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Rekordhoch : Mehr Menschen entscheiden für gesetzliche Krankenkassen

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Ob gesetzlich oder privat versichert – eine Operation im Krankenhaus entscheidet nicht selten über Tod oder Leben. Bild: ZEISS

Noch nie waren so viele Menschen in Deutschland gesetzlich krankenversichert. Zudem ist das Geldpolster der gesetzlichen Kassen auf 24 Milliarden Euro gestiegen. Die Chefin des Spitzenverbandes ist trotzdem nicht ganz zufrieden.

          Die Zahl der gesetzlich Versicherten ist bis zum 1. Dezember 2017 auf das Rekordhoch von 72,7 Millionen gestiegen. Das sagte die Chefin des Krankenkassen-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, der „Rheinischen Post“. Damit seien so viele Menschen wie noch nie in der gesetzlichen Krankenversicherung. „2016 kamen zum fünften Mal in Folge mehr Menschen von einer privaten Krankenversicherung in eine gesetzliche Krankenkassen als umgekehrt“, sagte Pfeiffer. Während 129.100 die gesetzliche Krankenversicherung in Richtung eines privaten Versicherungsunternehmens verlassen hätten, seien 130.200 den umgekehrten Weg gegangen.

          Im Juli hatte Pfeiffer mitgeteilt, dass etwa 71 Millionen Menschen versichert seien. Von ihnen seien 55,5 Millionen zahlende Mitglieder, die übrigen beitragsfrei mitversicherte Angehörige. „Ich glaube, wir können in Deutschland sehr froh sein, dass wir ein System haben, das über 90 Prozent der Bevölkerung auf einem so hohen Niveau versorgt, und zwar ohne Ansehen der Person oder des Geldbeutels“, sagte Pfeiffer.

          „Hand in Hand für die Versorgung der Patienten“

          Pfeiffer forderte zudem die Politik dazu auf, die gute Finanzlage zu dringenden Strukturreformen zu nutzen. Als Beispiel nannte die GKV-Vorstandsvorsitzende das Nebeneinander von niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern. Sie sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Es ist die Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, dass Kliniken und niedergelassene Ärzte endlich Hand in Hand für die Versorgung der Patienten arbeiten, statt sich darum zu streiten, wer am meisten aus den Portemonnaies der Beitragszahler bekommt.“ Die Strukturen müssten sich nach den Patienten richten und nicht umgekehrt. „Strukturveränderungen sind anstrengend, aber notwendig. Ich finde, dies sind wir alle gemeinsam – Politik, Ärzte, Kliniken, Apotheken und Krankenkassen – den 72 Millionen gesetzlich versicherten Menschen schuldig“, unterstrich Pfeiffer.

          Das Geldpolster der gesetzlichen Krankenversicherung ist in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres auf 24 Milliarden Euro gestiegen. Zugleich bekräftigte Pfeiffer ihre Kritik daran, dass die gesetzlichen Krankenkassen viel zu wenig Geld vom Staat bekämen, um Hartz-IV-Empfänger medizinisch zu versorgen. „Arbeitslosengeld II ist eine staatliche Sozialleistung.“ Deshalb müsse der Staat ausreichend Geld dafür zur Verfügung stellen. Die Monatspauschale belaufe sich aber nur auf 97 Euro pro Person, während die Versorgungskosten deutlich höher lägen. Für ALG-II-Empfänger, die privat versichert sind, erhalten deren Versicherungsunternehmen bis zu 341 Euro pro Person. „Es kann doch nicht sein, dass die solidarische gesetzliche Krankenversicherung, die über 90 Prozent der Bevölkerung versorgt, vom Staat schlechter behandelt wird als private Versicherungen“, sagte Pfeiffer.

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