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Aldi-Mitgründer Karl Albrecht gestorben

Der geheimnisumwitterte Mitgründer des Einzelhandels-Imperiums Aldi ist tot. Er starb im Alter von 94 Jahren in Essen. Er galt als einer der reichsten Deutschen.

© privat Vergrößern Karl Albrecht (1920-2014)

Selbst sein Lebensende wurde behandelt wie ein Staatsgeheimnis. Am Mittwochabend vergangener Woche war der Mitbegründer des größten deutschen Handelskonzerns Aldi gestorben, in den Räumen seiner großzügigen Villa im Essener Stadtteil Bredeney im Kreis seiner Familie, nach kurzem Leiden. Doch erfahren sollte es die Öffentlichkeit erst heute.

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Das Begräbnis sollte so werden, wie Karl Albrecht sein Leben geführt hatte: Ohne Pomp, ohne Aufsehen, ohne großes Publikum. Statt einer großen Zeremonie gab es eine kleine Feier, nur die engsten Freunde waren da, die führenden Manager der Konzerngruppe Aldi Süd und natürlich die Familie. An diesem Morgen, vor wenigen Stunden, wurde der erfolgreichste deutsche Unternehmer der Nachkriegszeit in aller Stille auf dem nahen städtischen Friedhof beerdigt, nur wenige Meter von seinem Bruder entfernt. Ungestört von Neugierigen, TV-Kameras, Paparazzi.

Kurz vor seinem Tod wollte Karl Albrecht erstmals mit einem Journalisten reden. Lesen Sie den Bericht hier.

Damit ist der letzte große Nachkriegspatriarch abgetreten, der eigentümlichste, der verschwiegenste, aber auch der größte unter Deutschlands Unternehmensgründern. Er hat mit seinem Bruder Theo Albrecht das größte Handelsimperium der Republik geschaffen, den Aldi-Konzern. Er hat die Einkaufsgewohnheiten von Millionen Bürgern geprägt, sie geradezu zur Knauserigkeit erzogen. Und er hat nebenbei ein sagenhaftes Familienvermögen angehäuft. Auf 18 Milliarden Euro wird allein der Teil geschätzt, den Karl Albrecht aufgebaut hat, ein Wert, der allerdings seit Jahrzehnten seinem uneingeschränkten Zugriff entzogen ist und in einer Stiftung gehalten wird. Es besteht zum ganz großen Teil aus den Eigentumsrechten an dem Aldi-Konzern - und nicht etwa aus Immobilien, anderweitig angelegtem oder gar flüssigem Kapital.

Karl Albrecht selbst lebte bis zuletzt zurückgezogen in seiner Villa, für die Verhältnisse von Leuten seines Standes eher bescheiden. Außer einer Golfanlage bei Donaueschingen leistete er sich keine der üblichen Milliardärsaccessoires: keine Ferienvillen, keinen Privatjet, keine Yachten und vor allem keine schlagzeilenträchtigen Eskapaden. Auf seinem Privatkonto sollen an seinem Lebensende nur ein paar hunderttausend Euro gelegen haben.

Bilder eines Patriarchen Regelmäßig besuchte Karl Albrecht Filialen mit seiner Frau, entspannen konnte er auf seiner Golfanlage in Donaueschingen. FAZ.NET zeigt Fotos aus seinem Leben. © Privat Bilderstrecke 

Bereits vor vier Jahren war Karl Albrechts Bruder Theo gestorben, der ebenfalls in kleinstem Kreis beerdigt wurde. Dabei hätte sich keiner der Brüder verstecken müssen: Ihr Leben war eine einzigartige Erfolgsgeschichte, die in der Welt ihresgleichen sucht. Nach dem Krieg hatten sie den elterlichen Laden im Essener Arbeiter-Stadtteil Schonnebeck übernommen und in den nachfolgenden Jahrzehnten Deutschlands größtes Einzelhandelsimperium aufgebaut.

Ihr Erfolgsrezept klang einfach, wurde allerdings von den Brüdern in penibelster Kleinarbeit ständig perfektioniert: Beschränktes Waren-Angebot, günstige Läden, hohe Umsatzgeschwindigkeit und eine angemessene Qualitäts-Ware, die sie stets zu Preisen verkauften, die ihre Konkurrenten für schlechtere Qualitäten verlangten. Heute ist Aldi ein globaler und immer noch wachsender Konzern mit rund 10.000 Filialen in Deutschland, Österreich, den Vereinigten Staaten, Australien und vielen weiteren Ländern. Geschätzter Umsatz: jenseits von 40 Milliarden Euro.

Während fast alle Deutschen die Marke Aldi kennen, drei Viertel der Haushalte mehr oder weniger regelmäßig dort einkaufen, machten die beiden Gründer aus ihrem Leben schon früh ein großes Geheimnis: Keine öffentlichen Auftritte, keine Reden, keine Fotos und schon gar keine Journalistenbegegnungen. Ehrungen lehnten sie grundsätzlich ab, selbst das Bundesverdienstkreuz nahm Karl Albrecht nicht entgegen.

Bei Karl Albrecht gab es dazu eine Begebenheit, die ihn sehr früh geprägt haben muss. Als er unmittelbar nach dem Kriegsende seine Frau kennenlernte, sich im ersten Friedenswinter verlobte und das Ereignis mit reichlich Speisen feierte, drängten sich die Nachbarn vor der Tür und riefen: „Wir haben Hunger.“ Danach gab es lange keine Partys mehr. Mit seiner Frau lebte Albrecht anschließend 67 Jahre zusammen, sie starb im vergangenen Jahr, nach langem Leiden. Er hatte sie jahrelang persönlich gepflegt.

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In die Schlagzeilen geriet die Familie 1971, als zwei Kidnapper Theo Albrecht entführten. 17 Tage dauerte das Martyrium. Frei kam er nur gegen die Zahlung von sieben Millionen Mark, die höchste Summe, die bis dahin in der Bundesrepublik bei Entführungen gezahlt wurde. Das Ereignis traumatisierte die gesamte Familie und besonders Theos Bruder Karl, der die Hälfte des Lösegeldes zahlte. Beide lebten fortan noch zurückgezogener als ohnehin schon.

Bereits Anfang der sechziger Jahre hatten die Brüder den Konzern unter sich aufgeteilt: Theo übernahm die Märkte im Nordteil der Republik, Karl erhielt Aldi Süd. Beide bauten ihr Imperium emsig aus, doch in den vergangenen Jahrzehnten waren die Südmanager erfolgreicher. Ihr Umsatz stieg schneller, die Macht wuchs. Dennoch hielten die Brüder nicht nur in Krisensituationen zusammen, sondern das ganze Leben lang: ein Paar mit Unterschieden, das sich fast jede Woche nach dem sonntäglichen Kirchgang beim Mittagessen erneut zusammenfand.

Karl Albrecht hinterlässt einen Sohn und eine Tochter, die seit längerem über ihre Funktionen in der Stiftung die Geschicke des Aldi-Konzerns wesentlich mitbestimmen.

Quelle: FAZ.NET

 
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