14.07.2005 · Der deutsche Fernsehmarkt habe einmal als technologisch fortschrittlich gegolten, so der Vorstandschef von Pro Sieben Sat.1. Das sei allerdings 20 Jahre her. Jetzt könnte die Entwicklung allerdings neuen Schwung bekommen.
In vielen deutschen Wohnzimmern stehen nagelneue großformatige Flachbildschirm-Fernseher. Spielfilmfans rüsten ihr Heimkino zusätzlich mit Surround-Sound-Anlagen auf. Doch trotz aller neuer Technik - auf dem Bildschirm selbst regiert der Reformstau: „Der deutsche Fernsehmarkt galt einmal als technologisch fortschrittlich“, sagt Guillaume de Posch, Vorstandschef des Münchner Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat.1. „Das ist allerdings 20 Jahre her.“
In den achtziger Jahren brachte der Aufbau des Kabelnetzes mehr Programmvielfalt in die deutschen Wohnzimmer. Seither hat sich das Fernsehen hierzulande technisch kaum weiterentwickelt. Jetzt könnte allerdings die träge Entwicklung der Fernsehtechnik neuen Schwung bekommen. In den Elektronikmärkten kosten digitale Festplattenrecorder - auch persönliche Videorecorder (PVR) genannt - mittlerweile nur noch wenige hundert Euro.
Nutzung des Fernsehens wird sich radikal verändern
Umfragen zeigen, daß sich bereits jeder fünfte Deutsche für den Kauf eines dieser noch relativ neuen Geräte interessiert. Die Medienanalysten der amerikanischen Investmentbank J.P. Morgan sprechen gar von der „PVR-Revolution“, die das Fernsehen umkrempeln werde. Der PVR bringt eine entscheidende Neuerung: Erstmals können die Zuschauer eine Sendung aufzeichnen und gleichzeitig zeitversetzt anschauen. Das könnte die Nutzung des Mediums Fernsehen gründlich verändern. Wer zum Beispiel den Spielfilm bei RTL oder Pro Sieben ein paar Minuten nach Beginn der Aufzeichnung einschaltet, kann die lästigen Werbeblöcke per Tastendruck überspringen.
Mehr noch: Mit dem digitalen Zwischenspeicher und einem eingebauten elektronischen Programmführer werden die Zuschauer ihr eigener Programmchef und können sich ihr Wunsch-Fernsehmenü mit frei wählbaren Anfangszeiten zusammenstellen. Experten erwarten, daß der technische Fortschritt die Nutzung des Fernsehens radikal verändern wird. „Der PVR ist nur die Spitze des Eisbergs“, prognostiziert Dawn Airey, Programmchef des britischen Bezahlsenders BSkyB, der seine Kunden seit längerem mit PVR-Geräten ausrüstet.
Bislang fehlt den Deutschen der Anreiz zum Wechsel
Für die nur zäh vorankommendeUmstellung vom analogen zum digitalen Fernsehen könnten das hochauflösende Fernsehen (HDTV) und die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zum Motor werden. Deutschland ist bei der Fernseh-Digitalisierung, die eine größere Programmauswahl ermöglicht, Nachzügler in Europa. Es fehlt vielen Zuschauern der Anreiz zum Wechsel, weil das dominierende analoge Kabelfernsehen eine im internationalen Vergleich große Sendervielfalt bietet. HDTV, das nur mit digitalem Fernsehempfang funktioniert, könnte zum Umdenken bewegen. Georg Kofler, Chef des digitalen Münchner Bezahlfernsehsenders Premiere, will mit der Einführung von HDTV neue Kunden ködern: Er hofft, daß die Zuschauer sich im WM-Taumel scharenweise Premiere-Abos zulegen. Dank HDTV sollen die Spiele gestochen scharf und im breiteren Format „16 zu 9“ auf die Flachbildschirme kommen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,70 | −0,96% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2460 | −0,23% |
| Rohöl Brent Crude | 105,95 $ | −0,84% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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