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Perspektiven in Senegal : Ausbildung statt Flucht

  • -Aktualisiert am

Viele junge Menschen, wenige Perspektiven: In Senegal einen geordneten Karriereweg zu planen ist schwierig. Bild: JANE HAHN/The New York Times/ laif

Viele junge Senegalesen denken an Auswanderung, vor allem nach Europa. Ein deutsches Projekt in Dakar berät Arbeitssuchende – und versucht, Perspektiven im eigenen Land aufzuzeigen.

          Für ihren Besuch in Dakar hat sich Ndeye Yacine Niang schick gemacht. In wenigen Wochen wird die 24-Jährige nach Frankreich fliegen, um in Montpellier Internationalen Handel zu studieren. Heute möchte sie ein paar letzte Dinge besprechen. In einem bunt bedruckten Kleid aus bestem Stoff sitzt sie im Warteraum des deutschen Migrationsberatungszentrums. „Die Betreuung hier war wirklich großartig“, sagt die Studentin.

          Im vergangenen Jahr bemühte sie sich noch ohne Hilfe um einen Studienplatz in Frankreich – vergeblich. Dann kümmerten sich die Mitarbeiter des Zentrums fünf Monate lang um ihre Bewerbung und gaben ihr den entscheidenden Tipp: Obwohl sie im Master studiert, solle sie sich für einen Studienplatz im Bachelor bewerben. Frankreich sehe senegalesische Abschlüsse nicht als gleichwertig an. Dass sie durch den Wechsel ein oder zwei Jahre verliert, nimmt Niang gerne in Kauf: „Wenn ich aus Frankreich zurückkomme, finde ich mit Sicherheit einen Job. Mit einem senegalesischen Abschluss hätte auf mich nur die Arbeitslosigkeit gewartet,“ sagt sie.

          Mehr legale Wege nach Europa – Migrationsexperten fordern das schon lange. „Wenn junge Menschen zur Ausbildung nach Europa kommen, hier einige Jahre arbeiten und dann mit dem erworbenen Wissen in ihre Heimat zurückkehren, wäre das eine Win-Win-Win-Situation“, sagt Benjamin Schraven vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik in Bonn. Von der irregulären Verzweiflungsmigration profitiere dagegen niemand.

          Rückkehrer auf heimische Perspektiven aufmerksam machen

          Im Migrationsberatungszentrum, das die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) seit Mitte Januar in Dakar betreibt, ist Ndeye Yacine Niang bisher allerdings die Ausnahme. Drei Studenten und zwei Au-pairs warteten derzeit auf ihre Visa von der deutschen Botschaft, sagt Abdourakhmane Wane, der Leiter des Zentrums. Hinzu kämen noch vier bis fünf Studenten, die bald nach Frankreich reisen werden. Beruflich habe das Zentrum noch niemanden nach Deutschland vermittelt. „Viele Pläne sind leider unrealistisch“, sagt eine Mitarbeiterin, die potentielle Migranten betreut. „In solchen Fällen bieten wir den Besuchern eine Alternative im Inland an.“

          „Perspektive Heimat“ heißt auch das im März 2017 gestartete Programm, mit dem das Entwicklungsministerium neun Migrationsberatungszentren in Afrika, auf dem Balkan, im Irak sowie eine Rückkehrberatung in Deutschland finanziert. Die Beratung zur legalen Migration ist eher ein Nebenaspekt. Vor allem sollen die Mitarbeiter der Zentren zurückgekehrten Flüchtlingen bei der Reintegration helfen und weitere irreguläre Migration nach Europa verhindern, indem sie Besucher auf Perspektiven in den Heimatländern hinweisen. 150 Millionen Euro stehen dafür bis zum Jahr 2020 bereit. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) würde das Programm gerne ausbauen und 500 Millionen Euro jährlich investieren. „Das ist viel preiswerter, als die Menschen in Deutschland zu versorgen“, sagte er im April.

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