szene zu setzen. Andreas Roye und Marijan Barlé haben das Licht in dem kleinen Showroom gedämpft. So leuchtet der Bartresen noch eindrucksvoller. Die feinen, schimmernden Linien lassen die massiven Betonplatten der Theke, die von hinten angestrahlt wird, fast wie einen leichten Stoff anmuten. Eine andere Platte funkelt wie ein Sternenhimmel. Auf einer dritten zeichnet sich leuchtend ein Logo ab.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als befänden sich im Beton winzige Löcher, durch die das Licht scheint. Der Effekt wird jedoch durch lichtleitende Fasern erzielt, die in den Werkstein eingebettet sind und ihn transluzent (lichtdurchlässig) machen. In Anlehnung an diese Eigenschaft haben Roye und Barlé ihrem Unternehmen den Namen Lucem gegeben.

Lichtbeton günstiger zu produzieren war das Ziel

Auf den Lichtbeton stießen die beiden Ingenieure, als sie am Institut für Textiltechnik der RWTH Aachen arbeiteten. Das Material sei bereits seit längerem bekannt, früher aber nur vereinzelt angefertigt worden, berichten sie. Vor rund zehn Jahren habe es der ungarische Bauingenieur Áron Losonczi wiederentdeckt. Hohe Herstellungskosten standen jedoch einer größeren Verbreitung im Wege. Roye und Barlé sahen die Möglichkeit, den Werkstoff günstiger zu produzieren. 2007 gründeten sie als Spin-off aus der RWTH heraus ihre Firma, die zunächst Robatex hieß.

"Anfangs haben wir den Beton noch in einem Eimer in meiner Garage angemischt", erinnert sich der 40 Jahre alte Barlé. Per Hand legten sie die Fasern ein. Bald schon aber zogen sie als Untermieter zu einem Metallbetrieb nach Stolberg bei Aachen, wo sie leerstehende Hallen und Büros nutzen konnten und weiter an dem Produktionsverfahren arbeiteten. Doch nach dem ersten Jahr war das eigene Kapital aufgebraucht. Ein Business Angel, ein Maschinenbauunternehmer, half ihnen mit einer Finanzspritze über die nächsten zwei Jahre hinweg. "2010 war dann aber eine richtige Finanzierungsrunde fällig", sagt Roye.

Bei den Banken blitzten sie ab, fanden aber recht schnell Wagniskapitalgeber. Der Fonds Rheinland Venture Capital, der unter anderem von der NRW-Bank aufgelegt wurde, und die KfW als Ko-Investor stiegen mit je einem Fünftel ein. Der Privatinvestor erhielt 8 Prozent, so dass die beiden Gründer heute noch über 52 Prozent der Anteile verfügen.

Auf die richtige Mischung kommt es an

Das frische Geld floss in Marketingmaßnahmen und vor allem in neue Maschinen. In der Produktionshalle steht heute eine selbst entwickelte, vollautomatische Produktionsanlage, in der die Fasern in den flüssigen Beton eingelegt werden. Es komme auf die richtige Mischung aus Zement, Sand und Wasser an, sagt Barlé. Auch müsse der Beton möglichst langsam fließen. Die Blöcke härten zunächst vier Wochen aus. Dann werden sie in dünne Scheiben geschnitten, die wiederum geschliffen und poliert werden. Rund 5000 Quadratmeter Lichtbeton kann Lucem derzeit im Jahr herstellen. Der Preis liegt bei rund 500 Euro je Quadratmeter.

Zunächst belieferte Lucem vor allem Badstudios, die sich aus den Betonplatten Waschtische zuschneiden ließen. Doch Roye und Barlé wollten ihr Geschäft stärker in Richtung Innenausbau entwickeln, was sich als schwierig erwies. "Die Architekten hatten anfangs großes Misstrauen gegenüber Lichtbeton", erinnert sich Barlé. Inzwischen seien sie aufgeschlossener. Ausgestattet hat Lucem etwa die Hauptverwaltung der Signal Iduna in Dortmund. Auf drei Etagen wurden Wände mit Lichtbeton verkleidet. Sie sind von hinten mit Leuchtdioden (LED) versehen und leuchten strahlend weiß. In einer belgischen Zahnklinik wurde eine Lichtbeton-Wand als Raumteiler eingesetzt: Die Silhouetten der Patienten im Wartezimmer zeichnen sich als Schatten auf der Wand ab. Der größte Auftrag kam von der Staatsbank Georgiens, deren Eingangshalle Lucem mit Lichtbeton dekorierte. Präsentieren durfte sich das Unternehmen zudem mit einer transluzenten Wand im Deutschen Pavillon auf der Expo in Schanghai.

Ein neues Geschäftsfeld: Häuserfassaden

Momentan arbeiten die beiden Geschäftsführer, die inzwischen sechs Mitarbeiter fest angestellt haben, am Einstieg in ein weiteres Geschäftsfeld. Auch Häuserfassaden wollen sie mit ihrem Werkstoff gestalten. Ein erster Auftrag für ein Forschungsinstitut auf dem RWTH-Campus ist seit kurzem unter Dach und Fach. Die 120 Quadratmeter große Nordfassade des Gebäudes wird in wechselnden Farben leuchten. Zudem seien mehrere Projekte im arabischen Raum in der Verhandlung, etwa für eine Moschee und einen Flughafen, berichtet Roye. Mit den größeren Flächen werde sich das Auftragsvolumen schlagartig erhöhen. In diesem Jahr hofft er darauf, den Umsatz auf 2 Millionen Euro zu verdoppeln und dann auch profitabel zu arbeiten. Barlé hatte schneller mit dem Erreichen der Gewinnzone gerechnet. "Mit einem Baustoff ist die Anlaufphase eben länger als bei einem Internet-Start-up", stellt er fest. Der Bau sei konservativ.

Für den lichtdurchlässigen Beton sehen die beiden Gründer großes Potential, erwarten aber auch einen verschärften Wettbewerb. Schon heute tummeln sich mehrere Unternehmen in dem Geschäft, darunter Luccon Lichtbeton aus Österreich und die ungarische Litracon von Áron Losonczi. Mit dem Marktwachstum könnte es zudem für große Betonhersteller immer attraktiver werden, sich mit dem Produkt zu beschäftigen, fürchten die Lucem-Chefs. Umso mehr Energie wollen sie in die Etablierung ihrer Marke stecken.

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Quelle: F.A.Z.

 
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