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Gesuchter Hedgefonds-Manager Florian Homm im Museum verhaftet

 ·  Die Suche nach dem ehemaligen Hedgefonds-Manager Florian Homm glich einem Agententhriller: Fünf Jahre war er untergetaucht, seither ist die amerikanische Justiz ihm auf den Fersen. Nun wurde er in Florenz festgenommen - während eines Besuchs der Uffizien.

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Eine mehr als fünfjährige Flucht ist beendet: Der mutmaßliche Millionenbetrüger und ehemalige Hedgefondsmanager Florian Homm sitzt seit Freitag in Haft. Dem Dreiundfünfzigjährigen wurde sein Kunstinteresse zum Verhängnis: Gemeinsam mit seiner Exfrau und seinem Sohn besuchte er das weltberühmte Museum der Uffizien in Florenz, in dem Werke von Raffael, Michelangelo und da Vinci ausgestellt werden, als italienische Polizisten zugriffen. Den entscheidenden Hinweis gab ein FBI-Beamter beim amerikanischen Konsulat in Mailand. Homms Festnahme erfolgte mit höchster Diskretion. „Noch nicht einmal das Sicherheitspersonal im Museum hat etwas bemerkt“, sagte Museumsdirektor Antonio Natali Medienberichten zufolge. Nun wartet Homm im Gefängnis darauf, dass ihn die italienischen Behörden an die Vereinigten Staaten ausliefern. Es wird damit gerechnet, dass einem solchen Rechtshilfegesuch stattgegeben wird.

Schon seit einiger Zeit reist Homm auf der Flucht vor den Ermittlern aus Amerika mit falscher Identität durch die Welt, nach eigenen Angaben war er in mehr als 130 Ländern. Sechs Jahre lang soll er in Paris gemeldet gewesen sein. Er schrieb im vergangenen Jahr ein Buch über seine Zeit als Finanzmanager und lud sogar Journalisten zum Gespräch darüber ein. Zuletzt fühlte er sich offenbar so sicher, dass er am vergangenen Sonntag sogar als Gast in der ZDF-Sendung von Peter Hahne saß und munter mit der Linken-Vizechefin Sarah Wagenknecht diskutierte. Homm, der die Leute gern überraschte, dürfte die Festnahme daher vermutlich selbst am meisten überrascht haben.

Bekanntheit erlangte der aus Hessen stammende Großneffe des Versandhausgründers Josef Neckermann mit seiner ersten Firma Value Management & Research, die eine hohe Zahl an Börsengängen für oftmals erfolglose Unternehmen organisierte. Homm, der sich gern Zigarre rauchend und mit frisch gegeltem Haar zeigte, wurde aber erst als Gründer und Chef der Hedgefonds-Gesellschaft Absolute Capital Management Holdings (ACMH) berühmt - weil er die Öffentlichkeit nicht scheute, wegen der hohen Rendite seines Fonds zum Gesicht der vermeintlich eiskalten Finanzbranche avancierte und die Klatschspalten diverser Magazine füllte. Er verwaltete in seinem Hedgefonds bis zu 3 Milliarden Euro und hatte selbst ein Vermögen von bis zu 400 Millionen Euro. 2004 stieg er mit 20 Millionen Euro beim Fußballverein Borussia Dortmund ein und bewahrte den Traditionsclub damit vor der Insolvenz.

Homm soll aber auch für Verluste von 200 Millionen Dollar (etwa 154 Millionen Euro) in seinem Hedgefonds verantwortlich sein und viele Kunden um ihr Geld geprellt haben. Im September 2007 verschwand er über Nacht. „Ich fand mich schmierig, humor- und seelenlos“, gab Homm der F.A.Z. bei einem Geheimtreffen in Paris zu Protokoll. Mit einem ausgefeilten Betrugssystem soll er den Wert von eigentlich wertlosen Aktien künstlich in die Höhe getrieben haben. So hat er laut Börsenaufsicht SEC den Wert kleiner amerikanischer Aktiengesellschaften manipuliert und dann deren Anteile überteuert an Fonds von ACMH verkauft. Homm selbst räumt zwar ein, dass diese Geschäfte „gewissermaßen“ unethisch gewesen seien, sagt aber gleichzeitig, sie seien legitim gewesen. Das sehen die Strafverfolgungsbehörden in Los Angeles offenbar anders. Dort liegt eine Strafanzeige wegen Verschwörung und Betrugs vor.

Bis zu 75 Jahre Haft kämen im Fall einer Verurteilung auf ihn zu

Im Falle einer Verurteilung kommen bis zu 75 Jahre Haft auf Homm zu. Außerdem verlangt die amerikanische Börsenaufsicht rund 54 Millionen Dollar (etwa 44 Millionen Euro) von ihm. Wegen angeblicher Geldwäsche-Geschäfte mit südamerikanischen Drogenkartellen war auch die amerikanische Drogenbehörde Homm auf den Fersen. Damit nicht genug: Zusätzlich könnten sich auch noch Investoren mit Schadensersatzforderungen an ihn wenden. Einige Kleinanleger haben sogar mehr als 1,5 Millionen Euro Kopfgeld auf ihn ausgesetzt.

Homm streitet die Vorwürfe komplett ab. Persönlich will er sich gewandelt haben. Während er sich früher selbst als „Pitbull“ oder „Arschloch“ bezeichnete, will er heute karitativ arbeiten. Das Geld aus seinem Buchprojekt etwa soll laut Verlagsangaben als Spende an die „Liberia Renaissance Foundation“ gehen, die liberianische Schulkinder fördert. „Ich habe monatelang in vollkommen verarmten Regionen gelebt, um den Sinn unserer Existenz zu ergründen“, sagt Homm, um seinen vorgeblichen Wandel zu erklären.

Die Festnahme in Florenz lässt nun auch die Frage nach der Rolle seiner Exfrau wieder aufkommen, die mit ihm gemeinsam unterwegs war. Sie ist eng mit der Stiftung verbandelt, an die das Buchhonorar überwiesen werden soll. Immer wieder gab es zudem Gerüchte, sie habe über Umwege einen Großteil seines Vermögens überschrieben bekommen. Homm selbst bestreitet das allerdings und sagt, zwischen ihm und seiner Exfrau gebe es keine finanziellen Verbindungen mehr.

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