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Ein Beruf wie jeder andere? : Der Metzger

  • -Aktualisiert am

Ein Schlachter bringt Schweine in die Kühlung Bild: Norbert Müller

Er ist erst Anfang 20 und hat schon 8000 Schweine geschlachtet. Für Tierschützer ist er ein Mörder. Doch unsere Autorin hat er überzeugt, wieder Fleisch zu essen.

          Ich treffe Kevin Henrici um kurz vor sieben an einem winterlichen Freitagmorgen. Er steht in der Hofeinfahrt zu seinem Geschäft in Neu-Anspach im Hochtaunus und wartet auf den Viehtransporter. Wie jeden Freitag wird er auch heute wieder Schweine schlachten. Zehn bis zwölf Schweine bekommt er jede Woche geliefert; im Schnitt sind sie sieben Monate alt.

          Kevin Henrici ist 22 Jahre alt und Metzger, einer von wenigen in Deutschland, die ihr Fleisch nicht aus dem Großhandel beziehen, sondern noch selbst schlachten. Dabei ist es nicht so, dass Henrici mit besonderer Leidenschaft Tiere tötet. Er hätte auch Automechaniker werden können, wenn ihm das Schulpraktikum damals mehr Spaß gemacht hätte. Aber es kam anders. Bis heute, so schätzt Henrici, hat er etwa 8000 Schweine und 400 Rinder geschlachtet. Er redet ganz nüchtern darüber: Metzger, ein Beruf wie jeder andere.

          Kevin Henrici schlachtet in vierter Generation. Bilderstrecke
          Kevin Henrici schlachtet in vierter Generation. :

          Das sehen viele Menschen mittlerweile anders. Der Beruf des Metzgers ist eng verknüpft mit dem öffentlichen Unbehagen an den Zuständen in der Fleischproduktion, vor allem an der Massentierhaltung. Bilder von kranken und misshandelten Tieren, Antibiotika-Missbrauch in der Putenmast und die Ausbeutung osteuropäischer Arbeiter bestimmen die öffentliche Debatte.

          Einer von zwei Betrieben im ganzen Hochtaunuskreis

          Diese Bilder schwirren auch mir im Kopf herum, als ich mich auf den Weg zu Henrici mache. Ich bin Vegetarierin, seit ich vor ein paar Jahren während des Studiums auf Youtube aus Neugier nach „Schlachtung“ suchte. Zwar widerstand ich damals der Versuchung, die Links zu den Videos an alle Freunde zu schicken – jeder soll selbst entscheiden, was er mit seinem Gewissen vereinbaren möchte. Doch die Bilder wirkten nach.

          Kevin Henrici wartet in der Hofeinfahrt zum Schlachthaus. Er ist in voller Arbeitsmontur: Neben Hose und Hemd trägt er Plastikstiefel, Plastikschürze und ein Basecap, alles in Weiß. Das Schlachthaus steht direkt an einer Durchfahrtsstraße, vom Bürgersteig aus kann man hineinschauen. Bei dem Anblick werde ich ein wenig unruhig, obwohl ich mich vorher doch eigentlich gut vorbereitet fühlte auf das, was hier gleich passieren wird. Ich habe schließlich genug schreckliche Bilder gesehen und nicht weggeschaut. Ich bin abgehärtet.

          Kevin Henrici ist Metzgermeister in der vierten Generation, im vergangenen April übernahm er das Geschäft von seinem Vater. Familie Henrici schlachtet seit 1938. Die Schlachterei hat eine EU-Zulassung für Schlachtung, Zerlegung und Produktion – die Voraussetzung dafür, selbst schlachten zu dürfen. Das ist in Deutschland sehr selten geworden. Außer den Henricis und einer Metzgerei im 15 Kilometer entfernten Weilrod gibt es keinen Betrieb mehr im Hochtaunuskreis, der noch selbst schlachtet und die eigenen Fleisch- und Wurstprodukte im Fleischerfachgeschäft verkauft.

          Die strengen EU-Vorschriften schon zuvor umgesetzt

          Das liegt auch daran, dass die Zulassung für kleinere Betriebe sehr schwer zu bekommen ist, seit im Jahr 2010 eine neue Lebensmittelverordnung der Europäischen Union in Kraft trat, die den Schlachtbetrieben höhere Standards verordnete. Die Auflagen waren für kleine Handwerksbetriebe die gleichen wie für die Großindustrie. Viele von ihnen konnten sich die kostspieligen Umrüstungen nicht leisten und gaben das Schlachten im Betrieb auf, teils nach jahrzehntelanger Tradition.

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