07.11.2003 · Bertelsmann und Sony haben mit der Fusionsankündigung ihrer Musiksparten für einen Paukenschlag in der Musikindustrie gesorgt. Gegenüber den Konkurrenten EMI und Warner haben sie nun die Nase vorn.
Bertelsmann und Sony haben mit der Fusionsankündigung ihrer beiden Musiksparten BMG und Sony Music für einen Paukenschlag in der Musikindustrie gesorgt. Seit drei Jahren haben die fünf großen Musikkonzerne, die den Weltmarkt beherrschen, vergeblich versucht, Zusammenschlüsse zustande zu bringen.
Doch so weit wie Bertelsmann und Sony jetzt sind, waren die Gespräche in den vergangenen Jahren noch nie gediehen. Kommt es zur Fusion, wird die neue Sony BMG Topkünstler wie Avril Lavigne, Pink oder Celine Dion unter Vertrag haben.
Druck wurde immer größer
Der Druck auf die Unternehmen, im Fusionspoker zu Ergebnissen zu kommen, ist angesichts der dramatischen Umsatzverluste der Branche zuletzt immer größer geworden. Sony Music, die britische EMI, die zu AOL Time Warner gehörende Warner Music und BMG haben in wechselnden Konstellationen schon viele Partnerschaften durchgespielt. Bertelsmann selbst hatte noch bis in den Spätsommer hinein den Schulterschluß mit Warner gesucht, was jedoch letztlich ebenfalls scheiterte. Lediglich der Weltmarktführer Universal war wegen seiner Größe außen vor im großen Fusionskarussell.
Wer zuerst kommt...
Bertelsmann und Sony haben damit in dem Fusionrennen, das sich zur Zeit in der Musikindustrie abspielt, die Nase vorn. Auch die Konkurrenten EMI und Warner verhandeln über einen Zusammenschluß (siehe Link). Dabei könnte es von großer Bedeutung sein, welches der beiden Gespanne sich zuerst einigt und die Fusion bei den Wettbewerbsbehörden in der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten zuerst anmeldet. Viele Beobachter erwarten, daß die Wettbewerbshüter wegen des hohen Konzentrationsgrades im Musikgeschäft nur eine Fusion genehmigen werden. "Es ist sicherlich ein Vorteil, wenn man der erste bei den Kartellbehörden ist. Aber das sollte man auch nicht überschätzen", sagte der Vorstandsvorsitzende von Bertelsmann, Gunter Thielen, der F.A.Z. am Donnerstag.
Ein Fusionsvorhaben von Bertelsmann und EMI war im November 2000 am absehbaren Widerstand der Kartellbehörden gescheitert. Zuvor hatten sich bereits im Januar 2000 die Pläne von EMI und Warner Music aus Wettbewerbsgründen zerschlagen. Die letzte große Übernahme in der Musikindustrie war Ende der neunziger Jahre die Übernahme von Polygram durch Universal Music.
Nur das Recording-Geschäft
Bertelsmann und Sony sehen offensichtlich vor allem zwei Argumente, die dieses Mal die Wettbewerbshüter überzeugen könnten. Einerseits sollen nur Teile des Musikgeschäfts zusammengeführt werden: Betroffen ist nur das sogenannte Recording-Geschäft, die Produktion von Musik und ihr Verkauf auf CD. Das vor allem aus Radiotantiemen gespeiste Musikverlagsgeschäft beider Konzerne soll dagegen ebenso außen vor bleiben wie die physische Produktion der Tonträger. BMG-Chef Rolf-Schmidt-Holtz setzt außerdem darauf, daß die Kartellbehörden angesichts der dramatischen Umsatzverluste der gesamten Branche mittlerweile einer weiteren Konsolidierung in der Branche aufgeschlossener gegenüberstehen als in den vergangenen Jahren: "Ich denke, daß die Probleme der Branche nicht ohne Eindruck bei den Kartellbehörden bleiben werden", sagte der BMG-Chef.
Auf den ersten Blick überraschend ist, daß Bertelsmann und Sony an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen in gleicher Höhe beteiligt sein sollen, ohne daß nach Bertelsmann-Angaben größere Ausgleichszahlungen geleistet werden. Sony Music ist mit einem Umsatz von rund 5 Milliarden Euro im Jahr 2002 gut doppelt so groß wie die BMG. Thielen begründet dies damit, daß nur die Recording-Sparten zusammengeschlossen werden sollen. "In diesem Bereich ist der Größenunterschied nicht so gravierend." Er liege lediglich im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich, sagte Schmidt-Holtz.
Insgesamt würde die neue Sony BMG nach Thielens Angaben auf einen Umsatz von rund 4,8 Milliarden Euro kommen. Bertelsmann und Sony wollen nun in den kommenden Wochen eine vertiefte Unternehmensprüfung (Due Diligence) vornehmen, um die endgültige Bewertung beider Unternehmen festzustellen.
Allein keine Chance
Thielen hat schon seit längerem keinen Zweifel daran gelassen, daß die BMG als kleinster unter den fünf Marktführern, allein im schwierigen Wettbewerb nicht bestehen könne. Die BMG hat erst im vergangenen Jahr die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft. Für dieses Jahr peilt das Unternehmen trotz hoher Verluste im ersten Halbjahr erneut ein positives Ergebnis an. Bei Sony ist das Musikgeschäft dagegen eher eine Randaktivität. Kerngeschäft ist hier vor allem die Unterhaltungselektronik.
Die Musikindustrie macht für ihre hohen Umsatzverluste in den vergangenen Jahren vor allem das Aufkommen des Musiktauschs über das Internet und das Selberbrennen von CDs verantwortlich. Auf diese Aushöhlung ihres angestammten und in der Vergangenheit hochprofitablen Geschäfts haben die Unternehmen bisher keine Antwort gefunden.
Brennen statt kaufen
In Deutschland werden mittlerweile deutlich mehr CDs selber gebrannt als verkauft. Branchenbeobachter verweisen schon seit Jahren darauf, daß die Musikindustrie dem illegalen Austausch von Musik über das Internet keine legale Alternative entgegenzusetzen habe. Erst seit diesem Jahr haben die Unternehmen begonnen, ihre Musik in größerem Umfang auch online zu vertreiben. In den Vereinigten Staaten hat dabei der Computerhersteller Apple mit seiner Online-Plattform Musicstore eine Vorreiterrolle eingenommen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,70 | −0,96% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2460 | −0,23% |
| Rohöl Brent Crude | 105,95 $ | −0,84% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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