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China und Indien : Eine lange Liste von Problemen

Die Kräfteverhältnisse zwischen Indien und China sind eindeutig: Indiens Ministerpräsident Narendra Modi (links) und Chinas Präsident Xi Jinping auf dem Brics-Gipfel im September 2017 in Xiamen. Bild: EPA

Die chinesisch-indischen Beziehungen durchleben schwierige Zeiten. Im Himalaja stehen sich gar Soldaten gegenüber. Nun kommen die beiden Staatschefs in China zusammen. Das Kräfteverhältnis ist eindeutig.

          Während die Welt an diesem Freitag nach Korea schaut, und in Singapur der Gipfel der zehn südostasiatischen Staaten (Asean) zusammentritt, kommt es ab Morgen zu einem zweiten Gipfel, der Hoffnung macht: Der chinesische Präsident Xi Jinping trifft den indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi zwei Tage „informell“. Die Agenda für den Gipfel im chinesischen Wuhan ist lang: Sie reicht von den fortwährenden kriegerischen Auseinandersetzungen im Himalaja über Chinas Auftreten in Pakistan und den in Indien gefürchteten Terror von dort, bis zu Chinas neuer Seidenstraße, die Indien umschließt. Die vergangenen Monate galten als einige der schwierigsten in den gegenseitigen Beziehungen der größten und der drittgrößten Volkswirtschaft Asiens.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der Ort des Treffens bedeutet den Chinesen viel: In Wuhan nahe des Ressorts an einem See besaß schon Mao eine Ferienvilla. Beiden Führer ist an Entspannung gelegen: Xi hat, trotz seines aggressiven Auftretens in den vergangenen Wochen, genug mit dem amerikanischen Zollstreit zu ringen. Modi steht vor Wahlen und weiß genau, dass Indien gegen die Umklammerung durch China relativ machtlos ist – was bleibt, ist die Suche nach dem Ausgleich mit dem großen Partner. Eine Konfrontation mit China würde der heimischen Opposition in die Hände spielen, die die außenpolitischen Schwächen der Regierung mehr und mehr als Angriffsfläche nutzt. So wird Indien wohl auch dem Gipfel der Vereinigung der Südasiatischen Staaten fernbleiben, die in diesem Jahr in Pakistan zusammenkommen wird.

          Unter dem Strich ist Modi in Wuhan in der deutlich schwächeren Position. Xi weiß dies. Und wird es nutzen.

          Sein größter Erfolg wäre es, die Inder für die Belt-and-Road-Initiative ins Boot zu holen. Das dürfte zwar noch dauern, doch wird sich Modi den Avancen wohl nicht mehr ganz verschließen. Die Inder haben schon einen ersten Kotau vor Peking gemacht: Die Feierlichkeiten für den in Peking gefürchteten Dalai Lama, der vor 60 Jahren von den Kommunisten ins Exil gejagt wurde, beging Delhi wesentlich kleiner als erwartet.

          Schöne Bilder, wenig Substanz

          Beide Politiker hatte sich schon am Rande des Gipfels der führenden Schwellenländer Brics im September in Xiamen abgesprochen. Dann folgte nach einer Pause von 20 Monaten die Wiederaufnahme des Dialogs zwischen dem indischen Nationalen Sicherheitsberater Ajit Doval und seinem Gegenüber vom Politbüro, Yang Jichei, in Delhi im Dezember.

          Auch diesmal dürfte es am Ende des Gipfels ein schönes Foto der beiden Staatsmänner in Eintracht geben – ein Durchbruch wird von niemandem erwartet. Angesichts der Schwierigkeiten mit Washington aber dürften sie schon zufrieden sein, wenn sie einen besseren Umgang zwischen ihren beiden Ländern im Tagesgeschäft erzielen.

          Modi ist bekannt für seine Gipfeldiplomatie, die fast immer mit langen Umarmungen beginnt. Allerdings sind die Ergebnisse oft weniger strahlend, als die Bilder: Nach seiner Wahl 2014 empfing er Xi als ersten großen Staatsmann in seiner Heimatstadt Ahmedabad. Unter anderem ging es um chinesische Investitionen, die Indien dringend benötigt. Dann aber zogen chinesische Soldaten über die umstrittene Grenzlinie zwischen beiden Ländern, und die Atmosphäre war dahin. Unter dem Strich hat sich das Verhältnis der beiden Nachbarländer in den drei Jahren seit der Wahl Modis spürbar verschlechtert.

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