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EZB-Präsident Mario Draghi, Mann des Jahres

 ·  Mit zwei Sätzen hat EZB-Präsident Mario Draghi im Sommer die Euro-Krise gewendet. Innerhalb eines Jahres Amtszeit ist er zum mächtigsten EZB-Chef geworden, den es je gab. Trotzdem nagt es an ihm, dass die Deutschen ihn nicht lieben. Gelingt es ihm, für Geldwertstabilität zu sorgen? Stimmen Sie ab.

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Den 26. Juli dieses Jahres - den Tag, der alles für Mario Draghi änderte - hatte er so nicht geplant. Die euphorische Reaktion auf die Sätze, die er an diesem Tag auf einem Podium in der Londoner City sprach - frei, ohne Skript - will der Präsident der Europäischen Zentralbank nicht vorher geplant haben.

Es waren zwei Sätze, die man nicht vergisst: „Die EZB ist bereit, alles Notwendige zu tun, um den Euro zu erhalten“, sagte Draghi. „Und glauben Sie mir, es wird genug sein.“ Die Märkte jubilierten, Aktienkurse stiegen, die Zinsen auf südeuropäische Staatsanleihen fielen - und Draghi ließ seine Mitarbeiter erst einmal eine Mitschrift seiner Rede auftreiben und herumschicken. Er findet, dass er nichts Außergewöhnliches gesagt hat. „Es war möglicherweise ein Unterschied im Ton, nicht in den Worten.“

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Gerade den skeptischen Briten wollte er klarmachen, dass der Euro stark ist

Der Ton war natürlich nicht ohne Grund gewählt. London ist Mario Draghi vertraut. Er hat dort einige Jahre gelebt, als er für die Investmentbank Goldman Sachs arbeitete. Die Londoner City kennt er als das Herz der europäischen Finanzwelt, den Treiber von Kursen und Zinsen. Und die Briten kennt er als die schlimmsten Euroskeptiker. „Die Zukunft des Euro wurde dort besonders infrage gestellt“, sagt Draghi über die kritischen Briten. Instinktiv hat er gerade dort klarmachen wollen, dass der Euro eine starke Währung ist.

Die Äußerungen in London waren der Anfang dessen, was man heute den Draghi-Effekt nennt: Die über Spaniens und Italiens Schuldenberge nervös gewordenen Märkte beruhigten sich in der Erwartung, dass die EZB im Notfall unbegrenzt Staatsanleihen kaufen wird. In der Erwartung, dass die Zentralbank im Zweifel eher ihre Prinzipien über Bord wirft und Staaten finanziert, als dass sie den Euro auseinanderbrechen lässt. Kurz darauf beschloss die EZB, genau solch ein Programm aufzulegen.

Der Bruch mit der Bundesbank

Doch die Äußerungen waren auch der Anfang des Bruchs mit der Bundesbank und ihrem Präsidenten Jens Weidmann, der solche Anleihenkäufe strikt ablehnt. Und sie waren der Einstieg in das spektakulärste öffentlich ausgetragene Duell des Jahres: Weidmann versus Draghi, Bundesbank gegen EZB, Prinzipien versus Pragmatismus oder, wie Draghis Freunde sagen, Ideologie versus Realismus.

Vorerst ist es Mario Draghi, der aus diesem Duell als Sieger hervorgeht. Noch musste er keine Staatsanleihen kaufen und hat doch die Märkte beruhigt und dafür gesorgt, dass Spanien und Italien sich wieder günstiger Geld besorgen können. Entsprechend glühend wirkt er derzeit bei öffentlichen Auftritten. „Der Euro ist unumkehrbar“, doziert er mit donnernder Stimme allüberall, wo er derzeit auftritt.

Draghi ist der mächtigste EZB-Chef, den es bisher gab

Keine Frage: Mario Draghis Einfluss ist auf dem Höhepunkt angekommen. Innerhalb eines Jahres Amtszeit ist er zum mächtigsten EZB-Chef geworden, den es bisher gab. Neben der Geldpolitik darf er jetzt auch über die Fiskalpolitik von klammen Eurostaaten mitbestimmen. Denn die Hilfe der EZB für klamme Staaten knüpft Draghi anders als sein Vorgänger Trichet an Bedingungen. Bald kontrolliert die EZB zudem alle Banken des Euroraums.

Als „allmächtig“ will er sich trotzdem partout nicht sehen. „Das ist übertrieben“, sagt er. Zum Beispiel werde er sich persönlich nicht um die Bankenüberwachung kümmern. „Die Idee ist, das separat zu halten.“

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