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Baumsterben : Patient Wald

Ein Spaziergang durch den Forst fördert die Gesundheit des Menschen, dem Wald selbst geht es aber gerade gar nicht gut. Bild: dpa

Noch nie waren die Schäden im Wald so groß wie in diesem Jahr – auch die finanziellen Auswirkungen auf die Forstwirtschaft sind verheerend. Was sind die Gründe?

          Im Wald wohnt die deutsche Seele, heißt es. Die Schriftsteller der Romantik poetisierten emphatisch die Waldeinsamkeit, die Belebtheit von Buchen und Fichten und Mosen. Der Wald – ein Hort von Ruhe und Harmonie. Und auch in jüngster Zeit feiern Bücher über die Sehnsucht nach dem grünen Hain wie Peter Wohllebens „Das geheime Leben der Bäume“ große Publikumserfolge. Doch wie ist es um den Waldbestand in Deutschland tatsächlich bestellt? Nicht besonders gut, zumindest wenn man den aktuellen Zahlen des Bundes Deutscher Forstleute Glauben schenkt, die am Freitag veröffentlicht wurden.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Demnach waren die Schäden im Wald noch nie so groß wie in diesem Jahr. Der Klimaschützer Wald sei zunehmend selbst vom Klimawandel bedroht: Stürme, Dürre, Waldbrände und der Borkenkäfer hätten hier bislang fast 30 Millionen Festmeter Schadholz verursacht, teilte der Verband mit. Das seien mehr als 1,5 Millionen aneinander gereihte Holz-Lastwagen. 300 Millionen Jungpflanzen seien vertrocknet, 300.000 Hektar durch Borkenkäfer und weitere 300.000 Hektar durch die Dürre beschädigt. Der Verband forderte, 10.000 neue Stellen zu schaffen, um Schäden einzudämmen, den Wald in stabile Mischwälder umzubauen und deutsche Waldbesitzer adäquat zu betreuen.

          Auch die finanziellen Auswirkungen auf die Forstwirtschaft sind verheerend: Der Forstwirtschaftsrat rechnet mit Schäden von bis zu zwei Milliarden Euro an den Wäldern in Deutschland, wie Verbandspräsident Georg Schirmbeck kürzlich sagte. Nach Angaben des Verbandes haben allein die drei großen Stürme Xavier, Herwart und Friederike in diesem und im vergangenen Jahr Schäden von mehr als einer Milliarde Euro in den Wäldern verursacht.

          Durch die Trockenheit der vergangenen Monate seien zudem fast 30 Prozent der in den vergangenen drei Jahren gepflanzten Bäume abgestorben. Die Nachpflanzung koste die Waldbesitzenden über eine halbe Milliarde Euro. Die Schäden durch den Borkenkäfer bezifferte Schirmbeck auf 270 Millionen Euro. Viele Käfer überwintern, deshalb sei im kommenden Jahr damit zu rechnen, dass sie noch mehr der ohnehin geschwächten Bäume zum Absterben bringen.

          Der Klimawandel könnte der Fichte bald ein Ende machen

          Millionen von Bäumen sind dem Insekt schon zum Opfer gefallen; das setzt auch den Markt für Fichtenholz unter Druck. Der Fichtenholzpreis hat stark nachgegeben. 60 bis 100 Jahre alte Fichten würden derzeit oft für den Brennholzpreis verkauft, heißt es vom nordrhein-westfälischen Waldbauernverband, das Holz sei kaum noch etwas wert. Habe der Preis für Fichtenholz Anfang 2018 noch bei etwa 90 bis 95 Euro gelegen, sei der Wert vielfach auf nahezu die Hälfte gefallen. Beim Forstbetrieb Wald und Holz geht man von Einbußen von durchschnittlich etwa 30 Prozent aus.

          Der Borkenkäfer schädigt die Fichten.

          Die Bauwirtschaft, aber auch die Möbel-, Verpackungs- und Parkettindustrie setzt Fichtenholz gern als Baustoff ein, unter anderem wegen seiner gut zu verarbeitenden, langen und geraden Stämme. Vor allem der Bauboom in Deutschland lässt die Nachfrage momentan steigen. Ob die Verbraucher von den gesunkenen Preisen für Fichtenholz profitieren sei laut des Hauptverband der deutschen Holzindustrie noch nicht ausgemacht. Befallene Bäume müssten sofort geschlagen werden, um sie gut weiterverarbeiten zu können, nur dann büße das Holz nichts an seiner guten Qualität ein.

          Doch schon in einigen Jahren könnte Fichtenholz zur Mangelware werden. Fachleute sind sich bereits jetzt einig, dass sich die Wälder in Zukunft deutlich verändern werden. Die Fichte, die lange als sichere Ertragsquelle von Waldbesitzern geschätzt wurde, soll an den Klimawandel angepassten Baumarten wie japanische Sicheltannen, Mammutbäume oder Esskastanien weichen.

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