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Arbeitswelt der Zukunft : Angriff der Roboter

Kleiner Helfer: ein Nao-Next-Gen-Roboter des französischen Roboterherstellers Aldebaran Robotics auf der Bildungsmesse Didacta in Stuttgart Bild: dpa

Computer und Roboter haben schon einige Berufe überflüssig gemacht. Nun schätzen zwei Forscher: Künftig könnte jeder zweite Arbeitsplatz durch eine Maschine ersetzt werden. Selbst Models.

          Es ist eine schaurig schöne Vorstellung, welche die Menschheit seit Jahrzehnten umtreibt: Computer und Roboter erledigen die Arbeit, der Mensch wird als Arbeiter nicht mehr gebraucht. Schön ist die Aussicht auf ein Leben voller Freizeit. Zugleich wirkt es bedrohlich, durch technische Geräte aus dem Berufsleben verdrängt zu werden und kein Geld mehr zu verdienen. Schon in der Vergangenheit haben Computer und Roboter eine Reihe von Berufen überflüssig gemacht.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Doch zugleich sind durch die technische Revolution bis heute wohl noch mehr neue Beschäftigungen hinzugekommen. Das könnte sich ändern, denn in den kommenden beiden Jahrzehnten wird sich der Verdrängungsprozess extrem verschärfen. Das zumindest behaupten zwei Forscher der University of Oxford, die sich mit der Zukunft der Arbeitswelt auseinandergesetzt haben. „Entsprechend unserer Schätzung ist rund 47 Prozent der Beschäftigung in den Vereinigten Staaten bedroht“, schreiben Carl Benedikt Frey und Michael Osborne in ihrer gemeinsamen Studie.

          Wandel der Arbeitswelt

          Die beiden Fachleute für Arbeitsmärkte und technologischen Fortschritt haben 702 Berufe genauer untersucht. Die Ergebnisse dürften für viele Berufstätige bedrohlich klingen. Durch immer bessere und günstigere Maschinen sowie fortschreitende Automatisierung sind auch anspruchsvolle Tätigkeiten nicht mehr vor der Konkurrenz aus Metall und Plastik sicher. „Sogar der Bildungsbereich, einer der arbeitsintensivsten Bereiche, wird höchstwahrscheinlich signifikant betroffen sein“, schreiben die Autoren.

          Nur der Anfang des bevorstehenden Arbeitsweltwandels: Protoyp eines selbstfahrenden Autos der Firma Bosch

          Interaktive Tutorien, durch Algorithmen individuell optimierte Lerninhalte und verbesserte technische Benutzeroberflächen sollen diese Entwicklung möglich machen. Selbstfahrende Autos, Krankheitsdiagnose mit Hilfe immenser Datensätze und automatisierte Übersetzungen wichtiger Dokumente nennen die Forscher als weitere Beispiele für den bevorstehenden Wandel der Arbeitswelt. Folgt man dieser Argumentation der Fachleute, dann sind die Maschinen künftig nicht nur Begleiter, die die Arbeit einfacher machen, sondern vollwertiger Ersatz für heute von Menschen erbrachte praktische und intellektuelle Leistungen.

          Drei Risikogruppen

          Die Forscher unterteilen die Berufe in drei Risikogruppen. Zu der Gruppe, die in den kommenden 20 Jahren mit höchster Wahrscheinlichkeit durch Computer zumindest zum Teil ersetzt werden, zählen demnach viele Dienstleistungsberufe. Verkäufer am Telefon müssen laut Schätzung mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent damit rechnen, Buchhalter trifft es zu 98 Prozent, Angestellte am Bankschalter zu 97 Prozent. Warum auch Models zu dieser Hochrisikogruppe gehören sollen, bleibt ein Geheimnis der Forscher.

          Telefonverkäufer, Packer und Köche werden mit hoher Wahrscheinlichkeit – zumindest teilweise – durch Computer ersetzt werden

          In der mittleren Gruppe finden sich Berufe wieder, in der soziale Interaktion eine größere Rolle spielt, zum Beispiel im Management, in der Bildung und Gesundheitsbetreuung. Arzthelfer sind demnach zu 61 Prozent gefährdet, von Robotern starke Konkurrenz zu bekommen, auch Ökonomen (43 Prozent) und Historiker (44 Prozent) müssen sich Sorgen machen. Ruhiger schlafen können dagegen hochspezialisierte Berufe, bei denen Einfühlungsvermögen und Fachkenntnis zusammenkommen. Zahnärzte, Psychologen und Choreografen stehen an der Spitze der Berufe, die kaum mit Konkurrenz rechnen müssen.

          Werden die Prognosen der Forscher Realität, dann könnte die Wirtschaft zwar weiter wachsen, allerdings wäre der Aufschwung nicht mit neuen Arbeitsplätzen, sondern mit Arbeitslosigkeit – beziehungsweise mehr Freizeit - verbunden. Ob es tatsächlich soweit kommt, ist längst nicht ausgemacht. Schon der berühmte Ökonom John Maynard Keynes lag mit seinen Prognosen zur Arbeitswelt und technologischem Fortschritt ziemlich daneben.

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