11.08.2006 · Der Bezahlsender Premiere gilt als Übernahmekandidat. Doch das Kartellamt tritt regelmäßig als Spielverderber auf: Zuletzt haben die Wettbewerbshüter angedeutet, daß sie eine Hochzeit mit Pro Sieben Sat.1 nicht dulden würden.
Von Marcus TheurerEigentlich sollte der Medienunternehmer Haim Saban als Festredner beim Berliner „Arthur F. Burns Dinner“ Anfang Mai über den transatlantischen Dialog sprechen. Die Burns-Stiftung vergibt Stipendien an Journalisten. Doch als es zu Tisch ging, redete der Amerikaner im kleineren Kreis über einen ganz anderen und ziemlich frustrierenden Dialog.
Der Haupteigentümer der Münchner Fernsehgruppe ProSieben Sat.1 klagte sein Leid über die sturen Beamten des Bundeskartellamts in Bonn. Saban hatte dort informell angefragt, ob er nicht auch noch den Bezahlsender Premiere übernehmen könne. Der sitzt mit seiner Zentrale im Münchner Vorort direkt gegenüber von Pro Sieben Sat.1 und ist mächtig ins Schlingern geraten. Doch die Antwort aus Bonn sei leider nur allzu eindeutig gewesen, berichtete Saban. "No way", habe die Behörde signalisiert.
Konkurrenz statt Übernahme
Dem Investor bleibt zumindest der Trost, daß es anderen nicht besser ergangen ist. Auch der Kölner Kabelkonzern Unity Media hat, so berichten Manager aus der Medienbranche, bereits im vergangenen Jahr ein Auge auf Premiere geworfen. Doch außer dem damals noch deutlich höheren Marktwert des börsennotierten Unternehmens entmutigten den Kabelkonzern ebenfalls die schlechten kartellrechtlichen Aussichten. Schließlich war schon 2002 der amerikanische Unternehmer John Malone mit seinem Konzern Liberty Media bei dem Versuch, Kabelnetze und Premiere zusammen zu übernehmen, gescheitert.
Unity entschied sich im vergangenen Herbst statt dessen, mit Arena einen eigenen Fußball-Bezahlsender, der mittlerweile Premiere das Leben schwermacht, zu starten.
„Hemmungslose Profilsucht“
Die mächtigen Wettbewerbshüter vom Rhein haben in den vergangenen Jahren noch weitere Großübernahmen im Fernsehgeschäft vereitelt. Erst Anfang des Jahres verboten sie dem Axel Springer Verlag, Saban Pro Sieben Sat.1 abzukaufen.
Auch für den größten deutschen Fernsehkabelbetreiber Kabel Deutschland (KDG) war bei seiner geplanten bundesweiten Expansion in Bonn Endstation. Kartellamtspräsident Ulf Böge ist vielen Medienmanagern ein rotes Tuch. „Hemmungslose Profilsucht“ attestieren sie dem Regulierer.
Die Gerüchte halten sich
Doch scheinbar unbehelligt von den Fehlschlägen der Vergangenheit ranken sich um Premiere seit Monaten zahlreiche Übernahmegerüchte. Vor einigen Wochen hieß es, die KDG wolle Premiere kaufen, was die Unternehmen freilich umgehend dementierten. Mittlerweile kursieren Spekulationen über einen möglichen Schulterschluß des Senders mit dem Konkurrenten Arena.
Der hat Premiere im Dezember 2005 überraschend die Fernsehrechte für die Fußball-Bundesliga in den nächsten drei Jahren abgejagt. Wenn am Freitag die neue Saison startet, ist der längjährige Bundesliga-Sender nur noch Zaungast in den Stadien. Als Vermarktungspartner hilft Premiere, Arena-Abonnements unters Volk zu bringen.
Schlechtere Konditionen von KDG erwartet
Branchenexperten sehen für die Zukunft von Premiere auf eigenen Beinen schwarz. Zumindest vorerst ist die Monopolstellung im deutschen Bezahlfernsehen, von der das Unternehmen bisher profitierte, dahin. Ende nächsten Jahres läuft zudem der Vertrag mit der KDG, die knapp zehn Millionen Fernsehhaushalte versorgt, über die Premiere-Einspeisung in deren Netz aus. Fachleute sind sich einig, daß die KDG dem Sender ungünstigere Konditionen diktieren wird.
„Premiere wird dann faktisch nur noch Programmlieferant sein, Betreiber der Bezahlplattform ist die KDG“, erwartet der Manager eines im deutschen Mediengeschäft tätigen Finanzinvestors. Das werde erheblich an der Marge des Senders nagen.
Aktienkurs leidet unter Schwindsucht
Der Premiere-Aktienkurs leidet unterdessen schon seit langem unter Schwindsucht. Seit dem Frühjahr 2005 hat das Papier mehr als 70 Prozent seines Werts verloren, und in dieser Woche setzte sich die Talfahrt fort. Hohe Sonderabschreibungen, die wegen der unsicheren weiteren Geschäftsentwicklung notwendig geworden sind, drückten den Sender im ersten Halbjahr tief in die Verlustzone. Nur noch rund 760 Millionen Euro ist das Unternehmen derzeit an der Börse wert.
Bei den Finanzinvestoren, die hinter Unity stehen, so munkeln Manager aus der Branche, gebe es Überlegungen, die Unity-Tochtergesellschaft Arena in die Premiere AG einzubringen Dafür könnte Unity eine Beteiligung an dem Unternehmen erhalten. Profitieren könnten davon beide Seiten: Premiere hätte die Bundesliga zurück, und Unity könnte das gewaltige Wagnis, daß der Netzbetreiber mit Arena eingegangen ist, zumindest teilweise auf die Premiere-Kleinanleger abwälzen.
Fachleute glauben nicht an eine Übernahme
Wettbewerbsrechtler sehen allerdings kaum Spielraum für einen Schulterschluß mit Premiere - egal, ob der Partner Arena, KDG oder Pro Sieben Sat.1 heißt. „Wenn da irgend etwas ginge, hätte schon lange einer der Großen gekauft“, sagt der Kartellanwalt einer im Mediengeschäft aktiven Großkanzlei. Als denkbar gilt Fachleuten ein solcher Coup allenfalls, falls Premiere vorher zerschlagen wird - wenn etwa der Programmbereich vom Betrieb der Bezahlfernsehplattform getrennt würde.
Theoretisch käme außerdem eine Sanierungsfusion in Frage: Eine Premiere-Übernahme durch einen der großen deutschen Fernseh- oder Kabelkonzerne wäre laut Gesetz möglich, wenn der Bezahlsender allein nicht überleben könnte. Doch die Voraussetzungen dafür dürften derzeit kaum erfüllt sein.
Arena und Premiere könnten Kooperation ausweiten
Realistischer erscheint da manchem Manager in der Branche eine andere Variante: Gut möglich, daß dem Finanzinvestor BC Partners, dem Unity gehört, das Arena-Abenteuer in den kommenden Monaten zu heiß werde, heißt es. Auf Sicht der dreijährigen Vertragslaufzeit für die Bundesliga müssen sie allein mehr als 600 Millionen Euro in die Fernsehrechte investieren, Ausgaben für Marketing und Technik dürften sich zu einer weiteren dreistelligen Millionensumme addieren.
Zugleich steht Arena beim Aufbau seiner Abonnentenbasis noch ganz am Anfang. Schon heute kooperieren Arena und Premiere bei der Vermarktung im Kabelfernsehen. Diese könnte auch auf das Satellitenfernsehen ausgedehnt werden. Selbst daß die Arena-Eigner die Bundesligarechte weitgehend an Premiere weiterverkaufen, schließen Beobachter nicht mehr aus.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,70 | −0,96% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2460 | −0,23% |
| Rohöl Brent Crude | 105,95 $ | −0,84% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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