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Veröffentlicht: 21.01.2013, 08:56 Uhr

Gina Rinehart Die Eisenharte

Aus den Erzfunden ihres Vaters schmiedete die Australierin Gina Rinehart ein Milliardenimperium. Jetzt ist sie die reichste Frau der Welt - und eine komplexe, schwierige und gefürchtete Persönlichkeit.

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© Action Press Besitzt ein Vermögen von mehr als zwanzig Milliarden Dollar: Gina Rinehart

Als Lang Hancock und seine Frau Hope in ihre einmotorige Auster stiegen, zogen dunkle Wolken auf. Hancock war gezwungen, tiefer über das australische Outback zu fliegen als sonst. Er war ein erfahrener Pilot - seit Jahren lebte das Paar in Nunjerry, in der unendlichen Steinwüste im Nordwesten Australiens, einem der heißesten und entlegensten Orte der Erde. Der nächste Nachbar lebte 250 Kilometer entfernt. Perth, die nächste Stadt, liegt fast 1200 Kilometer südlich von Nunjerry. Nach Perth wollten sie auch an jenem 22. November 1952. Dann aber sah Hancock aus dem Fenster im Cockpit eine rotbraune Spur in den Felsen dicht unter ihm: Eisenerz.

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Es war der Moment, in dem sich das Leben von Hancock und all seiner Nachkommen, ja auch dasjenige vieler Australier änderte. Denn diese Entdeckung begründete, ohne dass Hancock es in dieser Sekunde ahnte, den Eisenerzabbau im Westen von „Down Under“. Hancock legte damit den Grundstein für eigene Milliarden und den Wohlstand des heutigen Australiens.

Wer spricht von der Erbin?

Seine Tochter Gina hasst es, als Erbin bezeichnet zu werden. Dabei ist sie genau das. Dank Hancocks Entdeckung wuchs sie die ersten vier Jahre im Outback auf, erbte später Millionen. Vor allem aber erbte sie das Wissen und Verhandlungsgeschick ihres Vaters. Die Kunst, Monopoly mit Minen zu spielen, beherrscht sie perfekt. Als ihr Vater 1992 starb, wurde der Reichtum der Tochter in Australien auf 75 Millionen Dollar geschätzt. Zehn Jahre später waren es schon rund 280 Millionen Dollar. 2011 wurde sie mit gut 10 Milliarden Dollar zum reichsten Menschen Australiens erklärt. Im vergangenen Jahr lagen die Schätzungen schon bei mehr als 20 Milliarden Dollar. In Abhängigkeit vom Weltmarktpreis für Eisenerz gilt sie - noch vor der Wal-Mart-Erbin Christy Walton - als reichste Frau der Welt. Analysten der Citibank und Schätzungen von Forbes sagen voraus, es werde nur noch ein paar Jahre dauern, bis Gina Rinehart der reichste Mensch der Welt sei. Wer spricht da noch von der Erbin?

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Die Liebe zum Land hat Gina allerdings wirklich von ihren Eltern geerbt. „Schönheit ist nicht der gezupfte Rasen, es sind nicht die Gemälde, Schmuck, Statuen oder die Boutiquen in Paris. Schönheit, das sind die bizarren, nicht mit dem Pinsel einzufangenden Farben der Pilbara“, lässt sie sich zitieren und fügt allen Ernstes an: „Ideen sind Schönheit - die Ideen, was wir mit dieser weiten Wildnis anfangen können, wenn wir ihre Bodenschätze nutzen. Schönheit ist eine Eisenerzmine.“ Rinehart ist auf ihre ganz eigene Art unprätentiös - schwergewichtig tritt sie oft in weiten Gewändern auf, die Haare ungewaschen, auch beim Fototermin Badeschlappen an den Füßen. Keine Frage: Diese Frau würde jederzeit in der Pilbara den Spaten ansetzen.

Dabei ist sie längst in Vorstandsetagen zu Hause. Ihr Vater nahm sie schon als Kind mit zu Geschäftsterminen. So hielt auch sie es: Als sie für den „National Miner“ arbeitete, eine Zeitschrift des Vaters, ließ sie sich in ihr Zimmer eine doppelte Ziegelwand ziehen, hinter der eines der Babys lag - so wurden Besucher nicht von dessen Schreien gestört.

Zwanzig Dollar pro Sekunde

Mit dem zweitgrößten Rohstoffkonzern der Erde, Rio Tinto, handelte Hancock aus, an jeder Tonne Eisenerz aus dem riesigen Hamersley-Ranges-Vorkommen mit 2,5 Prozent beteiligt zu werden. Der Konzern baute eine Eisenbahnlinie an die Küste, einen Hafen, sorgte für den Abbau. Unterdessen stieg der Preis für die Tonne Eisenerz von 20 Dollar Ende der achtziger Jahre auf den Rekordwert von mehr als 170 Dollar im vergangenen Jahr. Ohne Zweifel bilden die Lizenzgebühren, die sie bei allen späteren Verkäufen von Bergwerksanteilen niemals gefährdete, die Grundlage des wachsenden Reichtums der Gina Rinehart. Allein die Mine Hamersley Iron dürfte ihr jede Sekunde 20 Dollar bringen - 1200 Dollar die Minute, 72.000 die Stunde, 1,7 Millionen Dollar am Tag, 630 Millionen Dollar im Jahr.

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