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Die Wirtschaft des Teilens Dein Haus, dein Auto, dein Boot

 ·  Vielen jungen Menschen ist es nicht mehr so wichtig, bestimmte Dinge zu besitzen. Stattdessen wird geteilt und getauscht. Für Markenhersteller ist das eine Gefahr.

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© Edgar Schoepal Vergrößern Von privat für privat: die Gründer der Verleihplattform Tamyca

Wer für weniger als 50 Euro die Nacht eine Bleibe im Zentrum Berlins sucht, kann sich wahlweise in einem der vielen Hostels einquartieren und die Nacht inmitten von lärmenden Schulklassen verbringen. Er kann sich aber auch eine Wohnung mieten, inklusive einer voll ausgestatteten Küche, Balkon, Bademänteln, drahtlosem Internet und zwei Leihfahrrädern. Möglich macht das die Internetplattform Airbnb. Dort sind Tausende Privatwohnungen auf der ganzen Welt gelistet, die sich tage- oder wochenweise buchen lassen. Das ist in der Regel deutlich günstiger als im Hotel - und das Gefühl, wie ein Einheimischer zu wohnen, gibt es gratis obendrein.

Als Airbnb im Jahr 2008 im Silicon Valley online ging, wurden die drei Gründer noch belächelt. Heute dagegen, mehr als 10 Millionen vermittelte Übernachtungen später, gilt Airbnb als Wegbereiter eines neuen Konsumtrends. „Sharing Economy“ heißt der - die Wirtschaft des Teilens. Was bislang nur im Freundeskreis und kostenlos verliehen wurde, wird im Internetzeitalter zu einem Angebot auch an Fremde und gegen Gebühr. Laut einer Umfrage von TNS-Emnid im Auftrag von Airbnb und der Leuphana Universität Lüneburg haben 12 Prozent der Deutschen davon schon einmal Gebrauch gemacht. „Nutzen wird wichtiger als Besitz“, sagt der Hamburger Trendforscher Peter Wippermann, der das Phänomen nicht für eine vorübergehende Erscheinung hält, sondern für einen dauerhaften Begleiter. Die Macher der Computermesse Cebit haben „Shareconomy“ gar zum Top-Thema der Veranstaltung im kommenden März gekürt.

Es ist eine Entwicklung, die für die Hersteller von Markenartikeln gefährlich werden könnte. Sie leben schließlich davon, dass die Verbraucher ihre Marken begehren, die Produkte kaufen und ihr Eigen nennen wollen. Fast schon legendär ist in diesem Zusammenhang der Werbespot der Sparkassen über das Wetteifern von Erwachsenen auf Klassentreffen: „Mein Haus, mein Auto, mein Boot.“ Doch je größer die Zahl der Nutzer, desto geringer die Zahl der Käufer.

Der Werbeaufwand für die Unternehmen steigt

Längst werden über das Internet nicht nur Wohnungen geteilt. Auf den Seiten von Autonetzer, Tamyca („Take my car“) und Nachbarschaftsauto vermieten Privatleute ihre Autos, wenn sie diese selbst nicht benötigen, über den „Kleiderkreisel“ finden Jacken und Taschen neue Träger, und über Frents, Leihdirwas und Whyown.it ist so ziemlich alles zu haben, vom Dampfbügeleisen bis zur Bohrmaschine. Besonders Letztere gilt als Paradebeispiel für die Sinnhaftigkeit des Teilens, ist sie doch, statistisch betrachtet, im Lauf ihres Lebens nur 13 Minuten in Gebrauch und liegt die restliche Zeit ungenutzt im Keller.

„Es sind vor allem junge Menschen, die Produkte teilen“, sagt Thorsten Hennig-Thurau, Professor für Marketing an der Universität Münster. Weil es günstiger sei. Und weil es zum Lebensstil passe. Die meisten Teiler leben in Großstädten, dort sind die Wohnungen klein und Parkplätze Mangelware. Zu viel Besitz belastet da nur. Trotz der engen Zielgruppe sieht der Forscher die neue Tauschwirtschaft nicht als Nischenphänomen. Mit der „Rettet-die-Welt-Bewegung“ habe das nichts mehr zu tun, es komme aus der Mitte der Gesellschaft.

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