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Mehr Importe als Exporte Japan verzeichnet erstes Handelsdefizit seit Jahrzehnten

25.01.2012 ·  Die Folgen der Erdbebenkatastrophe und ein starker Yen haben der Exportnation Japan zum ersten Mal seit 31 Jahren ein Handelsdefizit beschert. Allerdings musste das Land 2011 auch mehr als eine Katastrophe verkraften.

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Japan hat im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit 1980 ein Handelsdefizit verbucht. Die Regierung in Tokio gab den Fehlbetrag am Mittwoch mit 2,49 Billionen Yen (etwa 25 Milliarden Euro) an. Der Wert der Importe nahm im Vergleich zu 2010 vor allem wegen der Einfuhr von Rohöl und Flüssiggas um 12 Prozent zu, teilte das Finanzministerium in Tokio mit. So stiegen die Ausgaben für Rohöl im Jahresvergleich um 21,3 Prozent, für Flüssiggas um 37,5 Prozent und für Erdölprodukte sogar um 39,5 Prozent. Als Folge der Katastrophe von Fukushima waren Ende 2011 von 54 japanischen Atomkraftwerken nur sechs am Netz.

Und dann kam Thailand

Die Exporte gingen im vergangenen Jahr um 2,7 Prozent zurück. Dafür waren vor allem rückläufige Ausfuhrzahlen der Autohersteller (minus 12,1 Prozent) und der Halbleiterindustrie (minus 14,2 Prozent) verantwortlich. Beide Branchen litten besonders unter den Folgen des Erdbebens und des Tsunamis vom 11. März, weil Fabriken beschädigt oder völlig zerstört wurden und Lieferketten wochenlang unterbrochen waren. Als sich die Betriebe gerade etwas erholt hatten, sorgte das Hochwasser in Thailand im Herbst für neue Probleme: Die Zulieferung von Einzelteilen und Fertigerzeugnissen geriet abermals ins Stocken.

Japan verbucht erstmals seit 1980 Handelsdefizit

Toyota litt besonders unter den Folgen der Erdbebenkatastrophe und verkaufte im vergangenen Jahr nur noch 7,95 Millionen Autos. Im Vergleich zu 2010 gingen die Verkaufszahlen, die die Marken Toyota, Lexus, Daihatsu sowie die Lastwagen-Tochter Hino einschließen, um 6 Prozent zurück. Toyota hatte die Liste der größten Autohersteller der Welt von 2008 bis 2010 angeführt. Im vergangenen Jahr wurden die Japaner vom US-Hersteller General Motors (9,03 Millionen verkaufte Autos), Volkswagen (8,16 Millionen) und dem französisch-japanischen Konkurrenten Renault-Nissan (8,03 Millionen Autos) überholt.

Probleme durch starken Yen

Verstärkt wurden die Probleme im vergangenen Jahr durch die historische Stärke der japanischen Landeswährung Yen, die die Ausfuhr von in Japan gefertigten Waren verteuerte. Investoren flüchteten angesichts der angespannten Lage an den internationalen Finanzmärkten zunehmend in den Yen.

Im zweiten Halbjahr 2011 gingen die Einnahmen der japanischen Firmen auch wegen der Schuldenkrise in der Euro-Zone und der rückläufigen Weltkonjunktur zurück. Im Handel mit der Europäischen Union verzeichnete Japan zwar noch einen Exportüberschuss. Aber auch dieser ging im Vergleich zu 2010 um 31,3 Prozent zurück.

„Es war das schlimmste Jahr für Japans Handel seit 1980“, sagte Satoshi Osanai vom Forschungsinstitut Daiwa. Damals litt Japan unter der zweiten Ölkrise, die durch die islamische Revolution im Iran und den ersten Golfkrieg ausgelöst wurde. Die Importe überstiegen die Exporte in jenem Jahr um 2,6 Billionen Yen. Dieser Rekord bleibt auch nach 2011 weiter bestehen.

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Von Heike Göbel

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