08.08.2005 · Der Axel-Springer-Verlag will die Mehrheit an Pro Sieben Sat.1 übernehmen. 4,2 Milliarden Euro ist den Berlinern die Fernsehsendergruppe wert.
Der Axel Springer Verlag strebt die Übernahme des Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat.1 Media AG für bis zu 4,2 Milliarden Euro an. Nach einer dreiwöchigen Unternehmensprüfung (Due diligence) hat sich Springer mit der internationalen Investorengruppe um Haim Saban auf eine bindende Vereinbarung geeinigt, um die Mehrheitsanteile an dem Unternehmen mit den Sendern Pro Sieben, Sat.1, Kabel 1, N24 und Neun Live zu erwerben.
Der im deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt führende Medienkonzern erweiterte damit sein Angebot um ein zweites Segment und würde im privaten deutschen Fernsehmarkt der schärfste Konkurrent von Bertelsmann mit der RTL-Gruppe. Springer strebt mittelfristig eine Verschmelzung mit Pro Sieben Sat.1 an.
„Strategische Logik“
„Die Transaktion hat eine überzeugende strategische Logik“, sagte Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Springer, in einer Pressekonferenz in München. Die Verbindung beider Unternehmen erschließe die digitalen Zukunftsmärkte in der Medienbranche. Als Konkurrenten sieht er in erster Linie Internet-Unternehmen wie Yahoo und Google.
Das Bundeskartellamt hat eine vertiefte Prüfung der geplanten Übernahme angekündigt, die bis zu vier Monate dauern könnte. Aufmerksamkeit der Wettbewerbshüter findet vor allem, daß Springer mit der „Bild“-Zeitung eine marktbeherrschende Stellung einnimmt und Pro Sieben Sat.1 wie die RTL-Gruppe im deutschen Fernsehwerbemarkt einen Anteil von rund 40 Prozent besitzt. „Diese cross-medialen Effekte sind für die kartellrechtliche Prüfung neu“, sagte Behördenchef Ulf Böge dieser Zeitung. Außerdem sei zu prüfen, welche Bedeutung die Verflechtung von Springer und Bertelsmann habe. Die Konzerne betreiben ein Gemeinschaftsunternehmen für den Tiefdruck. Zudem benötigt Springer die Zustimmung der deutschen Medienaufsicht, der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK).
2,45 Milliarden für die Investorengruppe um Saban
Springer ist bisher mit rund 12 Prozent an Pro Sieben Sat.1 beteiligt. Die Gruppe um Haim Saban hatte vor zwei Jahren für 525 Millionen Euro das Unternehmen der ein Jahr zuvor zusammengebrochenen Kirch-Gruppe erworben. Mit der Übernahme der Anteile des bisherigen Großaktionärs könnte Springer seinen Anteil auf 100Prozent der stimmberechtigten Stammaktien und 25 Prozent der Vorzugsaktien ohne Stimmrechte aufstocken. Insgesamt käme der Verlagskonzern auf einen Anteil von 62,5 Prozent des Gesamtkapitals.
Mit der Investorengruppe um Saban ist ein Preis von 2,45 Milliarden Euro vereinbart worden. Er setzt sich aus einer Barzahlung von 22,60 Euro je Stammaktie und aus 0,77 Euro für einen Anteil in Stammaktien der Axel Springer AG zusammen. Für die Vorzugsaktien werden jeweils 14,10 Euro gezahlt. Die Investorengruppe erhält auf diesem Weg einen Anteil von 2,41 Prozent am Grundkapital der Axel Springer AG. Wieviel Aktien Saban selbst besitzen wird, ließ der israelisch-amerikanische Medienunternehmer am Freitag offen. Döpfner sagte, Saban werde seinen Anteil aber vermutlich aufstocken. Friede Springer bleibe Mehrheitsaktionärin, kündigte der Vorstandschef an. Sie halte weiterhin 55 Prozent aller Anteile und kontrolliere 60 Prozent des Unternehmens.
Den übrigen Vorzugsaktionären von Pro Sieben Sat.1 wird Springer ein freiwilliges Übernahmeangebot machen, das nach Döpfners Worten bei jeweils 14,10Euro liegen wird. Der aktuelle Kurs der im M-Dax notierten Aktie ist allerdings etwas höher. Aktionäre, die das Barangebot ausschlagen, sollen später Vorzugsaktien des gemeinsamen Unternehmens von Springer und Pro Sieben Sat.1 erhalten.