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Veröffentlicht: 05.12.2015, 08:45 Uhr

Fußball-Weltverband Der Fifa-Oberaufseher

Domenico Scala ist Wirtschaftsmanager in der Schweiz und treibende Kraft hinter dem Reformprozess des Fußball-Weltverbands. Wofür steht der Mann?

von
© dpa Domenico Scala

Das letzte Wort am Donnerstag zum großen Aufreger-Thema des Weltfußballs gehörte Domenico Scala. Es war kein Zufall nach den neuerlichen Verwerfungen um den Internationalen Fußball-Verband (Fifa), sondern sehr wohl beabsichtigt. Denn die inzwischen entscheidende Person im Reformprozess wollte nochmals ein unmissverständliches Zeichen setzen. „Das ist der erste Schritt zu einer neuen Fifa. Weitere Schritte müssen folgen“, sagte Scala. Er ist inzwischen mehr als der Compliance-Chef des Weltverbandes, sondern das Gesicht einer neuen Fifa, um die gerade zwischen Reformkräften und alten korrupten Seilschaften gerungen wird.

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Obwohl Scala, im Hauptberuf Wirtschaftsmanager aus der Schweiz, meistens im Hintergrund wirkt und in seiner Position unpolitisch bleiben muss, hat er mit geschickten Manövern, seiner Hartnäckigkeit und zugleich mit dem Anspruch von Transparenz die Richtung vorgegeben. Als Fifa-Präsident Joseph Blatter Anfang Juni unter dem Druck der ersten Verhaftungswelle gegen Fußballfunktionäre und der ermittelnden amerikanischen Justiz im Konferenzsaal des Fifa-Hauses seinen Rücktritt ankündigte, stand Scala neben ihm und stellte ohne Umschweife klar, dass der Weg zu einem tiefgreifenden Kulturwandel unumkehrbar sei.

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Inzwischen ermitteln die Schweizer Staatsanwälte gegen Blatter wegen des Verdachts der Untreue, zudem droht dem suspendierten Fifa-Chef im eigenen Verband wie auch dem europäischen Fußballpräsidenten Michel Platini der lebenslange Ausschluss.

Frech und robust

Während im Morgengrauen des Donnerstages wiederum zwei Fifa-Vizepräsidenten aus Süd- und Mittelamerika festgenommen wurden, blieb auch den Gegenkräften in der alten Fifa vorerst nichts anderes übrig, als einzulenken. Das höchste Gremium des Weltverbandes entschied bei seinen Beratungen am Donnerstag, dem Fifa-Kongress Ende Februar ein umfangreiches Reformpaket zum Beschluss vorzulegen. Würde es akzeptiert, wäre die Fifa vor allen anderen großen Sportorganisationen führend im Bestreben einer neuen Governance.

Das Maß dafür setzte Scala. Im September veröffentlichte er ein umfangreiches Reformpapier, dass bei den Reformgegnern für Kopfschütteln sorgte, aber jetzt doch nach Monaten der Hinterzimmer-Politik und internen Lobbyarbeit in den wichtigsten Punkten angenommen wurde. „Ich weiß, dass für wirkliche Veränderungen die Krise tief sein muss“, sagt Scala. So soll das Exekutivkomitee als höchstes Fifa-Gremium, in dem bisher eine Reihe von Funktionären der Korruption überführt wurden, aufgelöst und in einen weniger einflussreichen Aufsichtsrat umgewandelt werden. Zugleich wird eine hauptamtliche Managementführungsebene neu eingezogen. Alle Topfunktionäre inklusive Präsident müssen spätestens nach zwölf Jahren die Organisation verlassen und ihre Bezüge jährlich im Geschäftsbericht offenlegen. Es gibt Integritätsprüfungen.

© AFP, reuters Weitere Festnahmen bei der Fifa

Als die Fifa ihre erste Reformrunde nach dem Desaster um die WM-Vergabe an Russland 2018 und Qatar 2022 begann, stieß Scala auf Empfehlung des Schweizer Korruptionsbekämpfers Mark Pieth zum Weltverband. Er sei frech und verfüge über die Robustheit, um sich gegen die arroganten, ehrlosen Funktionäre durchzusetzen, betonte damals der Baseler Kriminologe Pieth. Im Jahr 2013 wurde Scala zum Vorsitzenden des Audit- und Compliance-Komitees der Fifa und übernahm die Leitung des Reformprogramms.

Ein Handballer für den Fußball-Weltverband

Scala ließ sich nicht in die dubiosen Zirkel der Fifa-Funktionäre und in die Machtspiele eines Blatters hineinziehen. Er blieb trotz seiner Position bei der Fifa auch immer ein Externer, der sich seine Unabhängigkeit nicht nehmen lassen wollte. Und an Scala kommt keiner so schnell vorbei. Dafür spricht schon seine Statur. Er ist groß gewachsen, Jahrgang 1965, spielte in seiner Jugend nicht Fußball, sondern Handball – bis zur zweiten Schweizer Liga. Er machte eine Managementkarriere. Der Volkswirt studierte an der London Business School, war bei Nestlé und Roche, arbeitete als Finanzchef der an der Wall Street gelisteten Syngenta Holding (Agrochemie). Im Jahre 2004 wurde er vom World Economic Forum als „Young Global Leader“ gewählt. Bis 2011 wirkte Scala als Vorstandschef der Nobel Biocare Holding. Neben seiner Aufgabe bei der Fifa ist Scala weiter Manager, gehört mehreren Aufsichtsräten an.

Seine Eltern kommen aus Italien. Er ist Secondo, wie die in der Schweiz geborenen Einwandererkinder genannt werden. De facto führt Scala die Fifa im Vakuum ohne wirklichen Präsidenten durch die schwierige Zeit mit den Ermittlungen in den Vereinigten Staaten und der Schweiz. Die hohen Fifa-Funktionäre haben keine Informationen mehr erhalten über die Untersuchungen. Neben Scala sind nur zwei weitere Personen eingeweiht: der Chef der Rechtsabteilung, Marco Villiger, und der Vorsitzende der Ethikkommission, der frühere Schweizer Staatsanwalt Cornel Borbély. Auf diesen Modus hat sich die von der Fifa als interner Untersucher engagierte Kanzlei Quinn Emanuel mit den Strafverfolgern geeinigt, auch um die Existenz der Fifa zu schützen. Ihr drohen hohe Strafzahlungen aus Amerika.

Bisher hat Scala den Reformprozess erfolgreich gelenkt. Doch er ist nicht realitätsfern. „Es wird auch in Zukunft mit den neuen Regeln Fehlverhalten bei der Fifa geben“, sagt er. „Aber eine Organisation braucht solche Kontrollmechanismen. Das steht fest.“

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