Der neue Chef von Vivendi Universal, Jean-René Fourtou, will die Schieflage beim zweitgrößten Medienkonzern der Welt in drei Monaten in den Griff bekommen. Er gebe sich selbst „bis September“, um einen Plan zur finanziellen Restrukturierung vorzulegen, sagte Fourtou bei einer Belegschaftsversammlung in der Pariser Konzernzentrale.
Fourtou beteuerte vor Journalisten, es gebe einen Ausweg für die „Liquiditätskrise“ bei dem französisch-amerikanischen Konzern. Die Kassenlage sei indes „angespannt“, räumte der 63-Jährige ein. Er war auf einer abendlichen Krisensitzung zum Nachfolger Messiers berufen worden. Der gescheiterte Konzernchef hatte auf einer jahrelangen Einkaufstour Milliardenschulden aufgehäuft und zuletzt das Vertrauen der Großaktionäre verloren.
Beruhigende Worte für die Belegschaft
Der Vivendi-Belegschaft versprach der entspannt auftretende Fourtou, sich zunächst ganz um die Kassenlage zu kümmern und dabei auch das gesunkene Vertrauen in das Unternehmen wiederherzustellen. Die Situation sei „schwierig“, er habe aber als langjähriger Chef beim Chemiekonzern Rhône-Poulenc „schon Schlimmeres“ erlebt. So gut wie alle Vivendi-Sparten seien „im Gleichgewicht“.
Nach Konzernangaben verfügt Vivendi Universal kurzfristig über 2,8 Milliarden Euro. Von dem Geld stünden 1,2 Milliarden Euro in bar bereit sowie insgesamt 1,6 Milliarden Euro in bislang nicht genutzten Kreditlinien. Bis Ende Juli müssen demnach fällige Zahlungen in Höhe von 1,8 Milliarden Euro beglichen werden. Vorrang habe die Transparenz der Finanzen und die Lösung der kurzfristigen Schuldenprobleme, kündigte das Unternehmen an. Branchenexperten in Paris erwarteten einen harten Sanierungskurs, um die Schuldenlast des weltweit zweitgrößten Medienkonzerns von insgesamt 35 Milliarden Euro zu drücken und den Kursverfall der Vivendi-Aktie zu stoppen
Kurssprung an der Pariser Börse
Die Aussicht auf ein Ende der Finanzkrise ließ die Vivendi-Aktie klar steigen, wegen zu großer Gewinne musste der Handel mit dem Anteilsschein an der Pariser Börse zwischenzeitlich ausgesetzt werden. Innerhalb weniger Minuten kletterte der Kurs knapp 18 Prozent auf 16,44 Euro, gab dann aber wieder nach und lag am Nachmittag bei 15,10 Euro noch 8,6 Prozent im Plus. Vom Kursniveau der vergangenen Wochen mit rund 30 Euro war die Aktie damit noch weit entfernt. Am Mittwoch hatte sie auf einem Tiefstand von 13,90 Euro geschlossen.
Der Aktie wird weiterhin einen von starken Schwankungen geprägten Kursverlauf voraus. So gehen Analysten davon aus, dass sich die Aktie des weltweit zweitgrößten Medienkonzerns nach AOL Time Warner erst dann erholen wird, wenn die finanzielle Lage von Vivendi endgültig geklärt sein wird.
Abfindungshöhe bleibt ungeklärt
Messier hatte nach schweren Differenzen im Verwaltungsrat mit den großen US-Investoren und französischen Anlegern am Dienstag seinen Rücktritt angekündigt. Er war 1996 zum Vorstandschef berufen worden und hatte mit milliardenteuren Firmenkäufen den Weltkonzern Vivendi Universal geschaffen. Im vergangenen Geschäftsjahr 2001 wies der Konzern einen Rekordverlust von 13,6 Milliarden Euro aus.
Wie die Nachrichtenagentur AFP aus dem erweiterten Vivendi-Vorstand erfuhr, sind die finanziellen Einzelheiten für das Ausscheiden Messiers nach wie vor offen. Die Firmenspitze habe darüber bislang nicht beraten. Presseangaben zufolge forderte Messier zwischen 10 und 20 Millionen Euro Abfindung, obwohl er sich im Jahr 2000 zum Verzicht auf derartige Zahlungen verpflichtet hatte.
FO-Gewerkschaftschef Marc Blondel kündigte im Radiosender France Inter an, Messier in jedem Falle vor Gericht zu bringen. Dabei gehe es nicht um die Abfindung, sondern darum, dass der bisherige Firmenchef die 320.000 Vivendi-Beschäftigten und die Belegschafts-Aktionäre reingelegt habe. Messier habe nicht die erforderlichen Vorkehrungen getroffen, um den Wert der Belegschafts-Aktien zu sichern.