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Florian Homm : Der Leerverkäufer seines Lebens

Aufgetaucht nach der Kopfgeldjagd - Florian Homm ist wieder da Bild: Bongarts/Getty Images

Florian Homm ist wieder da. Der ehemalige Hedgefondsmanager war abgetaucht - und wurde gesucht. Jetzt will er ein besserer Mensch sein.

          Wer das Buch aus beruflichen Gründen innerhalb von zwei Tagen liest, braucht erst einmal eine Pause, muss dringend an die frische Luft: In die Welt des Florian Homm einzutauchen ist anstrengend, selbst dann, wenn man nur als Leser mit auf diese Reise geht. Denn Homm, gesegnet mit sportlichem Talent und Intelligenz gleichermaßen, hat sein Leben leerverkauft: „Ich habe mir selber gar nicht gefallen. Ich fand mich schmierig, humor- und seelenlos“. Dafür hat er die Quittung bekommen. Genau so, wie er einst gewinnbringend auf fallende Kurse spekuliert und dabei andere um einiges ärmer gemacht hat, ist sein eigener Stern im Jahr 2007 vom Investmenthimmel gestürzt. Seit fünf Jahren ist er von der Bildfläche verschwunden. Es sind eine Menge enttäuschte Menschen zurückgeblieben: Anleger vor allem, in der Regel ebenfalls gierige Geschäftsfreunde, seine inzwischen sehr viel reichere, geschiedene Frau, seine beiden Kinder, sein einsames Ich.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Solche Aufzählungen können bei Homm niemals vollständig sein. Kopfgeldjäger waren schon im Spiel; die amerikanische Wertpapieraufsichtsbehörde SEC ist es noch. Aber Erfolg hatten sie mit ihrer Suche und ihren Klagen nicht. Zum einen: Homm lebt. Zum anderen: Man kann ihn treffen, und er glaubt, dass er in den meisten Fällen zu unrecht beschuldigt wird. Zudem hat er wieder etwas zu verkaufen: eben sein Buch mit dem Titel „Kopf Geld Jagd“, das jetzt im Münchner FinanzBuch Verlag erscheint.

          Florian Homm sieht übrigens besser aus als auf den Fotos, die man von ihm im Internet findet. Das liegt aber nicht daran, dass er sich Gesichtsoperationen unterzogen hätte, wie auch schon vermutet wurde, und von einer Klippe gestürzt wurde er offensichtlich auch nicht. Nein, Homm ist auf den ersten Blick als er selbst zu erkennen. Die Frage nach dem Beweis für seine eigene Identität muss man ihm nicht stellen. Offenbar kann man eine sehr gesunde Gesichtsfarbe bekommen, wenn man abgetaucht ist. Auch der Bart, den Homm zum Zeitpunkt des Treffens im Oktober in einer europäischen Hauptstadt trägt, steht ihm jedenfalls nicht schlecht.

          Ein einziger Reisepass reicht nicht

          Mit welcher Identität er gerade unterwegs ist, mag er allerdings nicht verraten. Gerne würde er zwar wieder mit dem Pass des Florian Homm durch die Welt ziehen, sagt er. Aber noch ist es nicht so weit. Und wer weiß schon, ob es jemals klappen wird. Denn ein einziger Reisepass ist für einen Menschen wie Homm nicht genug, vielleicht ist auch die Welt einfach nicht groß genug. In Amerika gibt es ein Sprichwort. Wörtlich heißt es: „The grass is always greener on the other side of the hill.“ Es handelt von einem Bauern, der mit seinem eigenen Hab und Gut nie zufrieden ist, der immer nach Höherem, Besserem, nach dem Mehr strebt, eben nach dem grüneren Gras auf der anderen Seite des Hügels - und auf der Suche niemals glücklich wird. Fügt man diesem Bild noch eine gehörige Portion betrügerische Energie hinzu, hat man eine recht ordentliche Vorstellung von dem, was Homm, der schon in der Jugend manchen Ladendiebstahl begangen hat, früher ausgemacht hat.

          Wer er heute ist, versucht er, in einem einstündigen Gespräch in einem reichlich versteckten Hotel zu vermitteln. Zurück bleibt ein diffuses Gefühl. Der Mann hat sich gewiss verändert, innerlich vielleicht mehr noch als optisch, aber wie sehr? Frische Luft tut auch nach dieser Unterhaltung gut - und das nicht nur wegen des erkalteten Zigarrendufts, der vom Vortag noch immer in der Luft gelegen hat. Zur Sicherheit hatte man in der Nacht zuvor den Rauchmelder im betreffenden Zimmer wohl lieber abgeklebt. Was aber sieht man, wenn sich der Nebel lichtet?

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