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David Miliband : Zwischen Angela Merkel und George Clooney

David Miliband Bild: ddp Images

Der frühere britische Außenminister David Miliband führt heute von New York aus eine Organisation für Flüchtlinge, die einst von Albert Einstein gegründet wurde. Humanitäre Hilfe und Glamour passen für ihn gut zusammen.

          Für jemanden, der nicht mehr Außenminister ist, reist David Miliband immer noch viel in der Welt herum. Nach seinem vorläufigen Abschied aus der britischen Politik lebt Miliband heute in New York, wo er die einst auf Initiative von Albert Einstein gegründete Flüchtlingshilfsorganisation International Rescue Committee (IRC) führt. Die Aufgabe bringt ihn regelmäßig nach Afrika und in den Nahen Osten, aber man kann ihm auch beim Schaulaufen von Politik- und Wirtschaftsprominenz auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos begegnen. Bisweilen kommt er in seine Heimat zurück, wo er es nicht lassen kann, sich in die Politik einzumischen. Zum Beispiel indem er vor dem „Brexit“ warnt, also einem möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Unlängst in Berlin war er Teil einer besonders illustren Runde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem Ehepaar George und Amal Clooney, um über die Flüchtlingskrise zu diskutieren. „Die Clooneys“, wie Miliband den Hollywood-Superstar und die Anwältin im Gespräch mit der F.A.Z. vertraut nennt, engagieren sich für die Organisation des 50 Jahre alten Briten, genauso wie eine Reihe anderer Prominenter aus der Unterhaltungsindustrie. Miliband führt heute ein Leben zwischen humanitärer Hilfe und politischem Diskurs, garniert mit einer Portion Glamour. Und weil er damit weiter im Rampenlicht steht, lädt er zu Spekulationen ein, ob er eine Rückkehr auf die große politische Bühne anpeilt.

          Dort war er schon einmal, erst als Senkrechtstarter und später als tragische Figur, die von ihrem eigenen Bruder ausgebootet wurde. Miliband war zwischen 2007 und 2010 Außenminister in Großbritannien und galt lange als Hoffnungsträger der Labour-Partei, um einmal das Amt des Premierministers zu übernehmen. Als er sich dann aber 2010 um den Parteivorsitz bewarb, wurde er knapp besiegt – ausgerechnet von seinem jüngeren Bruder Ed. Miliband behielt danach eine Zeitlang einen Sitz im britischen Parlament, verabschiedete sich aber 2013 aus der Politik und zog mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen nach New York.

          Budget der Organisation deutlich gestiegen

          Es mag zuerst so ausgesehen haben, als ob ihm sein neues Amt an der Spitze des IRC etwas Distanz zur Politik verschafft. Aber die Flüchtlingskrise hat dafür gesorgt, dass er sich mit seinem Aufgabengebiet inmitten eines der größten politischen Streitthemen der Gegenwart wiederfindet. Das IRC wurde schon 1933 gegründet, dem Jahr der Machtergreifung Adolf Hitlers. Physik-Nobelpreisträger Einstein, der im selben Jahr nach Amerika geflohen war, verfolgte damit zunächst die Absicht, Deutschen beizustehen, die unter dem Hitler-Regime zu leiden hatten. Später weitete die Organisation ihren Aktionsradius auf Flüchtlinge aus anderen Ländern aus. Heute hilft sie dabei, Tausende von Flüchtlingen im Jahr in den Vereinigten Staaten anzusiedeln. Sie ist auch in Krisenregionen selbst aktiv und kümmert sich dort zum Beispiel um Gesundheitsversorgung oder Bereitstellung von Trinkwasser.

          Miliband ist ein Kind jüdischer Flüchtlinge und hat daher eine Affinität zur Materie des IRC. Seit seinem Antrittsjahr ist das Budget der Organisation deutlich gestiegen, von rund 450 Millionen auf zuletzt knapp 700 Millionen Dollar. Privatstiftungen und Regierungen haben ihre Zuwendungen erhöht. Miliband führt das auf die gute Arbeit des IRC zurück, aber er weiß, dass die Flüchtlingskrise der Organisation derzeit zusätzliche Aufmerksamkeit beschert und dies womöglich kein dauerhaftes Phänomen sein wird. Daher erwartet er nicht, dass sich das Wachstum der vergangenen Jahre so leicht fortschreiben lässt und er bald ein Milliardenbudget zur Verfügung haben wird. Er hofft aber auf eine engere Verbindung zur deutschen Regierung, von der seine Gruppe bislang keine direkte Unterstützung erhält. Anders als bei Großbritannien.

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