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Riesige Schlaglöcher : Roms Bürgermeisterin wird vorgeführt

Roms Problem: Riesige Schlaglöcher; diese Aufnahme stammt von Mitte März. Bild: EPA

Italiens Hauptstadt leidet unter riesigen Schlaglöchern. Für die „Formel E“ werden sie in einem Viertel kurzerhand beseitigt. Doch für ganz Rom soll die Lösung nicht zum Einsatz kommen.

          Roms glücklose Bürgermeisterin Virginia Raggi wollte sich ein progressives Image verpassen, als sie erstmals ein Rennen von Elektroautos in der Stadt genehmigt hat und für die Rennserie „Formel E“ auch in den kommenden fünf Jahren das monumentale Viertel „EUR“ am Stadtrand zur Verfügung stellen will. „Wir sind enthusiastisch über den riesigen Erfolg des ersten ‚E-Prix‘ in Italien, mit dem Rom in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit in aller Welt gerückt ist“, kommentierte Raggi begeistert.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Doch genau dieses Ereignis droht nun zum Bumerang zu werden, weil damit innerhalb von einem Wochenende alle Schwächen von Rom und seiner Stadtregierung vorgeführt wurden.

          Für den Rennkurs im „EUR“, entworfen unter Benito Mussolini für eine Weltausstellung, die in den Dreißiger Jahren stattfinden sollte und dann abgesagt wurde, gelang nämlich innerhalb von zwei Wochen das, was Bürgermeisterin Raggi seit Monaten nicht schafft: Die Piste für die Elektroboliden, die der Formel Eins nachempfunden sind, wurde innerhalb von zwei Wochen so glattgebügelt, wie es in Rom sonst nirgends zu erleben ist. Sogar die gefährlichen Bodenwellen im Straßenbelag, die von Wurzeln der Pinienbäume erzeugt wurden, sind wie weggeblasen.

          So hat die Bürgermeisterin den Römern nun unwillentlich vorgeführt, was in ihrer Stadt alles nicht funktioniert. Einfach ist noch die Frage, warum Raggi sonst ihr Veto gegen Großveranstaltungen einlegt, etwa eine Bewerbung für die Olympischen Spiele. „Rom kann ohne jede Befürchtung Gastgeber sein“, sagt nun der Präsident des Olympischen Komitees, Giovanni Malagò, und er hat dabei viele Römer hinter sich. Denn schon Tage vor dem neuen und ungewöhnlichen Autorennen waren die 30.000 Tickets ausverkauft. Die lokalen Medien attestieren den Römern Hunger nach spannenden Veranstaltungen, von denen es immer weniger gibt.

          Wegen Totschlags vor Gericht

          Der Alltag sieht ohnehin dramatisch aus. Denn der seltene Schneeeinbruch im Februar hat die vielen tiefen Schlaglöcher noch größer werden lassen. Daher sind Geschichten über gebrochene Felgen und Radaufhängungen Tagesgespräch. Gerade wurde berichtet, dass drei Mitarbeiter der Straßenbauverwaltung wegen Totschlags vor Gericht kommen sollen, weil sie in der Nähe des nunmehrigen Rennkurses ein Schlagloch nicht beseitigten, dessentwegen ein Motorradfahrer bei einem Unfall den Tod fand.

          Bürgermeisterin Raggi hat nun beklagt, dass die wenigen Mittel für die Beseitigung von Schlaglöchern nicht ausgegeben werden können, weil kein leitender Beamter der Stadtverwaltung in den Ausschüssen für die Vergabe von Bauaufträgen arbeiten will – schließlich müssten sie bei Fehlern mit ihrem persönlichen Vermögen haften. Doch die Schlaglöcher sind nicht alles.

          Ein Drittel von Rom steht auf wackeligem Untergrund, der immer wieder wegen kaputter Wasserleitungen ausgespült wird. Daher bricht jede Woche irgendwo ein neuer, riesiger Krater auf, in dem ein ganzes Auto oder ein Lastwagen verschwinden kann. Auf der Ausfallstraße von Roms Stadtzentrum in Richtung des Stadtviertels „EUR“, mit acht Fahrbahnen, wurde aus Verzweiflung das Geschwindigkeitslimit auf 30 Stundenkilometer abgesenkt, weil die Stadt keine Haftung für weitere Unfälle übernehmen will. Und auch auf anderen Verkehrsarterien sorgen Baumwurzeln für Pisten mit Dutzenden von Höckern mit 20 oder 30 Zentimeter Höhe.

          Das öffentliche Nahverkehrsunternehmen Atac schlittert mit Schulden von 1,3 Milliarden Euro dem Konkurs entgegen, weil der Konkursrichter das von der Stadt vorgeschlagene Vergleichsverfahren nicht genehmigen will. Niemand will der Stadt neue Busse verkaufen, und vergangene Woche ist wieder einmal einer der alten Busse mitten auf der Straße abgebrannt. Zugleich nehmen die Mitarbeiter ihren Job eher locker, denn täglich erscheint ein Sechstel gar nicht zur Arbeit. Die Bürgermeisterin wird auch noch von vielen anderen Krisen geplagt, etwa, dass von Juli an niemand mehr römische Müllexporte akzeptieren will.

          Rom : Riesiges Erdloch verschlingt Autos

          „Nun, mit der Formel E sind in einem Viertel alle Probleme im Handumdrehen verschwunden“, sagt der von Schäden am Auto geplagte Taxifahrer Adriano von der Gesellschaft Samarcanda. Das Zaubermittel gegen den Verfall wird indessen nicht weiter diskutiert: Die Straßen des Rennparcours wurden mit privaten Mitteln repariert, vom Rennveranstalter, dem internationalen Automobilverband FIA.

          Doch Bürgermeisterin Raggi will an Stelle ihrer maroden Verwaltung keine private Initiative. Die kleine Partei der Radikalen hat genügend Stimmen gesammelt, um eine Volksabstimmung über die Privatisierung des öffentlichen Nahverkehrs verlangen zu können, doch die Bürgermeisterin und ihre „Fünf-Sterne“-Protestbewegung tun alles, um die Abstimmung unter den Römern zu verschleppen. Für den Nahverkehr stellen sie sich gegen jegliche Privatisierung wie auch für die Instandhaltung der Straßen.

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