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Arbeitskampf beendet : IG Metall und Arbeitgeber einigen sich auf Tarifabschluss

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Ihr Arbeitskampf hat sich gelohnt: Streikende BMW-Mitarbeiter Anfang Februar in Berlin. Bild: Reuters

Die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie haben ein Ergebnis: Auf mehr als vier Prozent höhere Löhne verständigten die Verhandler sich im Südwesten. Auch Regeln zur kürzeren Arbeitszeit werden nun wohl im ganzen Land übernommen.

          Ein sattes Gehaltsplus und Anspruch auf eine verkürzte Vollzeit: Nach den ganztägigen Warnstreiks der vergangenen Woche ist für die Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg ein Tarifabschluss erzielt worden. Die Gewerkschaft IG Metall und der Arbeitgeberverband Südwestmetall verkündeten in der Nacht zum Dienstag in Stuttgart die Einigung. Die 900.000 Beschäftigten im Pilotbezirk erhalten 4,3 Prozent mehr Geld und einen Anspruch auf verkürzte Vollzeit.

          Für die Monate Januar bis März bekommen die Beschäftigten eine Einmalzahlung von 100 Euro. 2019 erhalten sie zudem einen Festbetrag von 400 Euro sowie ein neues dauerhaftes tarifliches Zusatzgeld von 27,5 Prozent eines Monatseinkommens, wie beide Tarifpartner nach gut 13-stündigen Verhandlungen mitteilten.

          Beschäftigte, die sich um Kinder kümmern, Angehörige pflegen oder im Schichtdienst arbeiten, können wählen, ob sie das neue tarifliche Zusatzgeld lieber in freie Tage umwandeln und so von zusätzlicher Freizeit profitieren.

          Beschäftigte können Arbeitszeit verkürzen

          Außerdem haben ab 2019 alle Vollzeit-Beschäftigten mit mindestens zwei Jahren Betriebszugehörigkeit einen Anspruch auf eine verkürzte Vollzeit: Sie können ihre Arbeitszeit für mindestens sechs und maximal 24 Monate auf bis zu 28 Wochenstunden reduzieren und dies auch wiederholen. Mit ihrer Forderung nach befristeter Teilzeit bei gleichzeitigen Lohnzuschüssen für bestimmte Beschäftigte konnte sich die IG Metall nicht durchsetzen.

          Im Gegenzug sieht der neue Tarifvertrag Regelungen vor, der es Betrieben erlaubt, mit deutlich mehr Beschäftigten als heute 40-Stunden-Verträge abzuschließen, wie der Arbeitgeberverband Südwestmetall mitteilte.

          Mit dem neuen Anspruch auf eine befristete Teilzeit seien die Arbeitgeber auch auf die Bedürfnisse der Beschäftigten eingegangen, sagte der Südwestmetall-Vorsitzende und Verhandlungsführer Stefan Wolf. Dies helfe den Mitarbeitern, „berufliche und private Lasten gleichermaßen zu schultern“.

          Mit der Wahlmöglichkeit zwischen mehr Geld oder mehr Freizeit ab 2019 hätten die Arbeitgeber auch „die ursprüngliche Zuschussforderung der IG Metall, die wir aus rechtlichen Gründen gar nicht erfüllen konnten, vom Tisch bekommen“, sagte Wolf. Die Vier vor dem Komma schmerze, allerdings habe man eine lange Laufzeit von 27 Monaten vereinbart und somit für Planungssicherheit gesorgt. „Ich glaube, das neue Tarifsystem ist vernünftig ausbalanciert“, sagte Wolf.

          „Mehr Selbstbestimmung bei Arbeitszeit“

          „Wir haben um jedes Detail hart gerungen, in den für uns entscheidenden Fragen aber ein ordentliches Ergebnis erzielt und mehr Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit für die Beschäftigten durchgesetzt“, sagte der Verhandlungsführer und IG Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger. Zudem sei es gelungen, „gegen den Widerstand der Arbeitgeber Verbesserungen für Beschäftigte mit Kindern, zu pflegenden Angehörigen und in restriktiven Arbeitszeitmodellen wie Schichtarbeit zu erreichen“.

          Der Tarifvertrag läuft bis zum 31. März 2020. Die Einigung in Baden-Württemberg gilt als Pilotabschluss für die deutschlandweit rund 3,9 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie. In der Regel übernehmen die übrigen sechs Tarifbezirke den Abschluss des Pilotbezirks.

          Der Erste Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, nannte den Tarifabschluss einen „Meilenstein auf dem Weg zu einer modernen, selbstbestimmten Arbeitswelt“. Zentrale Ziele der IG Metall seien ein fairer Anteil der Beschäftigten am wirtschaftlichen Erfolg der Branche, mehr Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf für alle und Entlastung bei Schichtarbeit gewesen. „Diese Ziele haben wir erreicht“, erklärte Hofmann.

          Die vergangene Woche war von 24-Stunden-Streiks in der Branche geprägt gewesen, die Arbeitgeber gingen mit Klagen gegen die ganztägigen Arbeitsniederlegungen vor. Um eine weitere Eskalation zu vermeiden, etwa Urabstimmungen über flächendeckende Streiks, zeichnete sich dann eine neue Tarifrunde ab.

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