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Investition in Infrastruktur : Das sind die großen Baustellen der Bahn

Zugreisende müssen sich auf längere Fahrtzeiten einstellen, denn die Deutsche Bahn investiert kräftig in die Infrastruktur. Bild: dpa

Damit die Schienen den Verkehr auch künftig aushalten, investiert die Deutsche Bahn in diesem Jahr fast zehn Milliarden Euro. Für die Kunden ist das vorerst eine Last.

          Die Deutsche Bahn modernisiert ihr Schienennetz: Für die Fahrgäste ist das eine gute und schlechte Nachricht zugleich. So nutzt die Bahn die Milliardenmittel des Bundes für Instandhaltung und Neubau, damit angesichts einer wachsenden Nachfrage auch in Zukunft alle Züge fahren können. Doch zumindest vorübergehend bringen die Baustellen den Kunden spürbare Nachteile. Auf vielen Verbindungen verlängern sich in den nächsten Monaten die Reisezeiten – teilweise um bis zu 30 Minuten wie auf der wichtigen Strecke Hamburg–Hannover. Für Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla sind die Investitionspläne ohne Alternative: „Unsere Infrastruktur ist an vielen Stellen in die Jahre gekommen. Wenn wir sie nicht sanieren, kriegen wir über kurz oder lang noch mehr Probleme – bis hin zu unerwarteten Totalsperrungen“, sagte er am Mittwoch in Berlin. Die längeren Fahrzeiten werden in den Fahrplan eingestellt, sie gelten also nicht als „Verspätungen“.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Die Deutsche Bahn investiert in diesem Jahr so viel wie noch nie zuvor. „Mit der Rekordsumme von 9,3 Milliarden Euro sorgen wir für stabileren Verkehr, bessere Qualität und mehr Verlässlichkeit im Schienennetz“, sagte Pofalla. Das seien 800 Millionen Euro mehr als im vergangenen Jahr. Von der gesamten Summe sollen 5,5 Milliarden Euro in die Erneuerung und Instandhaltung von Gleisen, Brücken und Weichen fließen. Für rund 40 Neubau- und Ausbauprojekte sind 2,6 Milliarden Euro eingeplant. Außerdem werden für 1,2 Milliarden Euro mehr als 700 Bahnhöfe modernisiert.

          Belastung durch Baustellen soll sinken

          Trotz des wachsenden Bauvolumens will die Bahn die Belastungen für die Kunden so gering wie möglich halten. Unter Pofallas Führung stellt der Konzern deshalb gerade sein Baustellenmanagement um. Die Projekte werden künftig zentral statt regional gesteuert, um Reibungsverluste zu verringern und die Auswirkungen auf das gesamte Netz einzubeziehen. Nach einer Bahn-Rechnung sorgen die Baustellen zurzeit dafür, dass 6 bis 7 Prozent des Fahrwegs nicht genutzt werden können.

          Mittelfristig soll dieser Anteil auf 4 Prozent sinken, um angesichts einer steigenden Nachfrage nach Verkehr auf der Schiene möglichst viel Kapazität anbieten zu können. „Für die Vielzahl an Baustellen – in Spitzenzeiten bis zu 800 am Tag – sind die Bündelung in über 100 Korridoren und ein professionelles Baumanagement unverzichtbar“, sagte Pofalla. Das Mitte 2017 geschaffene „Lagezentrum Bau“ mit 100 Mitarbeitern trägt nach seinen Worten erste Früchte. „Damit haben wir es geschafft, die Auswirkungen auf die Kunden deutlich zu verringern. So konnten wir 2017 die durch Baustellen verursachten Verspätungen gegenüber 2016 um 10 Prozent reduzieren“, erläutert Pofalla. Die absolute Zahl der durch Baustellen verursachten Verspätungsminuten nennt er nicht.

          Die Pünktlichkeit bleibt bei der Bahn ein sensibles Thema. Im vergangenen Jahr verfehlte die Bahn deutlich ihr Ziel, dass 82 Prozent der Fernzüge pünktlich ankommen. Die Quote lag am Ende bei 78,6 Prozent. Auch in diesem Jahr hat sich die Bahn wieder 82 Prozent vorgenommen – kein leichtes Unterfangen, zumal die Bautätigkeit abermals zunimmt. 2019 will die Bahn sogar noch mehr Geld dafür ausgeben. Pofalla betonte, die Investitionsoffensive der letzten Jahre zeige Wirkung. Seit 2015 sei die Zahl der „Infrastrukturmängel“ – also etwa Störungen an Weichen oder in der Leit- und Sicherungstechnik – um fast die Hälfte zurückgegangen. Auch der Zustand der Brücken habe sich kontinuierlich verbessert. Er kündigte an: „Damit wir noch besser bauen können, stellen wir dieses Jahr 2000 Mitarbeiter in Bauberufen ein.“ Derzeit bauen für die Bahn rund 17.700 Mitarbeiter. Pofalla verhehlt nicht, dass „besseres Bauen“ mehr Geld kostet – nicht nur, weil mehr Personal und mehr Maschinen gebraucht werden, sondern auch weil vielerorts nun nachts und an Wochenenden gebaut wird.

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