Die Deutsche Bank kann nach einer Entscheidung des Landgerichts München das 40-prozentige Springer-Paket, das ihr als Sicherheit für ihren Kredit an Leo Kirch dient, verwerten. Damit muss der 75-jährige Medienunternehmer, der eine Einstweilige Verfügung dagegen beantragt hatte, eine Niederlage einstecken.
„Der Antrag auf Einstweilige Verfügung wird zurückgewiesen", sagte die Vorsitzende Richterin am Freitag. „Wir können jetzt theoretisch sofort verwerten", sagte Deutsche Bank-Anwalt Peter Heckel. Sollte Kirch jedoch in absehbarer Zeit selbst einen Käufer präsentieren, sei dies „eine Erwägung wert". Kirch verhandelt zurzeit mit dem Schweizer Ringier-Verlag über eine Übernahme seiner Springer-Beteiligung. Dabei wird in Kreisen der beiden Verlage eine Fusion von Springer und Ringier zum größten europäischen Print-Konzern nicht ausgeschlossen.
Bei den Anwälten Kirchs war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. So blieb offen, ob der Medienunternehmer Berufung einlegen will. Mit der Einstweiligen Verfügung wollte Kirch mehr Zeit für den Verkauf seines Anteils am Axel Springer Verlag gewinnen. Der Medienunternehmer hatte dem Geldhaus vorgeworfen, ihn bei der Suche nach einem Käufer behindert zu haben.
Fusion Springer/Ringier im Gespräch
Der vor 170 Jahren gegründete Rignier-Verlag gilt als Wunschkäufer von Springer für das Aktienpaket, nachdem sich der Herausgeber von Deutschlands größter Boulevard-Zeitung „Bild“ gegen einen Einstieg des Essener WAZ-Konzerns vehement gewehrt hatte. Verhandlungsnahen Kreisen zufolge diskutieren die beiden Verlage auch die Variante einer Überkreuzbeteiligung. In einem solchen Szenario würde Springer Ringier zunächst vollständig übernehmen. Mit dem daraus erzielten Erlös könne der Schweizer Verlag im Anschluss den 40-prozentigen Springer-Anteil von Kirch kaufen. Knackpunkt der Verhandlungen sei aber die Bewertung von Ringier, hieß es.
Am Freitag bestätigten auch Unternehmenskreise von Ringier, dass ein Zusammenschluss beider Verlage erwogen wird. „Viele Optionen werden derzeit in Betracht gezogen, eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen", hieß es laut Reuters in den Kreisen. „Eine der Optionen ist ein kompletter Zusammenschluss zwischen Ringier und Springer.“ Allerdings würden auch Gespräche mit anderen Akteuren geführt. Zugleich wurde in den Kreisen darauf hingewiesen, dass Ringier bereits mit der Bertelsmann-Tochter Gruner+Jahr kooperiere. Weder Springer noch Ringier haben die Möglichkeit einer Fusion bislang kommentiert.
Deutsche Bank will nicht sofort verkaufen
Die Aktien Springers sind vinkuliert, so dass ein Verkauf nur mit Zustimmung des Aufsichtsrats erfolgen kann. Branchenkreisen zufolge hat Springer - obwohl eine Zustimmung vertagt wurde - für den Verkauf des Kirch-Pakets an Ringier bereits Wohlwollen signalisiert.
Es gilt als sicher, dass die Deutsche Bank bei einem Verkauf der Aktien, auf die sie nun ohne Einschränkung zugreifen kann, an der Börse kaum den nötigen Erlös erzielen kann, um den Kredit Kirchs zu decken. Eine Veräußerung an einen strategischen Investor - etwa Ringier - dürfte hingegen einen höhere Summe einbringen. Das Geldhaus hatte mehrfach betont, es sei in erster Linie an der Rückzahlung des 720-Millionen-Euro-Kredits interessiert und müsse dazu nicht notwendigerweise den Verkauf des Pakets selbst leiten. Der Wert von Kirchs Springer-Anteil wird auf rund 800 Millionen Euro geschätzt.
