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Apple will Kopfhörerfirma kaufen : Der Gangster-Milliardär

Rapper, Musikproduzent - und bald Milliardär? Dr. Dre alias Andre Young Bild: dpa

Apple will die Köpfhörerfirma des Gangster-Rappers Dr. Dre kaufen. Dessen Vermögen ist schon vor dem Kauf auf 500 Millionen Dollar geschätzt worden. Jetzt feiert er seine erste Milliarde.

          Kein Gangster-Rapper hat es so weit gebracht wie Dr. Dre. Er wurde 1965 als Andre Romelle Young in Compton, einem Problembezirk in Los Angeles mit überwiegend afroamerikanischer Bevölkerung, geboren. Sein früher Werdegang ist typisch für seine Herkunft. Vater wurde er schon mit 16 Jahren, die Schulausbildung musste er wegen schlechter Leistungen abbrechen. Das hing aber auch mit seinen frühen musikalischen Aktivitäten zusammen. Sein Vermögen schätzt das amerikanische Wirtschaftsmagazin Forbes auf 550 Millionen Dollar, damit ist er einer der reichsten Musiker der Hip-Hop-Szene.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun könnte er durch den Verkauf seiner Kopfhörer-Firma Beats mit angeschlossenem Streaming-Dienst an Apple noch um einiges reicher werden. Apple will laut Medienberichten 3,2 Milliarden Dollar für die Firma ausgeben, die der Hip-Hop-Star im Jahr 2008 mitgegründet hat. Die Kopfhörer sind vor allem bei jungen Leuten beliebt, kommen in Tests aber trotz ihres Preises von bis zu 300 Euro bei der Klangqualität eher schlecht weg. Apple würde mit dem Kauf der Firma aber nicht nur die Kopfhörermarke mit dem markanten roten „b“ erwerben, sondern auch eine Eintrittskarte ins Geschäft mit Musik-Streaming-Diensten, bei denen man für einen monatlichen Festbetrag Millionen Songs über das Internet abrufen kann. In diesem Bereich gilt die schwedische Firma Spotify als treibende Kraft, hat aber auch viele Konkurrenten.

          Während Apple sich zu Gerüchten über den Kauf ausschweigt, erklärte sich ihr Mitgründer bereits öffentlich zum Milliardär. Er sei der erste Milliardär im Hip-Hop-Geschäft, verkündete der Musiker Dr. Dre aufgeregt in einem Video, das der Rapper und Schauspieler Tyrese Gibson am Freitag bei Facebook veröffentlichte. Gibson ließ wenig Raum für Zweifel: Er schrieb dazu, das Video sei in der Nacht aufgenommen worden, in der der 3,2 Milliarden Dollar schwere Deal mit Apple bekanntgeworden sei. Der knapp eineinhalb Minuten lange Clip verschwand allerdings nach wenigen Stunden wieder, tauchte später aber bei Youtube abermals auf.

          Anfang der 90er Jahre hat er eine Journalistin zusammengeschlagen

          Reich ist der Rapper Dr. Dre schon lange: Seit den neunziger Jahren verdient er das meiste Geld als Produzent, im Jahr dürften es zweistellige Millionenbeträge sein. Mit Snoop Dog, Eminem oder 50 Cent zählen die kommerziell erfolgreichsten Rapper zu seinen Kunden. Seine ersten Erfolge feierte Dr. Dre aber schon Ende der achtziger Jahre als Mitglied der Formation NWA. Das Akronym steht für „Niggaz with Attidudes“. Das Schimpfwort wurde bewusst als Selbstbezeichnung gewählt, um mit eindeutigen Texten das Leben im Schwarzen-Ghetto Compton zu beschreiben. Ein erster Hit war eine Beschimpfung auf die Polizei („F... tha police“). NWA wurden rasch zum Feindbild des konservativen weißen Amerikas. Die Gruppe war auch in der Hip-Hop-Szene umstritten. Während Public Enemy aus New York  mit politischen Texten zu einer Stimme schwarzer Bürgerrechtsbewegungen wurden, mussten sich Dr. Dre und NWA vorwerfen lassen, das kleinkriminelle Ghetto-Leben unkritisch zu verherrlichen. Andere hielten NWA zugute, die Realität des Großteils der afroamerikanischen Bevölkerung schonungslos zu beschreiben.

          In jedem Fall verkauften sich die Platten  millionenfach, auch weil Dr. Dre als Produzent mit seiner Musik ein junges weißes Publikum ansprechen konnte. Trotzdem spiegelt seine weitere Laufbahn die kriminellen Strukturen in der Gangster-Rap-Szene der neunziger Jahre wider. Zwischen den Szenen an der Westküste (Los Angeles) und der Ostküste (New York) ist es damals immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Einer seiner erfolgreichsten Künstler, Tupac Shakur, wurde 1996 erschossen. Zuvor hatte er im Streit mit Dr. Dre dessen Plattenlabel Death Row verlassen.  Dass er selbst zu gewalttätigen Ausbrüchen neigt, hatte sich schon 1991 gezeigt, als Dr. Dre eine kritische Journalistin zusammengeschlagen hat.

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