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Mehrere hundert Flüge augefallen Flughafen-Streik entfacht politische Debatte

16.02.2012 ·  Ein Streik von 200 Flugfeldkontrolleuren behindert den Flugverkehr am Drehkreuz Frankfurt. Vor allem Inlandsflüge werden gestrichen. Der Flughafen fühlt sich erpresst von der Spartengewerkschaft. In Berlin wird wieder über deren Macht debattiert.

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Der Streik der Flugfeldkontrolleure auf dem Frankfurter Flughafen droht sich zu verschärfen. Auch am Freitag ist mit einer ganztägigen Protestaktion der rund 200 Beschäftigten auf dem Vorfeld und in der Verkehrszentrale des größten Flughafen-Drehkreuzes in Deutschland zu rechnen, nachdem schon am Donnerstag ein siebenstündiger Warnstreik zum Ausfall von mehreren hundert Flügen führte.

Zwischen dem Flughafenbetreiber und der zuständigen Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) verschärfte sich vor dem Streikauftakt der Ton. Fraport geißelte das Verhalten der GdF, die ihre Rolle als Vertreterin einer kleinen, aber für den Betriebsablauf wichtigen Beschäftigtengruppe ausnutze, als egoistisch und unverantwortlich. Man fühle sich erpresst. Die Spitze der GdF hielt mit dem Druckmittel weiterer Arbeitskämpfe dagegen: „Falls es kein Einsehen gibt, werden wir am Freitag zwischen 8 Uhr und 22 Uhr die Arbeit niederlegen.“

Von den Folgen des Warnstreiks am Donnerstag waren in Frankfurt 1082 Starts und Landungen in der Zeit zwischen 15 Uhr und 22 Uhr betroffen. Dabei musste die Deutsche Lufthansa, die das größte Drehkreuz im Land als Heimatbasis nutzt, 100 Flüge annullieren. Da die wichtigen Interkontinental-Flüge davon kaum betroffen sind, entfällt das Gros der Streichungen auf Inlandsflüge. Die Deutsche Bahn rechnet wegen der Flugausfälle mit mehr Fahrgästen und erhöhte Personal und Kapazitäten. Der Kooperationspartner von Lufthansa und Air Berlin tauscht zudem Tickets für stornierte Inlandsflüge in Fahrgutscheine ein. „Wir haben zwei Drittel unserer Verbindungen während des Warnstreiks aufrecht erhalten“, sagte ein Lufthansa-Sprecher, „es ist unwahrscheinlich, dass uns das auch am Freitag gelingt“.

Lufthansa: „Unerträgliche Erpressung“

Harsche Kritik am Gebahren der GdF war aus der Chefetage der Lufthansa zu hören: „Es ist absurd und untragbar, dass in jedwedem Unternehmen jedwede Gruppe für jedwede Forderung jedweden Schaden anrichten kann“, sagte Personalvorstand Stefan Lauer dieser Zeitung. „Was wir hier erleben, ist nicht das Ausleben, sondern das Aushebeln der anerkannten tarifpolitischen Grundsätze.“ Nach Ansicht des Managers bewegt sich mit diesem Konflikt „etwas unübersehbar in Richtung einer unerträglichen Erpressung“, durch überzogene Einzelinteressen zu Lasten der Interessen der Mehrheit von Mitarbeitern in einem großen Unternehmen.

Der Konflikt entzündete sich nach den gescheiterten Tarifverhandlungen zwischen Fraport und den 200 Beschäftigten, die als Verkehrsdisponenten, Flugfeld-Lotsen oder Fahrer der „Follow-me“-Fahrzeuge eingesetzt werden. Diese Gruppe wurde über Jahre von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi vertreten und wechselte unter die Obhut der GdF, um ihre Forderung besser durchzusetzen.

Arbeitgeberpräsident Hundt: Brauchen gesetzliche Regelung

In Berlin hat der Streik in Frankfurt die Debatte, wie mit kleinen Spartengewerkschaften umgegangen werden soll, neu entfacht. Der Streik schade der gesamten Volkswirtschaft, sei unverhältnismäßig und unverantwortlich, sagte Dieter Schweer vom Bundesverband der Deutschen Industrie. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte: „Dieser Streik ist ein deutlicher Beweis, dass wir eine gesetzliche Regelung brauchen.“ Wieder einmal bestreike eine kleine Gewerkschaft ein Unternehmen, obwohl es in dem Betrieb einen gültigen Tarifvertrag mit einer Mehrheitsgewerkschaft gebe. Er bedaure, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sich bisher nicht zu einer gesetzlichen Regelung habe durchringen können.

Dabei hatte die Kanzlerin den Arbeitgebern Ende November 2010 eine solche Regelung versprochen. Die Politik aber tat sich wegen verfassungsrechtlicher Bedenken schwer mit einem Gesetz. Auch der Streik der Lokführergewerkschaft GDL bei den Regionalbahnen oder die angedrohten Arbeitskämpfe der Fluglotsen im vergangenen Jahr führten nicht dazu, dass dieses Vorhaben wiederbelebt wurde. Als Tarifpartner anerkannte Sparten-gewerkschaften sind neben GDL und GdF die Pilotenvereinigung Cockpit, die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo sowie die Ärztegewerkschaft Marburger Bund.

Kritik an „extrem hohen Forderungen“

Das Jahresgehalt eines Mitarbeiters der Vorfeldkontrolle erreicht gegenwärtig 53.000 Euro. Die Branchen-Gewerkschaft GdF fordert 79.600 Euro im Jahr, was einem Aufschlag von 50 Prozent entspricht. Gleichzeitig sollen sich die Zulagen für Sondereinsätze um 10 Prozent erhöhen und die durchschnittliche Wochenarbeitszeit um 13 Prozent verringern (siehe Grafik). Die GdF begründet ihren Katalog mit dem gestiegenen Arbeitsaufwand durch die neue Landebahn am Frankfurter Flughafen und verweist auf die bereits angepassten Arbeitsbedingungen auf dem Flughafen München, der von der Lufthansa als zweite Heimatbasis genutzt wird.

Quelle: ufe./rike./enn./F.A.Z.
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