Home
http://www.faz.net/-gqe-759nc
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

EZB-Präsident Mario Draghi, Mann des Jahres

Mit zwei Sätzen hat EZB-Präsident Mario Draghi im Sommer die Euro-Krise gewendet. Innerhalb eines Jahres Amtszeit ist er zum mächtigsten EZB-Chef geworden, den es je gab. Trotzdem nagt es an ihm, dass die Deutschen ihn nicht lieben. Gelingt es ihm, für Geldwertstabilität zu sorgen? Stimmen Sie ab.

© REUTERS Ernst, ruhig, kontrolliert: EZB-Präsident Mario Draghi

Den 26. Juli dieses Jahres - den Tag, der alles für Mario Draghi änderte - hatte er so nicht geplant. Die euphorische Reaktion auf die Sätze, die er an diesem Tag auf einem Podium in der Londoner City sprach - frei, ohne Skript - will der Präsident der Europäischen Zentralbank nicht vorher geplant haben.

Lisa Nienhaus Folgen:

Es waren zwei Sätze, die man nicht vergisst: „Die EZB ist bereit, alles Notwendige zu tun, um den Euro zu erhalten“, sagte Draghi. „Und glauben Sie mir, es wird genug sein.“ Die Märkte jubilierten, Aktienkurse stiegen, die Zinsen auf südeuropäische Staatsanleihen fielen - und Draghi ließ seine Mitarbeiter erst einmal eine Mitschrift seiner Rede auftreiben und herumschicken. Er findet, dass er nichts Außergewöhnliches gesagt hat. „Es war möglicherweise ein Unterschied im Ton, nicht in den Worten.“

IMF and ECB Finance conference in Paris © dpa Vergrößern Mächtige unter sich: IWF-Chefin Christine Lagarde und EZB-Chef Mario Draghi während einer Konferenz in Paris im November

Gerade den skeptischen Briten wollte er klarmachen, dass der Euro stark ist

Der Ton war natürlich nicht ohne Grund gewählt. London ist Mario Draghi vertraut. Er hat dort einige Jahre gelebt, als er für die Investmentbank Goldman Sachs arbeitete. Die Londoner City kennt er als das Herz der europäischen Finanzwelt, den Treiber von Kursen und Zinsen. Und die Briten kennt er als die schlimmsten Euroskeptiker. „Die Zukunft des Euro wurde dort besonders infrage gestellt“, sagt Draghi über die kritischen Briten. Instinktiv hat er gerade dort klarmachen wollen, dass der Euro eine starke Währung ist.

Die Äußerungen in London waren der Anfang dessen, was man heute den Draghi-Effekt nennt: Die über Spaniens und Italiens Schuldenberge nervös gewordenen Märkte beruhigten sich in der Erwartung, dass die EZB im Notfall unbegrenzt Staatsanleihen kaufen wird. In der Erwartung, dass die Zentralbank im Zweifel eher ihre Prinzipien über Bord wirft und Staaten finanziert, als dass sie den Euro auseinanderbrechen lässt. Kurz darauf beschloss die EZB, genau solch ein Programm aufzulegen.

Der Bruch mit der Bundesbank

Doch die Äußerungen waren auch der Anfang des Bruchs mit der Bundesbank und ihrem Präsidenten Jens Weidmann, der solche Anleihenkäufe strikt ablehnt. Und sie waren der Einstieg in das spektakulärste öffentlich ausgetragene Duell des Jahres: Weidmann versus Draghi, Bundesbank gegen EZB, Prinzipien versus Pragmatismus oder, wie Draghis Freunde sagen, Ideologie versus Realismus.

Vorerst ist es Mario Draghi, der aus diesem Duell als Sieger hervorgeht. Noch musste er keine Staatsanleihen kaufen und hat doch die Märkte beruhigt und dafür gesorgt, dass Spanien und Italien sich wieder günstiger Geld besorgen können. Entsprechend glühend wirkt er derzeit bei öffentlichen Auftritten. „Der Euro ist unumkehrbar“, doziert er mit donnernder Stimme allüberall, wo er derzeit auftritt.

Finance Ministers meeting © dpa Vergrößern Im Geschäft: Mario Draghi mit EU-Währungskommissar Olli Rehn

Draghi ist der mächtigste EZB-Chef, den es bisher gab

Keine Frage: Mario Draghis Einfluss ist auf dem Höhepunkt angekommen. Innerhalb eines Jahres Amtszeit ist er zum mächtigsten EZB-Chef geworden, den es bisher gab. Neben der Geldpolitik darf er jetzt auch über die Fiskalpolitik von klammen Eurostaaten mitbestimmen. Denn die Hilfe der EZB für klamme Staaten knüpft Draghi anders als sein Vorgänger Trichet an Bedingungen. Bald kontrolliert die EZB zudem alle Banken des Euroraums.

Als „allmächtig“ will er sich trotzdem partout nicht sehen. „Das ist übertrieben“, sagt er. Zum Beispiel werde er sich persönlich nicht um die Bankenüberwachung kümmern. „Die Idee ist, das separat zu halten.“

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Bundesbank-Präsident Weidmann verurteilt Ela-Notkredite für Athen

Der Präsident der Bundesbank attackiert die Dauerhilfen der EZB für notleidende griechische Banken, die indirekt dem Staat zugutekommen. Auch etwas anderes in Europa stinkt ihm. Mehr Von Philip Plickert

25.06.2015, 21:15 Uhr | Finanzen
Eurogruppe Varoufakis kommt zum Eurogruppen-Treffen

Der griechische Finanzminister will heute Griechenlands Vorschläge vorstellen. Während seiner Ankunft zum Treffen mit den anderen Finanzministern zitiert er EZB-Präsident Mario Draghi mit dem Satz: Damit der Euro irgendwo funktioniert, muss er überall funktionieren. Mehr

18.06.2015, 17:06 Uhr | Wirtschaft
Griechenland-Krise Griechen bleiben hart - die Geldgeber auch

Die Eurogruppe hat ihre Griechenland-Gespräche schon wieder unterbrochen. Vor dem Wochenende gibt es wohl kein Ergebnis. Und was passiert, wenn eine Einigung zu spät für Griechenland kommt? Mehr Von Werner Mussler und Tobias Piller

25.06.2015, 17:28 Uhr | Wirtschaft
Griechenland Varoufakis: Gespräche mit Partnern bald abgeschlossen

Griechenlands Finanzminister Giannis Varoufakis hat sich nach einem Treffen mit EZB-Präsident Mario Draghi zuversichtlich geäußert. Mehr

04.02.2015, 13:25 Uhr | Wirtschaft
Schuldenkrise EZB erhöht Nothilfe für griechische Banken weiter

Die Griechen räumen ihre Konten leer. Die Nothilfen der EZB haben aber nur einen Tag gereicht – nun hat sie den Kreditrahmen noch einmal angehoben. Mehr

23.06.2015, 10:09 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 23.12.2012, 12:36 Uhr

Maut-Schaden

Von Manfred Schäfers

Die Freude des Verkehrsministers über das Maut-Gesetz währte nur kurz. Tatsächlich rollt nun das Geld, dummerweise in die falsche Richtung: aus dem Verkehrsetat, statt hinein. Mehr 31 21


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --