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Digitale Revolution : Macht der Maschinen

Die seit einiger Zeit vor allem in angelsächsischen Ländern beobachtbare größere Ungleichheit der Einkommen lässt die Analytiker der neuen Wirtschaftswelt nicht unberührt. Konkret fürchten sie, dass eine Ballung wirtschaftlicher Macht in den Händen einer immer kleiner werdenden Zahl sehr reicher Menschen dieser wirtschaftlichen Elite die Möglichkeit gibt, den Staat für ihre Zwecke einzuspannen. Brynjolfsson/McAfee sind große Befürworter des zweiten Maschinenzeitalters, von dem sie erhebliches wirtschaftliches Wachstum und eine spürbare Verbesserung der Lebensqualität erwarten.

Aber Beispiele wie selbstfahrende Autos oder Computerprogramme, die zumindest in Teilen die Arbeit von Juristen, Steuerberatern oder Bankern ersetzen, werfen die Frage auf, welche Arbeitsplätze künftig der bisherigen Mittelschicht noch zur Verfügung stehen werden. Die beiden MIT-Forscher kennen kein Patentrezept, aber sie empfehlen der Politik unter anderem, Arbeit steuerlich zu entlasten, um sie etwas attraktiver zu machen.

Sehr viel fundamentaler geht der Pariser Ökonom Thomas Piketty das Verteilungsthema an. Sein neues Buch über das „Kapital im 21. Jahrhundert“, im Wirtschaftsteil dieser Zeitung im Januar ausführlich rezensiert, sorgt derzeit in amerikanischen Medien für Furore. Piketty sieht für die Vereinigten Staaten und Teile Europas nichts weniger als die Wiederkehr der Rentiersgesellschaft des späten 19. Jahrhunderts, in der in vielen europäischen Ländern damals eine kleine Schicht vermögender Menschen einen erheblichen Teil der Vermögen besaß.

Piketty, emsiger Forscher ebenso wie ein typisch französischer Idealist, will die Vermögen nicht abschaffen, aber durch Besteuerung etwas gleichmäßiger verteilen. Er glaubt, anders als seine MIT-Kollegen, nicht, dass die wirtschaftliche und technische Entwicklung überwiegend die Vermögensverteilung bestimmt; für ihn steht auch die Politik in der Pflicht. Am Ende sieht aber auch er, wie Brynjolfsson und McAfee, in der Herstellung eines möglichst kräftigen Wirtschaftswachstums und einer hochwertigen Bildung möglichst vieler Menschen einen wichtigen Weg, der aus politischer Sicht gefährlichen Vermögenskonzentration entgegenzuwirken. In welchen Branchen neue attraktive Arbeitsplätze entstehen werden, weiß niemand, aber eine gute Bildung dürfte die Zukunftschancen auf jeden Fall verbessern.

Eine in Amerika kursierende Geschichte über die moderne Industrie geht so: Ein Unternehmensvorstand und ein Gewerkschaftschef besuchen eine durch Roboter hochautomatisierte Automobilfabrik, in der nur noch wenige Menschen arbeiten. Der Vorstand fragt den Gewerkschafter mit einem hochmütigen Lächeln: „Wie willst du meine Roboter dazu bringen, für deine Gewerkschaft zu streiken?“ Der Gewerkschafter lächelt zurück: „Und wie willst du deine Roboter dazu bringen, deine Autos zu kaufen?“ Die neue Welt der Wirtschaft – die Welt der Daten, der Netzwerke, der Apps und der Roboter – wird nicht zuletzt auch die Bereitschaft zu neuem Denken erfordern.

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