18.09.2004 · Herber Verlust für die Hauptstadt: Musikproduzent Sony verlagert nach der Fusion mit BMG seine Zentrale von Berlin nach München. Deutschland-Chef Schramm geht, zahlreiche Stellen werden wohl abgebaut.
Die Musikstadt Berlin steht nach spektakulären Neuansiedlungen vor einem herben Verlust. Die Plattenfirma Sony will die Haupstadt verlassen, da nach der Fusion mit der Bertelsmann-Musiksparte BMG die Deutschlandzentrale des neuen Unternehmens in München angesiedelt werden soll.
„Sony-Music verläßt Berlin“, sagte der bisherige Deutschland-Chef Balthasar Schramm dem „Tagesspiegel am Sonntag“. Auch er selbst werde „künftig nicht mehr für Sony-Music tätig sein.“ Das nationale Geschäft von Sony BMG soll laut „Spiegel“ künftig der Chef von BMG-Deutschland, Maarten Steinkamp, führen. Vorgesehen sei zudem Stellenabbau.
Die Standortentscheidung gegen Berlin sei „eine schlechte Nachricht“ für die Stadt, das fusionierte Unternehmen und die deutsche Musikwirtschaft, sagte Schramm dem „Tagesspiegel“. Er habe Berlin wirtschaftlich und kulturell als die „bessere Wahl“ angesehen. Für einen Umzug nach München stehe er nicht zur Verfügung. Dies werde wohl auch auf viele der rund 230 Beschäftigten zutreffen.
Stellenabbau geplant
Da das gemeinsame Unternehmen nur noch knapp 300 Mitarbeiter haben solle, stehe nach der Fusion ein Abbau von rund einem Drittel der Stellen an, berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Die verbliebenen Mitarbeiter sollten die nationalen Geschicke von Sony BMG mit Interpreten wie 2raumwohnung, Peter Maffay und Laith Al-Deen aus der jetzigen BMG-Zentrale in München steuern. In der Sony-Dependance am Potsdamer Platz in Berlin seien die Mietkosten zu hoch.
Die Musiksparte von Sony und die Bertelsmann-Musiktochter BMG hatten vor sechs Wochen ihr Geschäft zusammengelegt. Das Gemeinschaftsunternehmen Sony BMG ist mit 25 Prozent Marktanteil die zweitgrößte Musikfirma der Welt. Die Konkurrenten Time Warner, EMI und Universal Music hatten vergeblich versucht, die Verschmelzung von Sony und BMG in Brüssel zu torpedieren.
Berlin hatte zuletzt mehrere wichtige Unternehmen der Musikbranche für eine Ansiedlung an der Spree gewonnen. So zogen die Deutschland-Zentrale des weltgrößten Musikkonzerns Universal und die deutschen Phonoverbände von Hamburg in die Hauptstadt. Auch der Musiksender MTV verlegte in diesem Jahr die Zentrale für sein deutschsprachiges Programm nach Berlin. Die Musikmesse „Popkomm“ soll Ende September nach dem Wegzug aus Köln erstmals in Berlin starten.
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