Home
http://www.faz.net/-gqe-74f6j
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 18.11.2012, 13:12 Uhr

Dagobert Duck zum 65. Geburtstag Eine gefährliche Ente

Die reichste Ente der Welt gerät in Verruf. Ökonomen rügen ihre rücksichtslose Kapitalanhäufung. Auch Bedenken, der Erpel könne als schlechtes Vorbild dienen, werden laut.

© Egmont Ehapa Verlag/Disney Ducks Motto: Wer den Kreuzer nicht ehrt, ist den Taler nicht wert

Das Geschäftsgebaren des Fantastilliardärs Dagobert Duck aus Entenhausen, dessen 65. Geburtstag unmittelbar bevorsteht, ist auf schärfste Kritik gestoßen. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger sagte dieser Zeitung: „Aus makroökonomischer Sicht halte ich die Grundeinstellung von Onkel Dagobert für höchst gefährlich.“

Winand von Petersdorff-Campen Folgen:

Kritische Worte kommen auch aus den Vereinigten Staaten. Tyler Cowen, Professor der George Mason-Universität in Fairfax hielt der Ente vor, Tugenden zu pflegen, die in Zukunft keinen Gewinn mehr stifteten. „Harte Arbeit und Sparsamkeit sind ja schön und gut, aber der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, schneller als andere zu erkennen, wo die Welt sich hinbewegt und dort als erster zu sein.“

Stephan Jansen schließlich, Präsident der Zeppelin-Universität und großer Kenner des Duck-Imperiums, nennt den Jubilar einen „Multi-Kapitalisten“. Umstritten sei in der Forschung, ob er die protestantische Ethik verkörpere oder nur eine „Heuschrecke in Erpelform“ sei. Die Ente selbst war für einen Kommentar nicht zu erreichen. Die Geburtstagsfeier wird, wie Eingeweihte vermuten, überaus kärglich ausfallen und im engsten Familienkreis stattfinden. Wenn überhaupt.

Unternehmen und Sparer eiferten der Ente nach

Die bemerkenswerte Vermögensakkumulation des Erpels aus Entenhausen ist wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, weil die Occupy-Bewegung ihn als Symbolfigur des Menschen- (und Geflügel-) verachtenden Finanzkapitalismus auf zahlreichen Demonstrationen zeigte. Bernd Dolle-Weinkauff, Germanist der Universität Frankfurt findet allerdings, Duck werde von Kapitalismus-Kritikern zu unrecht verfolgt: Der Fantastilliardär sei gerade kein Finanzkapitalist. Der gebürtige Schotte entspreche vielmehr anachronistischen Stereotypen, die im 19. Jahrhundert das Bild der Reichen prägten; auch äußerlich mit Backenbart, Zylinder und Gamaschen.

Duck sei viel zu geizig, sein Geld zu investieren oder auch nur Banken zu überlassen, so Dolle-Weinkauff. Duck ist dafür bekannt, seine Einkünfte in einem überdimensionalen Geldspeicher zu horten. Diese Form der Liquiditätshaltung inspiriert unterdessen offenbar auch andere Milliardäre. Der Ökonom Rudolf Hickel wies auf die bedenkliche Vorbildrolle der Ente hin: So habe der legendäre Investor Warren Buffett im zweiten Vierteljahr 2012 die Bargeldbestände um 7,5 Prozent auf 40,5 Milliarden Euro ausgeweitet. Auch in Deutschland eiferten Unternehmen und Sparer der Ente nach.

„Dagobert Duck ist die personifizierte Liquiditätsfalle“

Gerade diese Form der Vermögensverwaltung entzieht den Wirtschaftskreisläufen Geld und trägt zur Stagnation bis hin zur Rezession bei. Nicht umsonst schimpft der Wirtschaftsweise Bofinger: „Dagobert Duck ist die personifizierte Liquiditätsfalle.“ Die Liquiditätsfalle ist ein vom legendären Ökonom John Maynard Keynes beschriebenes Phänomen. Demzufolge horten Wirtschaftsakteure ihr Geld, weil die Anlage zu wenig Zinsen verspricht. Für Investitionen fehlt dann das Geld, die gesamtwirtschaftliche Nachfrage sinkt. Die Folge ist Arbeitslosigkeit und mittelfristig eine gewaltige Vermögensumverteilung (zu Gunsten von Dagobert Duck).

Die Geldpolitik in Form von Leitzinssenkungen verpufft, weil mit niedrigeren Zinsen die Investititionsneigung der Geldhorter sogar noch abnimmt. Tatsächlich konterkariert Ducks notorische Liquiditätshaltung das Bestreben der Zentralbanken, die Märkte flüssig zu halten. Inzwischen stellt sich die drängende Frage: Was macht die Ente mit dem Geld? Wenn den zahllosen bebilderten Veröffentlichungen zu glauben ist, dann lautet die Antwort: Sie badet darin. Der Frankfurter Germanist Dolle-Weinkauff steigt zu der These hinauf, dass für Dagobert der einzige Zweck des Geldes darin besteht, ihm als Badesubstanz zu dienen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Aktienmarkt Hoffnungswerte erobern die Börsen

Apple zählt an der Börse schon zur Old Economy. Doch nun ist Alphabet das wertvollste Unternehmen. Nur: Wie lange können sich die neuen Überflieger bewähren? Mehr Von Daniel Mohr, Frankfurt und Roland Lindner, New York

02.02.2016, 22:59 Uhr | Finanzen
WhatsApp, WeChat & Co. Die Zukunft von Messenger-Apps

Messenger-Dienste werden längst nicht mehr nur zum Versenden von Text- oder Bild-Nachrichten genutzt. In Zukunft wird man per WhatsApp, WeChat oder Line einkaufen, bezahlen und Geld verschicken können. Mehr

11.01.2016, 15:07 Uhr | Wirtschaft
Weihnachtsmesse Du wirst es lieben

Nach dem Fest ist vor dem Fest: In Frankfurt läuft die größte Weihnachtsmesse der Welt. Ein Drogentrip durch blinkende Zuckerstangen, tanzende Rentiere und einen Pailletten-Tsunami – hereinspaziert! Mehr Von Julia Bähr

02.02.2016, 15:43 Uhr | Wirtschaft
Handy-Knigge Was ist peinlich, was erlaubt?

Im Restaurant ans Telefon gehen, wenn es klingelt? In der U-Bahn lautstark telefonieren? Was ist peinlich, was darf man? Der Handy-Knigge des Bayerischen Rundfunk ist auch in der Sendung Geld und Leben am Donnerstagabend um 19 Uhr im BR zu sehen. Mehr

04.02.2016, 16:14 Uhr | Wirtschaft
Daten-Utopie im Jahr 2030 Was für eine wunderbare Welt

Im Jahr 2030 ist alles besser: intelligente Bank-Apps, Kundenbindung, offene Daten. Auch die größten Skeptiker haben verstanden, dass die Freiheit der Daten die eigene Freiheit nicht einschränkt. Mehr Von Jonas Jansen

28.01.2016, 14:28 Uhr | Wirtschaft

Unsere Währung, euer Problem

Von Alexander Armbruster

China ist wirtschaftlich viel zu mächtig, als dass seine Währung in ernste Schwierigkeiten geraten könnte. Das weiß auch Amerikas Notenbankchefin. Mehr 4


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“