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Entwicklungshilfe : Mit Mut, Geduld und Beharrungsvermögen

  • -Aktualisiert am

Kleinbauern in Simbabwe bei der Ernte Bild: Carola Kaps

Viele wollen in der Dritten Welt helfen, aber nur wenige packen wirklich an. Ein deutscher Ökobauer und fünf Studienfreundinnen gehen eigene Wege.

          Der Mann hat Mut. Den hat Dominikus Collenberg (45 Jahre) auch gebraucht, als er im Jahr 2007 eine sichere Existenz in Deutschland aufgab und mit Frau und drei kleinen Kindern nach Simbabwe aufbrach, um dort in der Zusammenarbeit mit Kleinbauern eine neue Existenz aufzubauen. 2007 war genau das Jahr, in dem die Vertreibung der weißen Farmer durch den Despoten Mugabe ihrem Höhepunkt zustrebte, die einst blühende Wirtschaft unter der Hyperinflation ächzend zusammenbrach, die Grundnahrungsmittel so knapp wurden, dass selbst die junge Familie aus Deutschland oftmals nicht wusste, wo sie Milch und Brot für die Kinder herholen sollte. In dieser Situation ein Unternehmen aufzubauen und erste Bauern für den ökologischen Landbau zu begeistern erforderte nicht nur Mut, sondern auch eiserne Disziplin, gepaart mit dem unerschütterlichen Glauben, das Richtige zu tun.

          Vier Jahre später sind die harten Monate, in denen immer wieder das Scheitern drohte, zwar nicht vergessen; das bisher Erreichte kann sich aber sehen lassen. Entstanden ist das Unternehmen "Kaite" (www.kaite.biz), in das der Ökobauer Collenberg rund 400 000 Euro - seine ganzen Ersparnisse sowie Spenden seiner Verwandten und Freunde - gesteckt hat. Mit insgesamt 20 hochmotivierten vorwiegend weiblichen und vorwiegend schwarzen Mitarbeitern betreut Kaite derzeit etwa 1000 Kleinbauern, die sich vertraglich verpflichtet haben, auf mindestens 0,25 Hektar ihres Landes hochwertige Kräuter, verschiedenste Gewürze und Aromapflanzen im ökologischen Landbau anzupflanzen. Kaite verpflichtet sich seinerseits, die Vertragsbauern in der richtigen Kompostierung und ökologischen Anbaumethoden zu unterrichten, sie regelmäßig zu beraten und ihre Produkte auf dem internationalen Markt zu verkaufen.

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          Kaite - in der Shona-Sprache des Landes bedeutet dieser Name "eine Sache gewissenhaft durchführen" - garantiert den Bauern nicht nur einen vor der Ernte ausgehandelten Mindestpreis, der je nach Verkaufspreis nach oben flexibel ist; Kaite finanziert auch die jährlich notwendige Zertifizierung des Anbauprozesses durch die europäische und amerikanische Bio-Zertifizierungs-Agentur. "Wir haben schon heute einige Bäuerinnen, die ihr Einkommen um gut 500 Euro im Jahr steigern konnten", sagt Collenberg voll Stolz. Ein kleines Vermögen für die einheimischen Kleinbauern, die in der Regel von zwei Dollar am Tag leben müssen. Endlich können Kinder die Schule besuchen, endlich können kleine Anschaffungen bezahlt werden.

          Von der deutschen Entwicklungshilfe frustriert

          Für den in Stuttgart-Hohenheim, Marseille und Bonn zum Agrarökonomen ausgebildeten Collenberg stand schon früh fest, dass er sich beruflich in der Entwicklungszusammenarbeit engagieren würde. In der deutschen Entwicklungshilfe fand er jedoch nicht die richtigen Antworten. Es frustrierte ihn, dass allzu häufig Projekte an viel zu schwache Partner übergeben und alsbald nicht weitergeführt wurden. Je mehr Erfahrungen er sammelte, desto stärker wurde seine Überzeugung, dass für eine langfristig selbsttragende Initiative letztlich nur die Gründung eines lokal geführten und international vernetzten Unternehmens in Frage kommen konnte. In der international prämierten und von der Deutschen Entwicklungsgesellschaft (DEG) unterstützten "Sekem-Initiative" des Ägypters Ibrahim Abouleish fand Collenberg schließlich Bestätigung und Vorbild zugleich für seine entwicklungspolitische Vision. Hinzugekommen ist das Beratungs- und Ausbildungskonzept der Weltbank sowie das Instrument der Mikrokredite von der Grameen-Bank. Damit ermöglicht er den Vertragsbauern den Kauf von Bewässerungspumpen. Schon nach zwei Jahren dürften sich dank steigender Erträge die mobilen Pumpen amortisiert haben.

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