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Gesundheitssystem : Macht der Krebs uns arm?

Eine Brustkrebszelle in Nahaufnahme: Die Bekämpfung von Krebs wird immer erfolgreicher - und immer kostspieliger. Bild: DKFZ

Manches Krebsmedikament ist in Gramm gerechnet 4000 mal so teuer wie Gold. Die Krebsmedizin erzielt Fortschritte, von denen Ärzte und Patienten lange träumten. Doch jetzt gibt es ein neues Problem: Die Therapien sind teuer - teilweise viel zu teuer.

          Es ist mehr als 4500 Jahre her, dass der ägyptische Arzt Imhotep eine Liste der ihm bekannten Krankheiten samt Therapieempfehlungen mit Hieroglyphen auf einen Papyrus geschrieben hat. An 45. Stelle stehen darauf „geschwollene Massen der Brust, hart und kühl, die sich der Hand entgegenwölben“. Es ist die älteste erhaltene Beschreibung von Krebs, auch wenn Imhotep dafür noch keinen Namen hatte. Er war am Hof des Pharaos ein Star, vermutlich der bekannteste Wissenschaftler seiner Zeit. Aber dieses Leiden machte ihn ratlos. Anstatt wie bei den anderen Krankheiten auf seiner Liste das Für und Wider der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zu erläutern, notierte er nur: „Es gibt keine.“

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Imhoteps moderne Kollegen, die führenden Krebsmediziner der Welt, treffen sich jeden Sommer in Amerika zu ihrem wichtigsten Kongress. Die Veranstaltung hat gigantische Ausmaße angenommen, mehr als 20.000 Teilnehmer kommen dafür jedes Jahr nach Chicago. Ratlos macht sie inzwischen nicht mehr so sehr die Frage, wie die Krankheit entsteht und wie sie sich behandeln lässt – darauf haben vor allem die Erkenntnisse der Genforschung in den vergangenen Jahren so viele Antworten gegeben, dass die Fachleute vom Anbruch eines neuen Zeitalters in der Krebsmedizin schwärmen.

          4000 mal so teuer wie Gold

          Ziemlich ratlos stehen sie dafür nun dem Problem gegenüber, dass gleichzeitig auch die Kosten für die Therapie ins Unermessliche zu steigen drohen. Ein renommierter Onkologe machte seinem Frust darüber ausgerechnet nach der Vorstellung zweier vielversprechender neuer Medikamente gegen Hautkrebs Luft. „Diese Arzneien kosten zu viel“, schimpfte er auf dem jüngsten Treffen in Chicago. Eines der hochgelobten Präparate sei, in Gramm gerechnet, 4000 mal so teuer wie Gold. Die Kritik saß. Wenige Wochen später legten mehr als 100 amerikanische Mediziner in einem gemeinsamen Fachartikel nach: Mehr als 100.000 Dollar im Jahr koste eine Krebstherapie heute im Durchschnitt. Die Durchschnittspreise für Krebsmedikamente haben sich in den Vereinigten Staaten demnach in den vergangenen 15 Jahren verfünffacht. Dazu passt die Meldung der auf den Gesundheitssektor spezialisierten Datenfirma IMS Health, dass die Onkologie für die Pharmabranche zum wichtigsten Wachstumsmarkt überhaupt geworden ist. Der Umsatz stieg 2014 auf 100 Milliarden Dollar.

          Dafür gibt es zwei Erklärungen. Einerseits werden die herkömmlichen Zellgifte, die jahrzehntelang die Krebsmedizin dominiert haben (Stichwort: Chemotherapie), von einer neuen Arzneimittelgeneration abgelöst. Diese neuen Präparate aus der Biotechnologie greifen den Krebs gezielter an, unterbrechen das Wachstum der kranken Zellen oder rüsten das körpereigene Immunsystem auf. „Wir erzielen jetzt endlich die Fortschritte, von denen wir als Ärzte seit langer Zeit geträumt haben“, sagt dazu Otmar Wiestler, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Noch fünf Jahre, dann wird es nach seiner Überzeugung auch für viele Krebspatienten, die bislang kaum erfolgreich behandelt werden können, wesentliche Verbesserungen geben.

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