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Berthold Beitz ist tot : Der letzte Krupp, der letzte Beitz

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Berthold Beitz im vergangenen Jahr in der Villa Hügel. Direkt hinter ihm stehen Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger und Gerhard Cromme (r), damals noch Aufsichtsratschef bei Thyssen-Krupp. Bild: dpa

Berthold Beitz war einer der wichtigsten deutschen Industriemanager der Nachkriegszeit. Der Krupp-Generalbevollmächtigte diente als Wegbereiter der deutschen Ostpolitik im „Kalten Krieg“, Sportfunktionär und großzügiger Mäzen. Ein Nachruf.

          Unsterblich war er zwar nicht, aber schon zu Lebzeiten eine Legende. Noch im hundertsten Lebensjahr ließ er sich jeden Tag in sein Essener Büro fahren. Als mächtiger Stiftungsvorsitzender befasste er sich noch regelmäßig mit den Dingen, die bei einer der vermögenden deutschen Stiftungen zu erledigen sind. Aber sein Lebensinhalt war das Versprechen, das er vor fast einem halben Jahrhundert dem Stifter, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, gab: sich um den Fortbestand der Firma Krupp zu kümmern.

          „Die Freundschaft zu Alfried Krupp hat mein Leben entscheidend geprägt. Er wird auch mein Leitbild für meinen künftigen Weg sein“, hatte Berthold Beitz 1967 zur Trauerfeier für Krupp versprochen und sich bis zum Tod daran gehalten. Nun ist Berthold Beitz am 30. Juli im Alter von 99 Jahren gestorben; auf den Tag genau 46 Jahre nach dem Tod von Krupp entschlief in seinem Urlaubsdomizil auf Sylt.

          Eigentlich ist die Ära der Industriedynastie Krupp 1967 mit dem Tod des letzten Namensträgers Alfried Krupp untergegangen. Aber Beitz hat den größten Teil seines Lebens dafür gearbeitet, in dem sich stark verändernden Industriekonzern im Sinne des Stifters den Stil des moralischen Kapitalismus zu wahren. Es wird nach Beitz in der Stiftung keinen Entscheider mehr geben, der so inbrünstig die Kruppschen Ideale pflegt. Für das Unternehmen Thyssen-Krupp mit dem Anker-Aktionär der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung kann das sogar vorteilhaft sein. Denn in der krisenhaften jüngeren Geschichte wurde deutlich, dass die 1999 zusammengeführten Stahlkonzerne Thyssen und Krupp noch längst nicht zu einem modernen Industrieunternehmen zusammengewachsen sind.

          Berthold Beitz (rechts) im Gespräch mit Alfried Krupp von Bohlen und Halbach im Jahr 1957
          Berthold Beitz (rechts) im Gespräch mit Alfried Krupp von Bohlen und Halbach im Jahr 1957 : Bild: foto akg

          Bewusst suchte Beitz vor seinem Tod keinen Nachfolger für seine Aufgaben aus. Schon im Jahr 2010 hatte er die vom Stifter auf einen starken Vorsitzenden zugeschnittene Satzung modernisieren lassen. Künftig dürfen das Kuratorium und der Vorstand nicht mehr in Personalunion geführt werden. Aber in der Satzung gilt weiterhin der Auftrag an die Stiftung, auf den Erhalt des Unternehmens hinzuwirken.

          Zwei Dinge hatte Beitz im Januar 2013 ganz oben auf die Agenda gesetzt: Die Vorbereitungen zu einem fröhlichen Geburtstagsfest sowie den Bruch mit seinem langjährigen Weggefährten Gerhard Cromme. Und zwar zunächst in dieser Reihenfolge: Erst eine ungetrübte Geburtstagsfeier mit Freibier zu flotten Jazz-Klängen in der Essener Philharmonie und danach die emotional schwierige Trennung von Cromme.

          Aber sein hundertster Geburtstag wäre erst am 26. September gewesen. Und bei Thyssen-Krupp brannte es lichterloh. Eine aus dem Ruder gelaufene Mega-Investition in zwei neue Stahlwerke in Amerika gefährdete die anderen Konzernteile mit rund 150.000 Arbeitsplätzen. Obwohl für das Desaster nach und nach sechs Vorstandsmitglieder, darunter auch der von Beitz geschätzte langjährige Konzernchef Ekkehard Schulz, zur Verantwortung gezogen wurden, holten immer wieder neue Sünden der Vergangenheit den krisengeschüttelten Stahl- und Industriegüterkonzern ein.

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