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Gehard Cromme Traumjob Ruhrbaron

Gerhard Cromme ist der Doyen des deutschen Top-Managements: machtbewusst, blitzgescheit, Gravität verströmend. Doch jetzt wird’s eng für ihn.

© dpa Vergrößern 14. November in der Villa Hügel: Berthold Beitz, sitzend, erhält den Verdienstorden des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Rechts hinter ihm: Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger und Gerhard Cromme, wie meist mit Zweireiher und weißem Einstecktuch.

Darf die Geschichte über einen verdienten Manager mit dessen Gegnern und Widersachern beginnen? Vielleicht muss sie das sogar, wenn - wie im Fall von Gerhard Cromme - mit jedem Tag die Liste länger wird von Menschen, die er abserviert hat oder die sich aus anderen Gründen ungerecht behandelt fühlen: Heinrich von Pierer, der Ex-Siemens-Chef zählt dazu, dessen kurzzeitiger Nachfolger Klaus Kleinfeld, Ex-Thyssen-Chef Ekkehard Schulz, Jürgen Großmann, der Selfmade-Milliardär und Ex-RWE-Chef. Alle sind sie Cromme in Abneigung verbunden. Und das sind nur die prominentesten Namen unter all jenen, die eine Rechnung mit ihm offen haben. Vergangenen Mittwochabend ist der halbe bisherige Thyssen-Krupp-Vorstand dazugekommen, in einer beispiellosen Aktion im Pack gefeuert von Gerhard Cromme, um einen „Neuanfang“ anzustoßen, wie es zur Begründung heißt. Zu viel war zusammengekommen in Essen; Milliardenverluste, Kartellstrafen, Untreuevorwürfe. Nur: Cromme selbst, immerhin Chef des Aufsichtsrates, war stets nicht weit weg vom unerquicklichen Geschehen, dessen Konsequenzen jetzt gezogen wurden.

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Am kommenden Montag um 18 Uhr treffen sich nun die Thyssen-Krupp-Kontrolleure. Dann wird sich zeigen, wie fest Cromme die Zügel noch in der Hand hält, ob ihm gestattet ist, weiter die Rolle des Aufräumers zu geben in dem Konzern, den er einst selbst geschaffen hat. Oder ob es zur „Cromme-Dämmerung“ kommt, zur Demontage eines Helden der deutschen Wirtschaft.

Mehr als ein Top-Manager

Der Mann, bald 70 Jahre alt und länger schon Reizfigur unter seinesgleichen, hat die Schwerindustrie an Rhein und Ruhr zerlegt und neu geordnet, er kontrolliert als Aufsichtsratsvorsitzender die Traditionskonzerne Siemens wie Thyssen-Krupp; das macht mehr als eine halbe Million Beschäftigte und mehr als 120 Milliarden Euro Umsatz.

Cromme hat sich längst erhoben aus dem Rang eines gewöhnlichen Top-Managers: Der Mann ist in staatsbürgerlicher Verantwortung unterwegs. Ein kantiger Jurist, Hüne von Gestalt, gedanklich glasklar, blitzschnell im Kopf, Gravität im Übermaß verströmend, Vater von vier Töchtern, frankophil, mit Zweitwohnsitz an der Côte d’Azur, in Europa bestens vernetzt. Was andere Kungelei unter Alphatieren nennen, heißt bei Cromme „Abstimmung unter leitenden Personen“: „Das ist vom allergrößten Interesse für die deutsche Wirtschaft.“

Alles für sein Ziel

Sein persönlicher Ehrgeiz zielt seit Jahren darauf, aufzusteigen zum „Ruhrbaron“ - eines Tages, wenn Berthold Beitz, der 99-jährige Regierende in der Villa Hügel, ihm den Vorsitz der Krupp-Stiftung überträgt. Diesem Ziel ordnet Cromme alles unter. Deshalb ist es so wichtig, die Misere im Konzern von seiner Person fernzuhalten. Ob dazu die Kräfte reichen, wird sich zeigen. Cromme jedenfalls ist wachsam. Angst hat er keine. Dazu hat er zu viel erlebt: Die Fackelumzüge und rohen Eier damals in Rheinhausen, vor genau 25 Jahren, als er ein Stahlwerk geschlossen hat. Die schwarzen Kassen bei Siemens samt folgender Schlammschlacht, die bösen Briefe, als er mit der Corporate-Governance-Kommission die Offenlegung der Vorstandsgehälter durchgesetzt hat.

Spätestens seit dieser Zeit wird verdeckt gestichelt gegen den informellen Anführer der deutschen Industrie. Als machthungrig und selbstgerecht wird er beschrieben. Angekreidet wird ihm, als Präsident der Regierungskommission Regeln erlassen zu haben, an die er sich selbst nicht hält. Spitz wird vermerkt, dass er die Manager regelmäßig zur Mäßigung beim Gehalt aufruft, er selbst aber zu den Topverdienern unter den Aufsichtsräten zählt.

Gerhard Cromme - Der Vorstandsvorsitzende der ThyssenKrupp AG stellt sich den Fragen von Georg Meck © Schoepal, Edgar Vergrößern Gerhard Cromme

Nie konnte ihm das Gegrummel etwas anhaben. Das ändert sich nun. Crommes Nimbus wird angetastet. „Das alles ist ein bisschen viel auf einmal“, bemerkt kühl der Vorstandschef eines Dax-Konzerns, bisher Cromme durchaus wohlgesinnt. Und ein Widersacher frohlockt: „Crommes informelle Macht bröckelt.“ Der Mann sei aus der Zeit gefallen, wenn er etwa gegen die Frauenquote opponiert, er sich auf einem Podium gegen mehr weibliche Aufsichtsräte stellte mit dem Argument, das sei kein Kaffeekränzchen. „Ein Scherz“, wie Cromme hinterher x-mal klargestellt hat; absurd, ihn deswegen in die Ecke mit den verstockten Machos zu stellen, so findet er: Wie würden seine fünf tüchtigen Frauen zu Hause wohl darüber lachen? Jetzt wird die Anekdote ausgegraben als Beleg dafür, dass seine Zeit ablaufe.

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