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Dagobert Duck zum 65. Geburtstag Eine gefährliche Ente

 ·  Die reichste Ente der Welt gerät in Verruf. Ökonomen rügen ihre rücksichtslose Kapitalanhäufung. Auch Bedenken, der Erpel könne als schlechtes Vorbild dienen, werden laut.

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© Egmont Ehapa Verlag/Disney Vergrößern Ducks Motto: Wer den Kreuzer nicht ehrt, ist den Taler nicht wert

Das Geschäftsgebaren des Fantastilliardärs Dagobert Duck aus Entenhausen, dessen 65. Geburtstag unmittelbar bevorsteht, ist auf schärfste Kritik gestoßen. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger sagte dieser Zeitung: „Aus makroökonomischer Sicht halte ich die Grundeinstellung von Onkel Dagobert für höchst gefährlich.“

Kritische Worte kommen auch aus den Vereinigten Staaten. Tyler Cowen, Professor der George Mason-Universität in Fairfax hielt der Ente vor, Tugenden zu pflegen, die in Zukunft keinen Gewinn mehr stifteten. „Harte Arbeit und Sparsamkeit sind ja schön und gut, aber der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, schneller als andere zu erkennen, wo die Welt sich hinbewegt und dort als erster zu sein.“

Stephan Jansen schließlich, Präsident der Zeppelin-Universität und großer Kenner des Duck-Imperiums, nennt den Jubilar einen „Multi-Kapitalisten“. Umstritten sei in der Forschung, ob er die protestantische Ethik verkörpere oder nur eine „Heuschrecke in Erpelform“ sei. Die Ente selbst war für einen Kommentar nicht zu erreichen. Die Geburtstagsfeier wird, wie Eingeweihte vermuten, überaus kärglich ausfallen und im engsten Familienkreis stattfinden. Wenn überhaupt.

Unternehmen und Sparer eiferten der Ente nach

Die bemerkenswerte Vermögensakkumulation des Erpels aus Entenhausen ist wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, weil die Occupy-Bewegung ihn als Symbolfigur des Menschen- (und Geflügel-) verachtenden Finanzkapitalismus auf zahlreichen Demonstrationen zeigte. Bernd Dolle-Weinkauff, Germanist der Universität Frankfurt findet allerdings, Duck werde von Kapitalismus-Kritikern zu unrecht verfolgt: Der Fantastilliardär sei gerade kein Finanzkapitalist. Der gebürtige Schotte entspreche vielmehr anachronistischen Stereotypen, die im 19. Jahrhundert das Bild der Reichen prägten; auch äußerlich mit Backenbart, Zylinder und Gamaschen.

Duck sei viel zu geizig, sein Geld zu investieren oder auch nur Banken zu überlassen, so Dolle-Weinkauff. Duck ist dafür bekannt, seine Einkünfte in einem überdimensionalen Geldspeicher zu horten. Diese Form der Liquiditätshaltung inspiriert unterdessen offenbar auch andere Milliardäre. Der Ökonom Rudolf Hickel wies auf die bedenkliche Vorbildrolle der Ente hin: So habe der legendäre Investor Warren Buffett im zweiten Vierteljahr 2012 die Bargeldbestände um 7,5 Prozent auf 40,5 Milliarden Euro ausgeweitet. Auch in Deutschland eiferten Unternehmen und Sparer der Ente nach.

„Dagobert Duck ist die personifizierte Liquiditätsfalle“

Gerade diese Form der Vermögensverwaltung entzieht den Wirtschaftskreisläufen Geld und trägt zur Stagnation bis hin zur Rezession bei. Nicht umsonst schimpft der Wirtschaftsweise Bofinger: „Dagobert Duck ist die personifizierte Liquiditätsfalle.“ Die Liquiditätsfalle ist ein vom legendären Ökonom John Maynard Keynes beschriebenes Phänomen. Demzufolge horten Wirtschaftsakteure ihr Geld, weil die Anlage zu wenig Zinsen verspricht. Für Investitionen fehlt dann das Geld, die gesamtwirtschaftliche Nachfrage sinkt. Die Folge ist Arbeitslosigkeit und mittelfristig eine gewaltige Vermögensumverteilung (zu Gunsten von Dagobert Duck).

Die Geldpolitik in Form von Leitzinssenkungen verpufft, weil mit niedrigeren Zinsen die Investititionsneigung der Geldhorter sogar noch abnimmt. Tatsächlich konterkariert Ducks notorische Liquiditätshaltung das Bestreben der Zentralbanken, die Märkte flüssig zu halten. Inzwischen stellt sich die drängende Frage: Was macht die Ente mit dem Geld? Wenn den zahllosen bebilderten Veröffentlichungen zu glauben ist, dann lautet die Antwort: Sie badet darin. Der Frankfurter Germanist Dolle-Weinkauff steigt zu der These hinauf, dass für Dagobert der einzige Zweck des Geldes darin besteht, ihm als Badesubstanz zu dienen.

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