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Bankenaufsicht : Deutsche EZB-Direktorin warnt vor Deregulierung

  • Aktualisiert am

Sabine Lautenschläger-Peiter war Vizepräsidentin der Bundesbank, bevor sie 2014 zur EZB ging. Bild: Picture-Alliance

Strenge Aufsicht, starke Banken: So sollte es eigentlich sein, sagt Sabine Lautenschläger. Doch die Tendenz in Europa sehe anders aus. Auch in Sachen Zinswende rät sie zu Bedacht.

          EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger hat vor einer Lockerung der Bankenaufsicht und einer abrupten Kurswende in der Geldpolitik gewarnt. „Was mir tatsächlich Sorgen macht, ist eine drohende Deregulierung. Nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in Europa“, sagte sie in einem vorab veröffentlichten Interview der „Welt am Sonntag“. „Wir müssen aufpassen, dass das Pendel nicht wieder zurückschwingt“. Was aktuelle Vorschläge in Europa angehe, sehe sie die Tendenz, dass man gegenüber einer starken Aufsicht nicht mehr so positiv eingestellt sei. Dabei sei es gerade eine strenge Aufsicht, die für starke Banken sorge.

          Lautenschläger ist auch Vize-Chefin der europäischen Bankenaufsicht. Sorgen bereiten ihr in Europa vor allem Vorschläge zu den Eigenkapitalrichtlinien. Der amerikanische Deregulierungstrend ist nach ihrer Einschätzung noch nicht sehr tiefgehend. „Bisher haben die Amerikaner im Großen und Ganzen nur das zurückgenommen, was über die internationalen Standards hinausging“. Es sei aber wichtig, dass die großen, international verknüpften Institute dieselben Standards erfüllen, vor allem im Handelsgeschäft. „Deswegen brauchen wir eine Umsetzung der neuen Baseler Regeln in allen wichtigen Finanzzentren“. Lautenschläger beklagte, dass die Europäer beim Angehen von Strukturproblemen im Bankenbereich „sehr viel langsamer“ als die Amerikaner waren.

          Nicht jede Bank muss überleben

          Die neuen Regeln in Europa zum Abbau fauler Kredite in den Bankenbilanzen seien entgegen mancher Kritik nicht „handzahm“. „Wir haben einen Maßstab für alle Kredite gefunden, die nun notleidend werden“. Das verabschiedete Konzept sei gut. Lautenschläger formulierte: „Wir sind nicht dazu da, um das Überleben jeder Bank sicherzustellen. Wir sind dazu da, frühzeitig auf Risiken zu reagieren“. Konsolidierung sei in erster Linie Sache des Marktes. Die Bankenaufseherin machte aber auch klar: „Ich würde mir mehr Champions im Euro-Raum wünschen“.

          Was die aktuelle Geldpolitik der EZB angeht, erklärte Lautenschläger: „Ich bin sehr dafür, die Geldpolitik zu normalisieren. Das bedeutet auch, dass wir die Zinsen graduell wieder anheben sollten“. Ein erster Schritt sei mit dem Ende des Anleihenkaufprogrammes schon gegangen worden. „Es wäre aber falsch, nach einer sehr expansiven Geldpolitik nun abrupt die andere Richtung einzuschlagen“, unterstrich sie. Das würde weder der Wirtschaft helfen noch der Preisstabilität und letztlich auch nicht den Sparern. Die Kunst sei, einen konsequenten Ausstieg zu finden, der das Wachstum aber nicht unterbricht.

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