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Medien WAZ steigt aus dem Rennen um Kirch-Media aus

 ·  Die WAZ-Mediengruppe will nun doch nicht mehr für die insolvente Kirch-Media bieten. Grund: zu teuer. Es bleiben aber genügend andere Interessenten.

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Die Geschäftsführung der Mediengruppe WAZ hat sich gegen eine Beteiligung an der insolventen Kirch-Media ausgesprochen. Der einstimmig gefasste Beschluss des Managements beruhe auf der Analyse der gegenwärtigen wirtschaftlichen Daten und Konstellation bei Kirch-Media, teilte die WAZ-Geschäftsführung am Montagabend mit.

„Verbreitete Spekulationen über ein Kaufangebot der WAZ- Mediengruppe, Commerzbank und anderer für Kirch-Media sind falsch“, erklärten die vier Geschäftsführer der Gruppe. Man habe immer betont, dass ein Engagement geprüft werde, aber Entscheidungen nicht gefallen seien. Ex-Konsortialpartner Commerzbank bleibt allerdings nach wie vor an Kirch-Media interessiert. „Wir bedauern die Absage der WAZ, werden das Projekt aber auch ohne sie weiter verfolgen", sagte Commerzbank-Vorstand Wolfgang Hartmann.

Insolvenzverfahren eröffnet

Am Montag hatte mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens für die Kirch-Media das Amtsgericht München den Weg für den Verkauf des Film- und Fernsehkonzerns frei gemacht. Die Verantwortung liegt aber weiter in den Händen der Kirch-Media-Geschäftsführung und nicht wie üblich bei einem Insolvenzverwalter. Dabei habe das Gericht dem Antrag auf Eigenverwaltung zugestimmt, so dass die Kirch-Media-Geschäftsführung mit den Sanierungsexperten Wolfgang van Betteray und Heinz-Joachim Ziems über das Vermögen verfügen kann.

Kontrolliert wird das Management, das mit Hilfe der Investmentbank UBS Warburg nach einem Investor für das Kerngeschäft sucht, aber durch den vom Gericht bestimmten Sachwalter Michael Jaffé und den Gläubigerausschuss. Jaffé hatte bereits als vorläufiger Insolvenzverwalter die Geschäfte bei Kirch-Media überwacht. Im Gläubigerausschuss sind unter anderem die vier Kredit gebenden Banken und US-Filmstudios vertreten.

Kirch-Media soll nicht zerschlagen werden

Kirch-Media, die gut 52 Prozent an der Senderfamilie ProSiebenSat1 Media hält, hatte am 8. April als erste Gesellschaft der Kirch-Gruppe Antrag auf Insolvenz gestellt. Nach der formalen Eröffnung des Verfahrens kann die Suche nach Investoren nun auch offiziell beginnen. „Das Ziel der Eigenverwaltung ist der Erhalt des Geschäftsbetriebs der Kirch-Media (...) die kontrollierte Fortführung und der dauerhafte Erhalt der wesentlichen Unternehmensteile durch geeignete Umstrukturierungsmaßnahmen", hieß es in einer Mitteilung von Kirch-Media.

Erklärtes Ziel von Ziems und van Betteray ist es, Kirch-Media als Ganzes an einen Investor abzugeben und damit eine weitere Zerschlagung der Gesellschaft zu verhindern. So sollen der Film- und Sportrechtehandel sowie die ProSiebenSat.1-Beteiligung in eine neue Gesellschaft überführt und nur einige Produktions-Aktivitäten und Technikdienstleistungen abgespalten werden. Nach Angaben aus Branchenkreisen haben insgesamt 82 potenzielle Investoren bisher Interesse an Kirch-Media oder Teilen des Unternehmens geäußert, darunter alle großen internationalen Medienkonzerne und einige Finanzinvestoren.

Selbst wenn also nun die WAZ-Gruppe wegfällt, bleiben immer noch genügend andere Interessenten. So hat etwa der Axel Springer Verlag zusammen mit dem Heinrich Bauer Verlag Interesse signalisiert, das insolvente Herzstück des zusammengebrochenen Medienkonzerns von Leo Kirch zu übernehmen. Sprecher der beiden Unternehmen sagten, sie wollten „laufende Verhandlungen“ nicht kommentieren, bestätigten damit aber indirekt, dass Gespräche zumindest stattfinden.

Gläubigerversammlung am 1. August

Über die Zukunft von Kirch-Media muss auch die Gläubigerversammlung entscheiden, die das Amtsgericht für den zunächst 1. August 2002 einberufen hat. Die Geschäftsführung muss dann einen Bericht über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens und die Sanierungschancen abliefern, der Sachwalter eine Stellungnahme. In der Gläubigerversammlung sind alle Parteien vertreten, die von Kirch-Media Geld fordern, sei es für Kredite oder für gelieferte Produkte. Sie fasst ihre Beschlüsse mit einfacher Mehrheit, wobei sich die Anzahl der Stimmen nicht nach der Kopfzahl der abstimmenden Gläubiger, sondern nach den von ihnen vertretenen Forderungen richtet.

Das größte Gewicht bei Kirch-Media haben damit die vier Gläubigerbanken HypoVereinsbank, BayernLB, DZ Bank und Commerzbank, die mit 1,4 Milliarden Euro knapp die Hälfte des Kirch-Media-Schuldenberges von mehr als drei Milliarden Euro auf sich vereinigen. Bei den US-Filmstudios ist Kirch-Media mit 1,3 Milliarden Euro verschuldet.

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