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Eurokrise Schäuble streitet sich mit Wissenschafts-Berater

 ·  Kai Konrad ist Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats beim Bundesfinanzministerium. Kürzlich hatte er sich kritisch zur Eurorettung geäußert. Prompt fand er sich in einer Pressemitteilung der AfD wieder - und liegt nun mit Wolfgang Schäuble über Kreuz.

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Unversehens sieht sich Kai Konrad in eine brisante politische Auseinandersetzung hineingezogen. Die hatte der renommierte Finanzwissenschaftler so gar nicht beabsichtigt. Aber Konrads Worte haben doch Gewicht, immerhin ist er der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats beim Bundesfinanzministerium. Vor ein paar Tagen hatte er ein Interview mit ein paar sehr kritischen Äußerungen zur Eurorettungspolitik gegeben. Schon seit längerem hält Konrad die Währungsunion in ihrer jetzigen Form auf Dauer für nicht haltbar. „Wenn man die Währungsunion aufbrechen will, sollte man dies an der Nordgrenze tun“, sagte Konrad der Zeitung „Die Welt“.

Außerdem verwahrt er sich gegen die aus der Politik oft zu hörende Behauptung, wenn der Euro auseinanderbreche, sei dies eine Katastrophe für Europa. „Der Euro ist nicht Europa. Europa sollten wir retten, nicht den Euro“, sagte der 52 Jahre alte Ökonom, der in München Direktor des Max-Planck-Instituts für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen ist. Bei einer Euro-Auflösung würde Deutschland aufwerten, das sei richtig, aber die Industrie könne das verkraften und am Ende sogar noch wettbewerbsfähiger werden.

Die AfD verschickte eine Pressemitteilung

In Berlin und besonders im Bundesfinanzministerium hat das Interview keine helle Freude ausgelöst - zumal aus Konrad in der Zeitung „Schäubles Chefberater“ wurde. Die Eurokritiker von der Partei Alternative für Deutschland (AfD) waren hingegen begeistert und verschickten sogleich eine Pressemitteilung. Konrad ist unglücklich darüber, dass eine politische Zuspitzung und Konfrontation mit dem Minister herbeigeredet werde. Es habe keine Reaktion aus Berlin gegeben. Schließlich ist der Beirat unabhängig, die Wissenschaftler dürfen ihre Meinung - auch scharfe Kritik an der Regierung - sagen. Am Freitag indes meldete sich Schäuble doch mit einer indirekten Rüge zu Wort. „Die Aussagen von Kai Konrad, den ich schätze, waren teilweise auch beim besten Willen nicht nachvollziehbar“, sagte Schäuble im „Handelsblatt“. Die Kosten eines Ausstiegs Deutschlands aus der Währungsunion seien „gar nicht abzuschätzen“. Konrads Vorschlag sei „ein Granatenfehler“.

Wer wirklich die Granatenfehler in der Eurorettungspolitik macht, da ist sich Konrad nicht sicher. Doch er will kein Öl ins Feuer gießen und nicht vor der Wahl offen mit dem Minister streiten, deshalb schweigt er nun. Der Ökonom ist ein dünnhäutiger, sanftmütiger Wissenschaftstyp, keiner der sich in der politischen Auseinandersetzung nach vorne drängt. Aber als Ökonom ist er doch davon überzeugt, dass die „Eurorettung“ ein gefährliches Gebräu an Risiken für Deutschland bedeute. Allerdings will er nicht parteiisch wirken, nicht gegen die Regierung schießen. Denn mit den im Bundestag vertretenen Oppositionsparteien ginge es wohl noch schneller in Richtung Schuldenvergemeinschaftung und Zentralismus in Europa, fürchtet er.

Im wissenschaftlichen Beirat „beim“ Bundesfinanzministerium (auf dieser sprachlichen Feinheit legt Schäuble wert) ist Konrad seit 14 Jahren Mitglied, seit 2011 ist er Vorsitzender. Manchmal kämpfen die Wissenschaftler gegen den Eindruck (den jetzt auch Schäuble erweckt), dass sie weltfremde Elfenbeinturm- oder Grundlagenforschung betrieben. Konrad forscht vor allem zu den Themen Steuerwettbewerb und Steueroasen. Außerdem macht er Experimente zur Frage der Steuerehrlichkeit. Das sind dann Themen, die den Minister brennend interessieren.

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