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Veröffentlicht: 03.12.2012, 12:09 Uhr

Angst vor der Jugendarbeitslosigkeit Die Träume und Sorgen von Schülern und Studenten

Der Wunsch nach einem sicheren Arbeitsplatz und die Angst vor Hartz IV beschäftigen die jungen Leute. Fünf Schüler und Studenten berichten von den Sorgen, die sie bewegen, und ihren Träumen.

© privat Kathrin Grabysch

Kathrin Gabrysch (20) „Ich fühle mich abgehängt“

Nach dem Abi war ich orientierungslos. Ich habe mich gefragt: Studium oder Ausbildung? In welchen Bereich will ich? Was liegt mir eigentlich? Ich habe mich dann für BWL an der Uni beworben, aber mit meinem schlechten Notenschnitt von 3,5 hatte ich keine Chance. Weil ich nichts gefunden habe, musste ich mich beim Jobcenter melden, jetzt beziehe ich vorerst Arbeitslosengeld II. Zuletzt habe ich mich bei der Stadt als Veranstaltungskauffrau beworben, nach dem Eignungstest kam die schriftliche Absage. Da habe ich schon Respekt bekommen, auch wegen der Krise: Wenn man schon als Abiturientin keinen Ausbildungsplatz bekommt, wie soll es dann insgesamt weitergehen? Besser wird die wirtschaftliche Lage bestimmt nicht.

Ich habe eine Freundin, die hat einen guten Realschulabschluss, aber sie sucht auch schon länger. Ich bekomme bei sehr vielen Bekannten mit, wie schwer es derzeit ist. Ich selbst habe über das Jobcenter einen Platz in einem theaterpädagogischen Projekt bekommen, in dem ich mit anderen jungen Arbeitslosen eine eigene Theaterinszenierung umsetze und auch mit einer Bewerbungstrainerin zusammenarbeite. Das hilft mir, zu erkennen, was ich kann und was nicht. Ich will am liebsten mit Menschen arbeiten. Am Ende des Projektes werde ich ein Praktikum machen und dann wahrscheinlich ein Studium der Sozialpädagogik oder eine Ausbildung in dem Bereich beginnen. Im Moment bin ich noch relativ gelassen, aber wenn es im nächsten Sommer auch nicht mit einem Ausbildungs- oder Studienplatz klappt, bekomme ich bestimmt Panik. Ich weiß, dass es schwierig wird, weil im Sommer ein Doppeljahrgang die Gymnasien verlässt. Wenn ich mit ehemaligen Mitschülern spreche, die einen besseren Abschluss haben und einen Platz gefunden haben, fühle ich mich schon ein wenig abgehängt. Aber entmutigen lassen will ich mich nicht, ich war immer zielstrebig im Leben und werde es schon schaffen.

Johanna Schlotterbeck (18) „Ein festerJob ist ganz wichtig“

Wenn man beobachtet, wie viel Geld die Europäische Zentralbank in Umlauf bringt, dann mache ich mir schon Sorgen. Für uns Junge sind ja vor allem die Langzeitfolgen der Krise relevant - und das viele Geld kann ja auch in einigen Jahren noch für Inflation sorgen. Wenn es den Euro vielleicht irgendwann nicht mehr gibt und die Wirtschaft instabil wird, dann würde uns das besonders treffen. Großes Mitleid habe ich mit den jungen Arbeitslosen in Südeuropa, sie können ja nichts für die Entwicklung, und auf sie wird jetzt alles abgewälzt. Ich bin, was die Krise angeht, ganz gut auf dem Laufenden, weil einer meiner Leistungskurse in der Schule Sozialwissenschaft ist. Da haben wir die Rolle der EZB durchgenommen, die Rettungspakete sind auch oft Thema. In den Medien kommt es ja so rüber, dass Deutschland momentan stabil ist, aber wer weiß, ob das so bleibt. Die wahren Folgen zeigen sich ja immer erst viel später.

Nach dem Abi will ich BWL studieren, da ist man, was potentielle Arbeitgeber angeht, besonders von der wirtschaftlichen Lage abhängig, darum hoffe ich, dass es nicht so schlimm kommt. Um später einen Job zu bekommen, ist es mittlerweile echt notwendig, sich von anderen Bewerbern abzuheben, darum plane ich Praktika und Auslandsaufenthalte. Wegen der Unsicherheiten würde ich sagen, dass ich neutral bis pessimistisch in meine Zukunft blicke. Ganz wichtig ist mir, dass ich eine feste Stelle und ein geregeltes Einkommen haben werde und das mit dem Familienleben verbinden kann.

Marvin Fuchs (18) „Man landet schnell in Hartz IV“

Die Krise ist bei uns zu Hause in Duderstadt oft ein Thema. Mein Vater arbeitet in der Metallbranche, und als in seinem Betrieb Kurzarbeit eingeführt wurde, da haben wir uns alle Sorgen gemacht. Zum Glück war er persönlich am Ende nicht betroffen, aber wir haben uns ausgemalt, was passieren würde, wenn er seinen Job verliert und wir umziehen müssten. Eigentlich schaue ich immer eher optimistisch in die Zukunft, aber ich weiß, dass man wegen der Krise sehr schnell seine Arbeit verlieren kann - auch dann, wenn man immer seine Leistung bringt. Und wenn man nicht schnell etwas Gleichwertiges findet, landet man in Hartz IV. Das macht mir schon Angst. Außerdem macht mir Sorgen, dass es hohe Inflation geben könnte. Das, was meine Eltern für mich gespart haben, wäre dann weg.

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