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Medien Middelhoff verlässt Bertelsmann

29.07.2002 ·  Thomas Middelhoff räumt seinen Vorstandsposten bei Bertelsmann. Gerüchte über einen Wechsel zur Telekom gelten als Spekulation.

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Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff wird abgelöst. Neuer Vorstandsvorsitzender des Medienkonzerns soll Vorstandsmitglied Gunter Thielen werden.

Grund für die Trennung seien „unterschiedliche Auffassungen zwischen dem Vorstandsvorsitzenden und dem Aufsichtsrat über die künftige Strategie der Bertelsmann AG sowie über die Zusammenarbeit zwischen Aufsichtsrat und Vorstand“, hieß es in einer knappen Erklärung des Gütersloher Unternehmens am Sonntagnachmittag.

Wohin geht Middelhoff?

Über Middelhoffs berufliche Zukunft wird nun heftig spekuliert. Engagements des angesehenen Managers bei der Telekom oder bei AOL/Time Warner sind im Gespräch. Zu den Spekulationen, Middelhoff werde neuer Vorstandsvorsitzender bei der Deutschen Telekom berichtete die „Bild“-Zeitung am frühen Montagmorgen, dass es keine entsprechenden Angebote gebe. Ein Telekom-Sprecher hatte am Sonntag lediglich gesagt: „An solchen Spekulationen beteiligen wir uns nicht."

Wie das Blatt unter Berufung auf engste Vertraute des Spitzenmanagers berichtet, soll Middelhoff über seine zukünftige berufliche Tätigkeit noch keinerlei Gespräche geführt haben. Alles andere sei reine Spekulation und entspreche nicht den Tatsachen. Middelhoff soll angeblich auch ein Angebot aus den USA vorliegen. Danach will ihn Steve Case zum Medienkonzern AOL/Time Warner holen.

Middelhoffs Börsenpläne waren bei der Eigentümerfamilie Mohn ungeliebt

Der 57-jährige neue Bertelsmann-Chef Gunter Thielen ist seit 1985 Mitglied im Vorstand. Sein Stellvertreter wird Siegfried Luther, der seit 1990 Finanzvorstand der Bertelsmann AG ist.

Thomas Middelhoff stand knapp vier Jahre an der Spitze von Bertelsmann, einem der größten Medienkonzerne der Welt. Der 49-Jährige gilt als einer der deutschen Top-Manager (siehe auch Link: Portrait). Der studierte Betriebswirt rückte 1994 in den Konzernvorstand der Bertelsmann AG auf. Vier Jahre später löste er den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Mark Wössner an der Bertelsmann-Spitze ab.

Als Hauptgrund für die Trennung von Bertelsmann sehen Branchenkenner das Interesse der Familie Mohn, die auf ihren Einfluss in dem Konzern beharre. Middelhoff wollte Bertelsmann an die Börse bringen, ein Plan, der nun wohl auf Eis gelegt wird.

Telekom-Posten große Herausforderung

Dass der Manager nach seinem spektakulären Abschied sofort als neuer Chef der Deutschen Telekom gehandelt wird, liegt auf der Hand. Nach einwöchigen harten Querelen um Ron Sommer waren am 16. Juli der ehemalige Telekom-Aufsichtsratschef Helmut Sihler sowie Technik-Vorstand Gerd Tenzer als Stellvertreter für sechs Monate mit der Leitung der Telekom-Geschäfte betraut worden. Gesucht wurde weiter nach einem wirtschaftlichen Schwergewicht für den exponierten Führungsposten. Middelhoff wäre also ein geeigneter Kandidat.

Der Chefposten bei der Telekom gilt als große Herausforderung: Milliardenschulden und ungewisse Zukunftsaussichten beim neuen Mobilfunkstandard UMTS haben die T-Aktie von einst über 100 Euro auf zeitweise weit unter zehn Euro stürzen lassen. Nicht nur Großanleger, auch rund 2,9 Millionen Privatanleger büßten dadurch Milliardenwerte ein und machten ihrem Zorn auf das Management bereits mehrfach Luft. Der Bund ist mit 43 Prozent größter Anteilseigner der Telekom und galt als die treibende Kraft bei der Ablösung Sommers.

Bertelsmann ist eines der größten Medienunternehmen der Welt. Die Gütersloher konnten ihren Umsatz im vergangenen Jahr auf rund 20 Milliarden Euro steigern. Das Unternehmen beschäftigt eigenen Angaben zufolge über 80.000 Mitarbeiter und ist in mehr als 50 Ländern tätig.

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Zu ausgeklügelt

Von Kerstin Schwenn

Das System des Mautbetreibers Toll Collect ist eine tolle deutsche Erfindung, aber leider nicht wirtschaftlich. Eine Maut lässt sich auch mit einem weniger ausgeklügelten System erheben. Mehr 7 12

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