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Schnee legt Fraport lahm : Wenn Chaos im Flugverkehr programmiert ist

Die Mitarbeiter des Frankfurter Flughafens kämpfen gegen Eis und Schnee. Bild: HALISCH/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Witterungsbedingte Aussetzer bringen das größte Flughafen-Drehkreuz im Lande an die Leistungsgrenze. Die Fluggesellschaften reagieren verärgert und fordern Verbesserungen.

          Selbst wenn die Sonne scheint, wird es für Passagiere und Fluggesellschaften schon mal eng auf dem Frankfurter Flughafen. Sind allerdings Schnee oder Eis angesagt, fehlt meist nicht viel, bis sich Chaos in den Terminals oder die ersten Staus vor den Rollbahnen abzeichnen.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Allein an den vergangenen drei Wochenenden hat die winterliche Witterung zu etlichen Flugausfällen in Frankfurt geführt. Am Montag annullierten diverse Fluggesellschaften 170 von etwa 1200 in Frankfurt geplanten Flügen aus reiner Vorsorge, weil sich am Vortag schlechtes Wetter ankündigt hatte und Betreiber Fraport gezwungen war, den Betrieb seiner Rollbahnen aus Sicherheitsgründen einzuschränken.

          Frust bei den Betroffenen

          Zahlreiche ankommende Flüge aus dem In- und Ausland wurden am Montag in Frankfurt zudem umgeleitet, weil das Personal am Boden mit zeitraubenden Räumarbeiten auf Parkflächen und Bahnen beschäftigt war. Betroffen waren neben den stark frequentierten Strecken nach Berlin, Hamburg und München auch die nach Wien, London, oder Warschau. Schon am Wochenende zuvor gab es in Frankfurt ähnliche Engpässe: 400 Verbindungen mussten gestrichen werden, obwohl es nur zu leichtem Schneefall kam und die Temperaturen noch nicht den Gefrierpunkt erreichten.

          Der Frust bei den Betroffenen war entsprechend groß: Fluggäste, die bei Zwischenstopps Anschlussflüge verpassten und dann im Terminal campieren mussten, reagierten wütend. Auch die Manager von Deutsche Lufthansa, Air France-KLM oder British Airways ließen ihrem spontanen Ärger über die verzögerte Abfertigung und die damit verbundenen Geschäftsausfälle freien Lauf. Deren Vorwürfe, die Wirren des Wetters nicht in den Griff zu bekommen, richten sich überwiegend an den Betreiber Fraport.

          Doch der fühlt sich völlig zu Unrecht attackiert. Nach eigener Aussage seien die Gründe für die jüngsten Flugausfälle nicht auf Missmanagement im Tagesgeschäft, sondern vielmehr auf die hohe Auslastung der Infrastruktur zurückzuführen, zu der in jüngster Zeit das starke Wachstum an Touristen und Geschäftsreisenden führte.

          An der Belastungsgrenze

          „Wir arbeiten zur Zeit mit bis zu 104 Flügen je Stunde. Damit schöpfen wir zeitweise unsere aktuellen Kapazitäten voll aus“, sagte Daniel Kösters, einer der für Frankfurt zuständigen Verkehrsleiter von Fraport, dieser Zeitung. „Wenn wir etwa im Winter Pisten räumen oder Flugzeuge enteisen müssen, dann verringert sich entsprechend die Kapazität. Das alles kostet zusätzliche Zeit, die im normalen Flugplan nicht in dem Maße vorgesehen ist.“

          Durch den Schneefall müssen die Flugzeuge bei Start und Landung einen größeren Abstand zueinander einhalten.

          Die aktuelle Ausfallquote an Flugverbindungen in Frankfurt fällt im Vergleich mit dem Flughafen in München meist höher aus. Im Gegensatz zum größeren Nachbarn aus Hessen rangieren die Kapazitäten an der zweitgrößten Heimatbasis der Lufthansa nicht am Limit. Darüber hinaus bekommen die Betreiber zu spüren, dass in Frankfurt viele Umsteigepassagiere aus Asien oder Nordamerika landen. Die Folgen eines Stromausfalls auf dem amerikanischen Großflughafen in Atlanta/Georgia etwa hatten daher am Montag auch zu etlichen Stornierungen in Frankfurt geführt. Sofern in Frankfurt bei Schneefall oder Eisregen überhaupt noch ein Flugbetrieb möglich ist, muss die Zeitspanne zwischen Starts und Landungen aus Sicherheitsgründen ausgeweitet werden. Dadurch kann die Frequenz auf 30 bis 40 Flüge je Stunde sinken. Und entsprechend groß ist dann die „Warteschleife“ für die übrigen Passagierjets, die in Frankfurt starten oder landen wollen. Im Gegensatz zum Autofahrer, der seine Geschwindigkeit der Witterungslage laufend anpassen kann, verfügt ein Piloten eben nicht über solch eine feinfühlige Korrektur. Daher müssen die Rollbahnen eisfrei sein, um ein „Abschmieren“ des Jets zu verhindern. Doch angesichts der Ausmaße der vier Rollbahnen ist das in Frankfurt ein Kraftakt – vor allem bei Schneetreiben: „Da jede Bahn vier Kilometer lang und 60 Meter breit ist, blockieren die Räumfahrzeuge den Flugverkehr mit ihrem Dauereinsatz, weil nach jedem Räumen wieder alles zugeschneit ist“, sagt Verkehrsleiter Kösters von Fraport.

          Der Frankfurter Flughafen bietet eine ganze Armada aus Streufahrzeugen gegen Eis und Schnee auf.

          Armada aufgestockt

          Gemessen an der Personalstärke und der technischen Ausstattung der Bodendienste, die das Räumen der Bahnen oder das Enteisen der Flugzeuge übernehmen, müsse der viertgrößte Flughafen in Europa den direkten Vergleich mit seinen größeren Rivalen in London-Heathrow, Paris oder Amsterdam keineswegs scheuen, ist der Manager überzeugt.

          Fraport beschäftigt gegenwärtig 1200 Mitarbeiter für seinen Winterdienst, der jedes Jahr mit Gesamtkosten von 23 Millionen Euro zu Buche schlägt. Nach einigen Pannen in den Vorjahren und heftiger Kritik von Kundenseite wurde der Fuhrpark an Spezialfahrzeugen auf 377 Streufahrzeuge, Pistenbullys oder mobile Enteiser aufgestockt. Diese „Armada gegen das Eis“, ist auf den Parkplätzen im Vorfeld und auf den Bahnen im Einsatz.

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