12.08.2003 · Diesmal kam nichts dazwischen bei der Übernahme von ProSiebenSat.1 durch den amerikanischen Milliardär Haim Saban. „Der Kaufpreis ist geflossen, die Aktien wurden übertragen“, bestätigte ein Sprecher.
Dieses Mal kam nichts mehr dazwischen: Die Übernahme von ProSiebenSat.1 durch den amerikanischen Milliardär Haim Saban ist perfekt.
Sabans Überweisung ging bei KirchMedia ein, im Gegenzug erhielt der schillernden Medienunternehmer aus Beverly Hills das Aktienpaket mit der Stimmrechtsmehrheit an Deutschlands größtem Fernsehkonzern. „Der Kaufpreis ist geflossen, die Aktien wurden am Montag abend übertragen“, bestätigte KirchMedia-Sprecher Rudolf Wallraf am Dienstag.
Schneller Abschluß nach der Blamage vom Juni
Beide Seiten hatten nach der Blamage vom Juni den größten Deal der deutschen Fernsehgeschichte diesmal in Rekordzeit abgeschlossen: Am Dienstag vor einer Woche gab der Gläubigerausschuß die Zustimmung, Freitag nacht unterschrieben Unterhändler das Vertragswerk, nun ist der Geschäft vollzogen: Saban verfügt ab sofort mit seinen Finanzpartnern über 72 Prozent der Stimmrechte und 36 Prozent des Grundkapitals an ProSiebenSat.1. Der Kaufpreis liegt Verhandlungskreisen zufolge bei 525 Millionen Euro.
Die internationale Anwaltsozietät Ashurst Morris Crisp, die Sabans amerikanische Finanzpartner beraten hatte, bestätigte inzwischen offiziell, daß das Transaktionsvolumen für das gesamte, aus drei Stufen bestehende Geschäft eine Milliarde Euro beträgt: Zu der gezahlten Summe für das erste Aktienpaket kommen demnach rund 200 Millionen Euro für den Erwerb eines weiteren Anteils von 14,5 Prozent, der derzeit indirekt von KirchMedia und dem Axel Springer Verlag gehalten wird. Ihre Beteiligung von dann 50,5 Prozent werden Saban und seine Partner dann bei einer anschließenden Kapitalerhöhung von 280 Millionen Euro weiter aufstocken und dann über fast alle Stimmrechte verfügen. Denn eine Umwandlung der stimmrechtslosen Vorzugsaktien der Kleinaktionäre schloß Saban aus. In spätestens vier Wochen will der Neueigentümer zwar pflichtgemäß ein Abfindungsangebot für alle Aktionäre vorlegen, er machte aber bereits deutlich, daß der Umtausch unter dem aktuellen Kurs liegen wird und damit wenig attraktiv ist.
Mit dem Aktienpaket wandert die Hälfte des inländischen Privatfernsehmarktes in amerikanische Hände, sechs amerikanische Investmentfirmen sind als Sabans Finanzpartner beteiligt. Die Senderkette um Pro Sieben, Sat.1, Kabel 1 und N24 ist gemessen am Umsatz mit 1,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr der größte deutsche Fernsehkonzern, noch vor der RTL-Gruppe. Mit guten Kontakten zu den Filmstudios in Hollywood will Saban nun den Marktanteil der Senderkette weiter ausbauen. Das heiße aber nicht, „daß wir jetzt den Äther mit amerikanischen Blockbustern füllen. Aber wir müssen sicherstellen, daß ProSiebenSat.1 die neuesten Formate bekommt“, sagte Saban.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,70 | −0,96% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2460 | −0,23% |
| Rohöl Brent Crude | 105,95 $ | −0,84% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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