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Digitale Revolution : Macht der Maschinen

Drei Frauen in Brüssel: Technischer Fortschritt als Glücksspender Bild: REUTERS

Die digitale Revolution verändert Lebens- und Arbeitswelten so stark, dass manche Ökonomen ein zweites Maschinenzeitalter ausrufen. Es beeinflusst auch die Verteilung von Einkommen und Vermögen.

          Wer die sich entwickelnde Dynamik der neuen Welt der Wirtschaft verstehen will, muss auf die alte schauen. Eines der auch international bekanntesten amerikanischen Unternehmen der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts war die Eastman Kodak Company, kurz Kodak genannt. Das Unternehmen wurde auch in Deutschland als Hersteller vor allem von Foto- und Filmkameras sowie Filmen geschätzt. Das Unternehmen Kodak machte nicht nur seine Gründerfamilie, die Eastmans, zu vermögenden Menschen.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Gleichzeitig bot es sehr vielen Mitarbeitern aus der Mittelklasse ordentlich bezahlte Industriearbeitsplätze. Zu seiner Glanzzeit beschäftigte Kodak fast 150.000 Menschen. Heute existiert das Unternehmen zwar noch, aber es ist nur ein Schatten seiner selbst und nicht länger in seinem alten Kerngeschäft tätig. Ein kurzer Zeitsprung: Im Jahre 2010 präsentierten zwei IT-Fachleute in Kalifornien Instagram, eine App, mit der Nutzer Fotos und Videos erstellen und über das Internet anderen Menschen zukommen lassen können.

          Nur rund zwei Jahre später kündigte Facebook an, Instagram für eine Milliarde Dollar zu übernehmen. Zu diesem Zeitpunkt zählte Instagram 12 Mitarbeiter. Rund zwei Jahre später griff Facebook noch viel tiefer in die Tasche und zahlte für das rund fünf Jahre alte Unternehmen Whatsapp fast 20 Milliarden Dollar. Whatsapp zählte zu diesem Zeitpunkt nur rund 60 Mitarbeiter, aber fast eine halbe Milliarde Kunden.

          „Zweites Maschinenzeitalter“

          Mit solchen Beispielen untermauern Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee, zwei Forscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston, ihr Bild eines in Gang befindlichen gewaltigen Wandels unserer Welt, den sie als das „zweite Maschinenzeitalter“ bezeichnen. Neue computergestützte Anwendungen werden viele Bereiche des Lebens in einer immer größeren Geschwindigkeit verändern, zum Nutzen der Konsumenten, aber gleichzeitig auch begleitet von einer tiefgreifenden Veränderung der Arbeitswelt.

          Die beiden Autoren benutzen ein ebenso einprägsames wie einschüchterndes Bild, um die künftige Arbeitswelt zu beschreiben: Demnach wird es nurmehr zwei Gruppen von Beschäftigten geben. Das ist zum einen die Gruppe jener Beschäftigten, die den Computern sagen, was sie zu tun haben. Die zweite Gruppe wird aus Beschäftigten bestehen, denen die Computer sagen, was sie zu tun haben. Auf eine attraktive Bezahlung wird nur die erste Gruppe rechnen können.

          Mit ihrem Bild eines zweiten Maschinenzeitalters erklären Brynjolfsson und McAfee auch einen auffälligen Bruch in der wirtschaftlichen Entwicklung der Vereinigten Staaten, der sich seit den neunziger Jahren konstatieren lässt und der sich seit der Jahrtausendwende immer weiter verstärkt hat. In den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg teilten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer in den Vereinigten Staaten die Produktivitätsfortschritte. Das war das Zeitalter von Unternehmen wie Kodak, die lange gut liefen und damit einerseits ihren Aktionären schöne Dividenden und Kursgewinne bescherten, aber auch den Beschäftigten über eine hohe Zahl von Arbeitsplätzen und eine zumindest annehmbare Bezahlung Früchte des wirtschaftlichen Erfolges zukommen ließ.

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