Home
http://www.faz.net/-gqe-73rso
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 22.10.2012, 07:14 Uhr

Der Volkswirt Gesucht: Neue weibliche Top-Ökonomen

Vor zwanzig Jahren gab es nur 2 Prozent weibliche VWL-Professoren. Heute sind es 12 Prozent. In der jungen Generation von Ökonomen drängen immer mehr Frauen nach vorne.

© Tresckow

Der Weg für Frauen in die Ökonomie war steinig: Als Elinor Ostrom in den fünfziger Jahren in Kalifornien Wirtschaftswissenschaft studieren wollte, hieß es an der Universität: Das ist doch nichts für Frauen. Über Umwege gelangte Ostrom doch zur Ökonomie - und erhielt 2009 für ihre Forschung über Almendegüter als erste und bislang einzige Frau den Nobelpreis.

Philip Plickert Folgen:

Die Wirtschaftswissenschaft ist bislang ein klar männlich dominiertes Gebiet. Nur wenige Ökonominnen schaffen es in die oberste Liga. In den Vereinigten Staaten war immerhin die Berkeley-Professorin Christina Romer mehrere Jahre wirtschaftliche Chefberaterin des Präsidenten. In der Notenbank Federal Reserve hat die Vize-Vorsitzende Janet Yellen, ebenfalls Professorin in Berkeley, erheblichen Einfluss. Und die Entwicklungs- und Handelsexpertin Anne Krueger war nicht nur Weltbank-Chefökonomin und IWF-Vize, sondern schon in den neunziger Jahren (zweite) weibliche Vorsitzende der Ökonomen-Vereinigung American Economic Association.

In Deutschland haben es Frauen in der Wirtschaftswissenschaft noch nicht ganz bis in die erste Reihe geschafft. Die Tübinger Ökonomin Claudia Buch beackert im Sachverständigenrat wie ihre Vorgängerin, die Schweizerin Beatrice Weder di Mauro, ein wichtiges Feld: die Banken- und Finanzmarktregulierung. Doch in der Öffentlichkeit tritt sie kaum auf. Derzeit ist die 45-Jährige als Chefin des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) im Gespräch - das wäre ein Novum, denn noch nie hatte eines der Leibniz-Wirtschaftsforschungsinstitute eine weibliche Spitze. Vor Weder di Mauro und Buch war auch der Sachverständigenrat mehr als vier Jahrzehnte eine reine Männerdomäne.

Karriere statt Kinder

Blättert man die Fachzeitschriften durch, so finden sich zwischen vielen Beiträgen männlicher Forscher zunehmend Beiträge von Frauen. Auch aus Deutschland kommen einige der Nachwuchsstars der Disziplin: Etwa Ulrike Malmendier, die erst Jura studierte und mit einer Arbeit über römisches Recht promoviert wurde, aber heute als Verhaltensökonomin an der Universität Berkeley Karriere macht - und zudem drei Kinder hat. Oder Nicola Fuchs-Schündeln, die mit ihrem Mann aus Harvard zurückkehrte und nun in Frankfurt lehrt. Sie ist sogar dreifache Mutter und hat es mit ihren Aufsätzen, etwa über das Sparverhalten der Deutschen nach der Wiedervereinigung, in die wichtigsten Journale geschafft. Viele andere Frauen verzichten für die Karriere auf Kinder.

Langsam wächst eine neue Generation von Ökonominnen heran, doch sind sie nach wie vor eine kleine Minderheit. Vor zwanzig Jahren gab es in Deutschland sieben weibliche VWL-Professoren von insgesamt 313. Der Frauenanteil betrug also 2 Prozent. Heute sind es 60 Frauen von 507 Professuren, also rund 12 Prozent. Im Durchschnitt aller Studienfächer liegt der Frauenanteil in der Professorenschaft bei 19 Prozent, hat das Statistische Bundesamt errechnet.

Auch in den Vereinigten Staaten sind nur 13 Prozent der Economics-Professoren weiblich. Unter den Assistenz-Professoren sind es aber schon mehr als ein Viertel. Der Anteil an den Promotionen steigt auch in Deutschland deutlich: Vor zwanzig Jahren waren es nur 15 Prozent Frauen, heute sind es mehr als ein Drittel - so hoch wie der Anteil der weiblichen VWL-Studenten.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Vorstände in Rhein-Main Mehr Frauen rücken in die Chefetagen auf

Eine Bastion ist gefallen: Im Vorstand der Deutschen Bank sind Männer nicht mehr unter sich. Ein Zeichen, dass im Rhein-Main-Gebiet mehr und mehr Frauen auf Führungspositionen vorrücken – wenn auch nur langsam. Mehr Von Manfred Köhler, Frankfurt

05.02.2016, 08:33 Uhr | Rhein-Main
F.A.Z.-Uni-Ratgeber Professoren geben Tipps fürs Studium

Jedes Jahr stehen tausende Schüler vor den selben Fragen: Was soll ich nur studieren? Und wo? Hier verraten Deutschlands beste Professoren, wie es in den Hörsälen zugeht. Mehr

02.02.2016, 09:09 Uhr | Beruf-Chance
Frankfurter Rotlichtviertel Damenbesuch bei einer Domina

Eigentlich sind Bordelle Tabuzonen für Frauen. Doch es gibt bestimmte Touren durch das Rotlichtviertel, bei denen das anders ist. Mehr Von Mareike Katerkamp, Frankfurt

28.01.2016, 12:15 Uhr | Rhein-Main
Filmkritik Suffragette Das größte Selbstopfer

Sarah Gavrons Film "Suffragette" zeigt den Kampf der Frauen ums Stimmrecht. Mehr

03.02.2016, 16:33 Uhr | Feuilleton
Sexuelle Übergriffe Warum Frauen seit Köln verunsicherter denn je sind

Seit den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln wird wieder über sexuelle Gewalt gegen Frauen diskutiert. Aber noch immer scheuen zu viele davor zurück, die Täter bei der Polizei anzuzeigen. Warum ist das so? Mehr Von Mona Jaeger

29.01.2016, 14:05 Uhr | Politik

Wachstum ohne Schulden

Von Gerald Braunberger

Die Finanzkrise hat die Staaten dazu bewogen, durch höhere Schulden die Weltwirtschaft zu stabilisieren. Dass Wachstum auch ohne Schulden möglich ist, zeigt ein Blick ins Silicon Valley. Mehr 47 11


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“