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Gründer Kurt Roth Im Blut liegt die Wahrheit

 ·  Firmengründer Kurt Roth testet, ob Blutspenden sauber sind. Damit hat er schon den deutschen Markt aufgerollt. Jetzt nimmt er es mit den großen Konzernen auf.

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© Helmut Fricke Vergrößern Mit den Blutspendediensten im Rücken eigentlich kein klassischer Gründer: Kurth Roth, Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens GFE Blut in Frankfurt

Sogar die Folgen des Klimawandels könnte Kurt Roth in einer Blutprobe nachweisen. Das West-Nil-Virus, ursprünglich im tropischen Afrika zu Hause, hat sich zusammen mit seinen Trägermücken in den vergangenen Jahren nach Griechenland, Rumänien und bis nach Österreich ausgebreitet. Deshalb wird in Südeuropa inzwischen schon jede Blutspende darauf geprüft, ob sich das Virus darin befindet. In Deutschland ist es noch nicht so weit. Aber falls die Gesundheitsbehörden den Test auch hierzulande einführen, werden Roth und das von ihm geführte Unternehmen GFE Blut darauf vorbereitet sein.

Die im Jahr 2005 gegründete „Gesellschaft zur Forschung, Entwicklung und Distribution von Diagnostika im Blutspendewesen mbH“ ist nach eigener Auskunft in Deutschland der Marktführer für vergleichbare Laborleistungen - und Krankheiten wie das West-Nil-Virus oder auch das Dengue-Fieber sind in Roths Augen folglich nicht nur eine Bedrohung, sondern potentielle Geschäftsfelder. „Das ist wie David gegen Goliath“, beschreibt Roth den Wettbewerb in der Branche. „Wir sind den Großen bisher immer einen Schritt voraus gewesen.“

Test verkleinert „diagnostisches Fenster“ um mehrere Wochen

Diagnostikkonzerne wie Roche aus der Schweiz und Abbott aus Amerika setzen Milliarden um und sind überall auf der Welt vertreten. Das im Frankfurter Innovationszentrum beheimatete Unternehmen ist dagegen bislang nur auf dem deutschen Markt vertreten - testet hier aber jede zweite der rund 5 Millionen im Jahr abgegebenen Blutspenden. Aus dem Umsatz, den Roth auf 5 Millionen Euro beziffert, lässt sich der Stückpreis für den von GFE vertriebenen Test ableiten, mit dem die Blutkonserven in einem Durchgang auf sechs verschiedene Viren untersucht werden, unter ihnen die Hepatitis- und Aids-Erreger. „Sechs Viren mit einem Test, das bekommen unsere Wettbewerber erst nächstes Jahr hin“, sagt Roth.

Zum Vorausdenker ist der gebürtige Pfälzer vermutlich schon während seines Medizinstudiums in München geworden. Die Berufswahl - Arzt oder Wissenschaftler - sei ihm nicht leichtgefallen, berichtet er. Dann aber habe er sich für die Wissenschaft entschieden, weil deren Fortschritt einer größeren Zahl von Menschen zugutekomme, als ein praktizierender Arzt je erreichen könne. Roth konzentrierte sich auf die Virusforschung und entwickelte zuerst am Max-Planck-Institut für Biochemie, dann an einem Frankfurter Forschungsinstitut eine Methode, um Viren schon dann im Blut nachzuweisen, wenn das Immunsystem noch nicht auf sie reagiert und Antikörper gebildet hat. Das Verfahren beruht auf der Vervielfältigung der im Blut enthaltenen Erbsubstanz.

Spätestens 1993, als kontaminierte Blutkonserven dazu führten, dass Patienten mit dem Aids-Erreger infiziert wurden, zeigte sich, dass Roths Forschungsgebiet kein Nischenthema ist. Denn der virologische Test verkleinert das sogenannte „diagnostische Fenster“, in dem der Erreger noch nicht zu erkennen ist, um mehrere Wochen. Zwischen zwei und vier HIV-positive Blutkonserven, in denen noch keine Antikörper nachgewiesen werden können, werden seit der Einführung des neuen Testverfahrens Jahr für Jahr identifiziert, für den Hepatitis-C-Erreger sind es bis zu fünfzehn im Jahr; entsprechend viele Ansteckungen verhindert der Test.

„Einen Plan B hatte ich bei der Gründung nicht“

1997 nahm Roth eine Stelle als Berater beim Frankfurter Blutspendedienst an, einem der größten in Deutschland. Wiederum acht Jahre später wechselte er mit der GFE-Gründung komplett aus der Wissenschaft in die Wirtschaft. Auf gut 10 Millionen Euro veranschlagt Roth die Anlaufinvestitionen, die in den ersten fünf Jahren seit der Gründung zu stemmen waren. Getragen haben diese Kosten die drei Blutspendedienste des Deutschen Roten Kreuzes, die als Gesellschafter firmieren und bislang zugleich die Abnehmer des Tests sind. Der erste Gewinn von etwa 100000 Euro war 2011 zu verzeichnen. Inzwischen ist die Technik - das Unternehmen stellt die benötigten Reagenzien zusammen und montiert die Maschinen, auf denen der Test durchgeführt wird - nach Roths Einschätzung ausgereift genug für die Expansion ins Ausland. Seit dem vergangenen Jahr ist zudem der Patentschutz abgelaufen, den Roche und Novartis im Ausland zuvor auf wichtige Teile des Verfahrens genossen.

Roth gibt sich nun angriffslustig: Derzeit liefen beispielsweise vielversprechende Verhandlungen mit möglichen Kunden aus Algerien und drei weiteren außereuropäischen Ländern, berichtet er. Weil das Geschäftsmodell auf große Mengen ausgelegt sei - im Hochdurchsatzverfahren können auf einer Maschine zurzeit 4000 Blutspenden innerhalb von sechseinhalb Stunden getestet werden -, sei auch ein sehr schnelles Wachstum zu bewältigen. Zusätzliches Personal ist schon eingestellt, 28 Mitarbeiter zählt das Unternehmen nun. „Eine Umsatzverdoppelung binnen eines Jahres halte ich im nächsten Schritt durchaus für möglich.“ Dank kräftiger Skaleneffekte würde der Gewinn dann überproportional zunehmen, verspricht sich Roth.

Mit den Blutspendediensten im Rücken sei er eigentlich kein klassischer Gründer, sagt er. Doch zu sehr unter den Scheffel will er sein Licht auch nicht stellen: Riskant sei der Schritt durchaus gewesen, betont er. „Einen Plan B hatte ich bei der Gründung nicht. Und wenn wir nicht innerhalb von fünf Jahren Erfolg hätten nachweisen können, wäre die Sache beendet worden. Aber ich wollte sehen, ob sich die Idee, die ich im Kopf hatte, verwirklichen lässt.“ 62 Jahre alt ist Kurt Roth nun - und seine Gedanken sind eben doch die eines klassischen Gründers: Einen geeigneten Nachfolger zu finden, sagt er, das sei jetzt die wichtigste und zugleich schwierigste Aufgabe für ihn.

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