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Ethik und Bildung : Digitalisierung als Naturereignis

  • -Aktualisiert am

Häufige Frage heute: Wie gelingt es den Menschen, die Oberhand über die künstliche Intelligenz zu behalten? Bild: ddp

Der Weg zur „diconomy“ ist unumkehrbar. Doch lässt sie sich auch mit sozialer Gerechtigkeit verbinden? Dazu ist die Vorbereitung der Gesellschaft notwendig. Ein Gastbeitrag.

          Auf der diesjährigen Cebit in Hannover war auf einem Bus zu lesen: „52 Prozent glauben nicht, dass Digitalisierung den Wettbewerb verändert. 48 Prozent verändern den Wettbewerb. Digitalisierung. Einfach. Machen.“ Der suggestiven Kraft dieser einfachen Rechnung kann man sich nur schwer entziehen. Nur durch die Entschlossenheit zum Handeln überwindet man bestehende Bedenken. Es kommt nicht darauf an, Vorteile und Nachteile, Chancen und Risiken abzuwägen. Sondern jetzt muss man der Digitalisierung wie einer Naturgewalt ihren Lauf lassen.

          Bei solchen Überlegungen erscheint die Digitalisierung nicht als ein Prozess, in dem technologische Innovationen gesellschaftlich gestaltet werden; sondern sie trägt eher den Charakter eines Naturereignisses, das man geschehen lassen muss. Man mag dabei das Bild eines Wasserfalls vor Augen haben: Die Geschwindigkeit des stürzenden Wassers soll verdeutlichen, wie schnell es nun vorangehen soll. Manchmal fühlt man sich bei solchen naturalistischen Vergleichen aber auch an ein Erdbeben erinnert. Die verbreitete Rede vom disruptiven Charakter der Digitalisierung weist in diese Richtung.

          Wettbewerbsfähigkeit ist kein rein wirtschaftlicher Wert

          Dafür, das Tempo zu erhöhen, sprechen starke Gründe der Wettbewerbsfähigkeit. Dieses Argument ist ethisch keineswegs neutral. Denn ein wichtiges ethisches Kriterium für wirtschaftliches Handeln liegt in der Zukunftsfähigkeit. Leitungsverantwortung in der Wirtschaft bewährt sich darin, dass Unternehmen erhalten und weiterentwickelt werden. Das ist ohne Wettbewerbsfähigkeit nicht möglich.

          Die verbreitete Auffassung, Wettbewerbsfähigkeit sei ein rein wirtschaftlicher Wert, der ethisch ohne Bedeutung sei, trifft nicht zu; denn zum verantwortlichen wirtschaftlichen Leitungshandeln gehört es, sich am Markt zu bewähren und damit auch den Anspruchsgruppen gerecht zu werden, mit denen es ein Unternehmen zu tun hat: den Mitarbeitern, den Kunden, den wirtschaftlichen Partnern, den Anteilseignern, dem jeweiligen gesellschaftlichen Umfeld. Wettbewerbsfähig wird in der globalisierten Wirtschaft nur sein, wer die mit der Digitalisierung verbundenen Wertschöpfungschancen rechtzeitig nutzt.

          Neben der Zukunftsfähigkeit ist Gerechtigkeit ein elementares wirtschaftsethisches Kriterium. Im Gedanken der Sozialen Marktwirtschaft hat es ebenso deutlich Eingang in unsere Wirtschaftsordnung gefunden wie das Kriterium eines fair gestalteten Wettbewerbs. Um der Gerechtigkeit willen muss die Weltwirtschaft einer Weltbevölkerung, die innerhalb der nächsten dreißig Jahre von sieben auf neun Milliarden wachsen wird, auskömmliche Lebensmöglichkeiten bieten. Die Nutzung technologischer Innovationen ist dafür unentbehrlich; denn keiner kann beschreiben, wie dieses Ziel ohne die Nutzung moderner Technologien erreicht werden soll.

          Je stärker das unumgängliche Wachstum durch Qualität und Nachhaltigkeit geprägt ist, desto besser. Dass digitale Techniken, neue Formen der Mobilität, Maßnahmen der Energieeinsparung und andere technologische Fortschritte dazu entscheidend beitragen können, ist unbezweifelbar. Der Weg zur „diconomy“ (digital economy), der auf der Cebit ausgerufen wurde, ist insofern unumkehrbar.

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