Nach den zentralen Geschäftssäulen KirchMedia und KirchPayTV wird nun offenbar auch die Konzern-Holding des Medienunternehmers Leo Kirch in die Insolvenz gehen. Wie am Montag aus Branchenkreisen verlautete, werde ein Insolvenzantrag für die TaurusHolding GmbH & Co. KG „kurzfristig“ erfolgen.
Bis zum späten Nachmittag war nach Angaben des Amtsgerichts München noch kein Insolvenzantrag der TaurusHolding eingegangen. In Branchenkreisen wurde nun am Dienstag, in jedem Fall aber vor Pfingsten, damit gerechnet. Auf das operative Geschäft hätte die Pleite der TaurusHolding nach Einschätzung von Branchenkennern keine direkten Auswirkungen. Die KirchMedia, Kerngesellschaft der Gruppe, hatte bereits vor mehr als vier Wochen Insolvenz beantragt.
Murdoch zieht Option vor
Kurz zuvor hatte der britische Sender BSkyB erklärt, er werde eine eigentlich erst im Oktober mögliche Option zum Verkauf seiner Beteiligung am Kirch-Bezahlfernsehen nun vorzeitig ausüben. Der vom US-australischen Medienunternehmer Rupert Murdoch kontrollierte PayTV-Sender BSkyB erklärte, die Option auf den Verkauf von 22 Prozent an KirchPayTV werde sofort ausgeübt. Dies sei möglich, weil außerordentliche Umstände vorlägen, präzisierte ein Sprecher.
Damit sei das reguläre Datum Oktober 2002 hinfällig. Kirch wäre durch die nun ausgeübte Option zur Zahlung von 1,5 Milliarden Euro plus Zinsen verpflichtet. BSkyB wiederholte nun aber seine Einschätzung, das Unternehmen gehe angesichts der angespannten Finanzlage bei Taurus nicht davon aus, überhaupt Geld aus München zu sehen. Im Februar hatte BSkyB deshalb bereits einen Betrag von 985 Millionen Pfund (1,58 Milliarden Euro) auf seine Beteiligung an KirchPayTV abgeschrieben.
Murdoch rechnet mit Abschreibung
Die TaurusHolding ist die Dachgesellschaft, unter der die drei Kirch-Konzersparten KirchMedia, KirchPayTV und KirchBeteiligungen ruhen. Die TaurusHolding gehört zu 100 Prozent der Kirch Unternehmensstiftung. Bis auf die KirchBeteiligungen hatten alle Sparten schon Insolvenzantrag gestellt.