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Barbie & Co. : Wenn das Spielzeug ins Internet geht

Kinder spielen immer früher mit dem Smartphone - und umgekehrt ist immer mehr Spielzeug selbst ans Netz angeschlossen. Bild: dpa

Die Barbie mit Netzverbindung und der Lerncomputer mit Chatfunktion sind nur die Vorboten: Kinderspielzeug wird internetfähig. Aber ganz unterschiedlich.

          Barbie kommt zum Lauschangriff, der Kinder-Lerncomputer lässt den Datendieb ins Familienheim hinein - so klingen die Warnungen zum Spielwarenkauf im Weihnachtsgeschäft 2015. Dass Produktprüfer regelmäßig zum Geschenke-Fest auf Bruchstellen, Inhaltsstoffe und entflammbare Materialien im Spielzeug hinweisen, die ihren eigenen Regeln nicht genügen, tritt in den Hintergrund. Die Reden über Datenskandal und Hacker-Attacke im Kinderzimmer bescheren der Spielwarenbranche viel mehr unerwünschte Aufmerksamkeit.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          2015 ist das Geschenke-Jahr, in dem vernetztes Spielzeug die öffentliche Wahrnehmung erlangt - das sogenannte Internet der Dinge, in dem viele Gegenstände Netzzugang bekommen, erreicht die Kinderzimmer. Und bringt gleich eine Datenaffäre mit: Ein amerikanischer Hacker verschaffte sich Zugang zu den Servern des Lerncomputerherstellers VTech. Der Konzern aus Hongkong ist dabei nicht die einzige Anbieter für vernetztes Spielzeug und überhaupt gibt es das schon viel länger als nur dieses Jahr.

          Zugleich gilt aber: Nur weil es mittlerweile Smartphone-Apps für Brettspiele gibt und Sensoren in Rennwagen, bedeutet das nicht, dass zum Spielen im Jahr 2015 der permanente Netzzugang gehört. Im Gegenteil: Der Kreis der komplett vernetzten Spielzeuge ist (noch) klein.

          In den Vereinigten Staaten haben sich Kritiker nun auf die neueste Variante der Puppenikone Barbie eingeschossen. „Hello Barbie“ hört Kindern zu und ruft aus einem digitalen Sprachschatz mit 8000 Antworten passende Repliken ab. In Deutschland hat der Hersteller Mattel die Puppe bislang nicht auf den Markt gebracht.

          Dass Mädchen mit der Puppe reden können, wenn ihnen sonst niemand zuhört, erscheint schon befremdlich. Aber „Hello Barbie“ eröffnet angeblich auch Angreifern einen weitreichenden Datenzugang. Das Unternehmen Bluebox will zahlreiche Lücken in der dazugehörigen App entdeckt haben. Der Zulieferer Toytalk, der sich für Mattel um die interaktiven Funktionen kümmert, teilte mit, erste Schwachstellen seien bereits geschlossen.

          Eine Puppe kann noch mehr

          Technisch revolutionär sind interaktive Spielzeuge übrigens nicht. Sie verwenden im Grundsatz  eine Technik, die auf Smartphones und Tablets der Erwachsenenwelt üblich ist. Kern der „Hello Barbie“ ist eine Spracherkennungsfunktion. Kinderfragen werden an einen Server geschickt, der möglichst passende Antworten zurückgibt. Nun wird die Technik aber von Spielzeuge-Produzenten eingesetzt, deren Kernkompetenz bislang nicht in den Bereichen Vernetzung und Datensicherheit lag.

          Und so ist nicht die Puppe selbst, sondern die Datenverbindung zwischen Puppe, Smartphone-App und Server der Angriffspunkt für Hacker. Die Aufregung ist groß. Dabei ging eine Entwicklung im vergangenen Jahr technisch weiter als die Mattel-Neuheit. Die auch in Deutschland erhältliche Puppe „Cayla“ des Herstellers Vivid ruft nicht nur vorgefertigte Antworten ab, sondern sucht selbständig – unter anderem im Online-Lexikon Wikipedia.

          Fertig bis Weihnachten

          Auch der Lerncomputer-Hersteller VTech knüpft an vorhandene Technik an. Damit Kinder und Eltern Kurzbotschaften austauschen können, wurde die „Kid-Connect“-Anwendung ersonnen – in Kern nichts anderes als ein in Design und Funktionalität auf Kinder zugeschnittenes „Whatsapp“. Nachschub für das Kinder-Tablet liefert ein Download-Portal, ähnlich wie iTunes für Apple-Geräte und der Play-Store für Geräte mit Android-Betriebssystem.

          VTech investierte viel Mühe in Schutzvorrichtungen, damit Kinder keine Seiten zu Gesicht bekommen, die für sie nicht geeignet sind. Wo ein handelsübliches Smartphone nicht haltmacht, lässt sich für VTech-Geräte eine virtuelle Schranke senken. Die Serververbindungen für das Herunterladen von Apps und für die Chat-Nutzung waren hingegen so schlecht geschützt, dass ein Hacker leichtes Spiel hatte. Nun bessert das Unternehmen nach. Bis Weihnachten will man fertig sein.

          Smartphone und Spielzeug nähern sich einander an. Fernlenkautos oder -flugzeuge lassen sich vom Display lenken. Die alten Kipphebel eines Steuerpults haben ausgedient. Minidrohnen übertragen Luftbilder aufs Telefon, auch eine Führerstands-Mitfahrt in der Modelleisenbahn ist möglich. Meist ist dafür nur eine Datenverbindung zwischen Spielutensil und Smartphone nötig, permanenter Internetzugang  aber nicht.

          Spielzeuge und Internet bleiben verbunden

          Ähnlich ist es im Falle von Apps zu Brettspielen. Hasbro hat für nahezu alle Klassiker wie „Monopoly“ oder „Spiel des Lebens“ Varianten aufgelegt, die mit einem Tablet funktionieren. Das wird in die Mitte des Spielbretts gelegt. Auch der deutsche Hersteller Ravensburger hat eine Linie unter dem Namen „Smartplay“ aufgelegt. Die App erklärt die Regeln, Anleitung lesen ist nicht mehr nötig. Aber die Ravensburger-App filmt auch das Spielgeschehen, erkennt auf welchem Feld der rote Spielstein steht und sagt, wohin er bewegt werden muss, wenn der Mitspieler nicht schummelt.

          Ein Quiz, eine Schatzsuche und ein Strategiespiel hat Ravensburger technisch hochgerüstet. Über Datenklau hat sich noch niemand beschwert, Nutzerbewertungen fallen eher positiv als negativ aus. Und wenn es Kritik hagelt, dann geht es eher darum, dass die Handykamera eben doch nicht jeden Spielstein erkennt, dass die App die Regeln allzu pedantisch erklärt und dass sie mit ihren vielen Sprachbausteinen ein zu großes Datenpaket für ein Telefon sei.

          In der Spielwarenbranche ist daher  von „Kinderkrankheiten“ die Rede, Einfalltoren für Hacker seien „Fehler“, aus denen gelernt werde. Am Kurs, dass Spielzeug einen Platz im Internet der Dinge findet, zweifelt aber kein Hersteller.

          Quelle: FAZ.NET

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