Es sind schon immer nur die ganz großen Bilder, die Kim Dotcom alias Schmitz wählt, wenn es um ihn selbst geht. So gibt es ein Foto des einstigen Internetunternehmers, auf dem er sich von unten vor den Petronas-Towers in Kuala Lumpur fotografieren lässt, um so groß zu erscheinen wie das mit 452 Meter sechsthöchste Gebäude der Welt. Der Drang nach einem Riesenmaßstab setzte sich fort mit dem Namen für die Datenspeicherplattform, die Dotcom seit dem Frühjahr viel Ärger eingebracht hat. Weil er auf „Megaupload“ zusammen mit sechs anderen urheberrechtlich geschützte Werke gewerbsmäßig raubkopiert haben soll, steht der deutschstämmige Dotcom nach wie vor in Neuseeland unter Hausarrest und wartet auf seine Auslieferung in die Vereinigten Staaten.
Seit Freitag nun sorgt Dotcom wieder mit Bildern und Worten für Aufsehen, die kleiner nicht sein könnten. Auf der Videoplattform Youtube wendet er sich mit dem Lied „Mr. President“ direkt an den amerikanischen Präsidenten Barack Obama und fordert ihn auf, das Internet vor Eingriffen zu schützen, die durch das multilaterale Acta-Abkommen oder das amerikanischen Stop-Online-Piracy-Gesetz (Sopa) drohen. Dotcoms Song bringt auf den ersten Blick alles einen für einen Hit mit: einen treibenden Beat, drei Akkorde, eine Länge von dreieinhalb Minuten und junge, gut aussehende Menschen, die Pizza essen oder sich am Strand vergnügen.
Doch dreht sich das Video vor allem um eine Person: Dotcom und seinen angeblichen Kampf für die Freiheit des Internets und für innovative Geschäftsideen. Dabei vergleicht er sich gleich bei seinem ersten Gesangseinsatz mit dem ermordeten amerikanischen Bürgerrechtler Martin Luther King. „Ich habe eine Traum, wie Dr. King“, trällert Docom, der auch nicht davor zurückschreckt große Teile des Liedes mit Aufnahmen der globalen Anti-Acta-Proteste zu bebildern und sich mit einem Auftritt an einem Rednerpult als eine Art Anführer der Demonstrationen zu positionieren. Seine Gegner kommen nicht gut weg: Bei der Textstelle „Wählt keine Menschen, die uns in die Vergangenheit zurückbringen wollen“ zeigt das Video in bester Kalter-Krieg-Propagandamanier Bilder eines Atombombentests. Und der titelgebende Präsident Obama wird als Marionette der Filmindustrie aus Hollywood verunglimpft.
Ob und wie Obama auf die Vorwürfe reagiert, war bis zum Redaktionsschluss unklar. Zwar bemühte sich Dotcom den Präsidenten über dessen Twitterkanal mit einem Link und dem Zusatz „Mit freundlichen Grüßen vom Internet“ auf sein neuestes Werk aufmerksam zu machen, doch zeigte Obamas Twitterkanal die ganze Zeit nur ein Bild von jungen, gut aussehenden Menschen: dem Präsidenten und seiner Tochter.
Interview sehenswert
Markus Barns (mabarn)
- 20.07.2012, 17:06 Uhr
Der Mann ist extrem peinlich und vereint alles, was an Internetfreaks nervt
Alex Merck (AlexM3)
- 20.07.2012, 16:52 Uhr