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Meditations-App „Headspace“ : Abschalten to go

Geht auch ohne Räucherstäbchen Bild: Headspace

Drei Minuten am Tag genügen, um den Alltagsstress hinter sich zu lassen. Das verspricht die erfolgreiche Meditations-App Headspace.

          Was braucht ein Mensch, um sich vom Stress des Alltags freizumachen und seinen inneren Frieden zu finden? Einen Stuhl, ein Smartphone und drei Minuten Meditation am Tag. Davon sind Andy Puddicombe und Rich Pierson schon lange überzeugt. Also haben sie ein Programm entwickelt, das diese Kriterien erfüllt. „Headspace“ heißt ihr Projekt, mit dem sich der angespannte Berufstätige „Raum im Kopf“ verschaffen soll. Und zwar ohne teure Kurse, ohne Mantras, ohne Räucherstäbchen, Sitzkissen oder Schneidersitz - sondern jederzeit und von überall abrufbar als App. Nach nur wenigen Tagen, lautet ihr großes Versprechen, steigt die Achtsamkeit, und das Stress-Level sinkt.

          Maja Brankovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die Idee der beiden Headspace-Gründer trifft den Nerv der Zeit. 20 Millionen Mal wurde die kostenlose Basisversion der App schon heruntergeladen, mehr als eine halbe Million Kunden haben das Bezahlangebot abonniert. Für 100 Dollar im Jahr stehen mehr als 550 Stunden angeleiteter Meditation bereit. Manager und Hollywood-Stars schwören auf das Angebot, Profisportler wie die Basketballer des NBA-Teams Los Angeles Lakers singen auf ihren Social-Media-Kanälen Lobeshymnen auf die App.

          Leicht verdauliche Portionen

          Dreh- und Angelpunkt der Meditationsübungen ist der Unternehmensgründer Andy Puddicombe selbst. Mit seiner sanften Stimme und in vornehmstem Englisch leitet der 45 Jahre alte Brite seine Nutzer Schritt für Schritt zum Abschalten an. Serviert wird die Dosis Entspannung in leicht verdaulichen Portionen für jeden Tag. Die kürzeste Lektion dauert drei Minuten, die längste eine knappe Stunde. In der App, die auch in Deutschland viele Fans hat, stehen Programme für so ziemlich jedes Bedürfnis bereit: Es gibt Meditationen für Gestresste, für Schlaflose, für Schwangere, für Menschen mit Liebeskummer oder für Sportler, die sich steigern wollen.

          Dieser Artikel stammt aus der Frankfurter Allgemeine Woche.

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          Dass Puddicombe und Pierson ausgerechnet auf das Smartphone setzen, um ihre Kunden von dem Stress des Alltags zu befreien, mag ironisch wirken. Doch dahinter steckt betriebswirtschaftliches Kalkül. Denn ursprünglich hatten sie ein anderes Business-Modell im Kopf, sie boten Meditationskurse speziell für Unternehmen und deren gestresste Mitarbeiter an. Sonderlich erfolgreich waren sie damit nicht. Erst als sie ihr Programm 2012 als App auf den Markt brachten, kam der erhoffte Durchbruch. Dass hinter Headspace mehr steckt als ein leeres Versprechen für leichtgläubige Selbstoptimierer, soll auf der Homepage des Unternehmen wissenschaftlich belegt werden. Die zitierten Studien zeigen: Wer regelmäßig meditiert, ist glücklicher, produktiver und seltener krank.

          Unternehmen entdecken das Potential

          Mittlerweile haben auch Unternehmen das Potential der App für ihre Kunden und Angestellten entdeckt. Google und Linkedin bieten ihren Mitarbeitern an, einen Teil der Kosten für das Jahres-Abo zu übernehmen. Wer bei der Investmentbank Goldman Sachs arbeitet, erhält den Zugang zum gesamten Headspace-Universum kostenlos. Auf den Flügen von British Airways, United Airlines oder Cathay Pacific können Passagiere mit Headspace gegen ihre innere Unruhe ankämpfen, es stehen "Meditationen gegen die Flugangst" bereit. Und weil das Unternehmen mit dem Streamingdienst Spotify kooperiert, gibt es in Skandinavien, den Niederlanden und Großbritannien Meditation und Musik als Paket.

          Die Kooperationen mit den großen Namen der Branche machen sich bezahlt: Auf 250 Millionen Dollar wird der Wert des Unternehmens mittlerweile geschätzt. In den drei Büros in London, Los Angeles und San Francisco haben Puddicombe und Pierson nach eigenen Angaben mehr als 160 Leute angestellt. Investoren halten das Potential der App noch lange nicht für erschöpft. In einer ersten Finanzierungsrunde im Jahr 2015 hatten sie schon 35 Millionen Dollar eingesammelt, in diesem Jahr kamen weitere 37 Millionen Dollar hinzu.

          Das Geld will das Unternehmen unter anderem nutzen, um die App auf andere Sprachen zu übersetzen. In 190 Ländern ist die App schon angekommen, doch das unausgeschöpfte Kundenpotential sei noch groß. Offenbar arbeiten die Mitarbeiter mit Hochdruck daran, die Menschheit entspannter zu machen: Aktuell habe niemand Zeit, mal eben kurz einen Anruf aus Deutschland entgegenzunehmen. Ganz schön stressig, dieses Expandieren.

          Quelle: F.A.Z. Woche

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